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Aktion Schneeflocke ist angelaufen

Das Rathaus hat die Pläne für den Winterdienst vorgestellt. Der Bauhof will das Mögliche tun. Doch die Schmerzgrenze ist erreicht.

Von Thomas Riemer
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Alle Hände voll zu tun hatten die Großenhainer im Februar, als die weiße Pracht Zentimeter um Zentimeter stieg. Für den Winterdienst gleichermaßen eine Herausforderung, auf die man sich schon jetzt einstellt.
Alle Hände voll zu tun hatten die Großenhainer im Februar, als die weiße Pracht Zentimeter um Zentimeter stieg. Für den Winterdienst gleichermaßen eine Herausforderung, auf die man sich schon jetzt einstellt. © Norbert Millauer

Großenhain. Ein bisschen Schnee ist ja ganz schön, zu viel davon kann schon mal für arge Probleme sorgen. Diese Erfahrung mussten (nicht nur) die Großenhainer insbesondere Anfang Februar machen. Da waren quasi über Nacht derartige Massen der weißen "Pracht" gefallen, dass sowohl der Winterdienst als auch die Bewohner an ihre Grenzen und manchmal auch aneinander gerieten.

Im Rathaus hat man inzwischen die Eiszeit 2020/21 gründlich ausgewertet und bereitet sich auf den - womöglich noch härteren - nächsten Winter vor. "Wir nennen das ,Aktion Schneeflocke'", beschreibt Baubürgermeister Tilo Hönicke schmunzelnd das Szenario, das sich da stets im Oktober auf dem Bauhof abspielt. Vergangenen Mittwoch seien sämtliche verfügbare Technik auf Einsatzbereitschaft kontrolliert "und alle Strecken abgefahren" worden. Das sind in Verantwortung des Bauhofes immerhin 85 Straßenkilometer. 15 weitere werden auch in diesem Winter von der Firma ST Grünbau GmbH aus Leipzig bestreut und beräumt. 35 Kilometer indes fallen unter den Passus "Kein Winterdienst". Daran hat sich im Vergleich zum letzten Winter nichts geändert - sehr zum Unmut so manchen Anwohners der betreffenden Nebenstraßen. Aber: "Die Aufnahme weiterer Straßen in den regulären Winterdienst-Tourenplan ist aufgrund der Leistungsfähigkeit des Stadtbauhofes nicht möglich", heißt es aus dem Rathaus.

Die Unzufriedenheit und das Unverständnis Betroffener sind der Verwaltung natürlich nicht unbekannt. Schon im Sommer hatte man allerdings einerseits klargestellt, dass die Argumentation eines "Rechtes auf Winterdienst" nicht generell gilt. Doch Beschwerden von Anwohnern, die zum Beispiel das "Zuschieben" der von ihnen bedienten Gehwege sowohl von Stadtbauhof als auch Kreisstraßenmeisterei monierten, werden natürlich ernst genommen. Ebenso daraus entstehende Schneeablagerungen auf Geh- und Radwegen.

Deshalb sind die Mitarbeiter des Stadtbauhofes sowie der Leipziger Fremdfirma im Rahmen der "Aktion Schneeflocke" zur Rücksicht beim "Zuschieben" besagter Wege angehalten worden. Das werde jedoch nicht an allen Stellen möglich sein. Denn bei großen Schneemassen - so wie im Februar - diene der Randbereich von Straßen ganz zwangsläufig als Ablagefläche für die Schneemassen.

Generell sieht sich die Stadt mit ihrem jetzigen Konzept gut für einen Winter wie dem vergangenen aufgestellt. Für eine längere und intensivere "Eiszeit", beispielsweise mit 40 Zentimeter Neuschnee - "ist die Stadt Großenhain nicht vorbereitet", gibt die Verwaltung zu bedenken. "Eine lückenlose Vorbereitung auf solch eine Extremwetterlage ist nur schwer möglich."

Das gilt auch für ein anderes Extrem, mit dem wir alle inzwischen leben müssen: Corona. Schon für die vergangene Saison wurde diesbezüglich ein Fünf-Stufen-Plan erarbeitet. Darin ist klar festgelegt, wie der Winterdienst im Falle personeller Ausfälle geregelt wird. Credo: "Das rechtlich notwendige Maß" muss gewährleistet sein - also das Bedienen von gefährlichen und verkehrswichtigen Stellen.

In den einzelnen Stufen werden die Möglichkeiten "durchgespielt". So für den Fall, dass die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis den Wert von 50 überschreitet. Dann bestehen die Bauhof-Teams grundsätzlich nur aus zwei Mitarbeitern, werden die Einsatzfahrzeuge an Lenkrad, Schalthebel oder Türöffner nach Nutzung desinfiziert. Phase 5 wiederum will natürlich niemand - den kompletten Lockdown. Diese Situation, so die rechtliche Antwort, entbindet den Straßenbaulastträger nicht zwangsläufig von der Pflicht des Winterdienstes. Nicht nur deshalb wurde Großenhains Stadtbauhof seit dem ersten Lockdown als systemrelevant eingestuft. Was bedeutet: Sollte kein Mitarbeiter ausfallen, ist der Winterdienst wie gewohnt leistbar. Anderenfalls nicht im vollen Umfang oder nur im rechtlich notwendigen Maß.

Während der Stadtbauhof das Gros des Winterdienstes erledigen soll, ist wie schon in den Vorjahren für die Ortsteile Nasseböhla, Stroga, Skaup, Strauch, Skäßchen, Krauschütz und Uebigau die Fremdfirma aus Leipzig vertraglich gebunden worden. Auch für sie gelten die Regelungen - inklusive der Phasen-Plan im Pandemie-Fall.

"Wir hoffen, dass uns Corona nicht dazwischenkommt", macht Baubürgermeister Hönicke unmissverständlich klar. Auch ohne Pandemie ist Winterdienst eine anspruchsvolle Sache. Vorhersagen, wie vom Februar, lassen ohnehin den Blick stets etwas bangend nach oben schweifen. Und so sehr weit entfernt von der "magischen" Neuschneehöhe von 40 Zentimetern waren wir damals nicht.