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Mehr Flächen für Hochwasserschutz

Grundstücke am Fluss willkommen: Für die Kleine und Große Röder im Landkreis Meißen werden momentan Konzepte zur Gewässerentwicklung erarbeitet.

Der Großen Röder gewissermaßen ins Herz geschaut. So naturnah soll das Gewässer im besten Fall einmal aussehen.
Der Großen Röder gewissermaßen ins Herz geschaut. So naturnah soll das Gewässer im besten Fall einmal aussehen. © © Landestalsperrenverwaltung Sa

Großenhain. Manfred und Nick haben es wieder allen gezeigt. Mit Schmackes drückten die Tiefdruckgebiete in der vergangenen Woche starke Regenmassen in den Freistaat hinein. Ergiebiger Niederschlag prasselte stundenlang über das nicht eben ausgetrocknete Land. So viel, dass sich die Experten bald darin einig waren, dass Sachsen den stärksten Sommerregen seit 67 Jahren erlebte. Kein Wunder, dass im Hochwasser-Frühwarnsystem, welches etwaige Risikogebiete zwölf Stunden voraus betrachtet, auch die westlichen Täler der Elbe von Meißen nordwärts gefährdet waren.

Einer, der schon von Berufs wegen das Wetter genau im Blick behält, ist Andreas Zink. Als Mitarbeiter der Landestalsperrenverwaltung (LTV) Sachsen bestens mit der flüssigen Materie vertraut, erarbeitet der studierte Wasserwirtschaftler momentan sogenannte Gewässerentwicklungskonzepte für das Gebiet der Kleinen und Großen Röder. "Die Pläne sollen deutlich machen, wie die Flüsse in naher Zukunft unter Wahrung von Hochwasserschutzbelangen die gesetzlichen Umweltziele erreichen können", erklärt Andreas Zink. Darüber hinaus würden die Konzepte eine fachliche Grundlage für die nachhaltige Unterhaltung der Gewässer schaffen. Bereits jetzt sei abzusehen, dass für eine naturnahe Entwicklung etwa der Kleinen und Großen Röder mehr Land benötigt werde, welches direkt an die Gewässer angrenze. Praktisch bedeute das, für die betroffenen Flächen nicht nur in Großenhain und Ebersbach, sondern auch in Radeburg, Röderaue, Wülknitz und Gröditz könnte eine Umnutzung erforderlich werden.

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Aus welchem Grund nimmt sich die LTV gerade jetzt der Thematik an?

Im Jahr 2000 hat die Europäische Union eine Wasserrahmenrichtlinie erlassen. In ihr werden für fließende Gewässer, die den „guten ökologischen Zustand“ aufgrund struktureller Defizite nicht erreichen, Verbesserungen möglichst bis 2027 gefordert. Die LTV als Gewässerunterhaltungspflichtiger und Ausbaulastträger für die Fließgewässer 1. Ordnung und die Grenzgewässer im Land Sachsen, geht diese Aufgabe nach eigenem Bekunden zielgerichtet an. Zunächst sei dafür eine Betrachtung und Bewertung der jetzigen Gegebenheiten nötig, um schließlich sogenannte Gewässerentwicklungskonzepte erarbeiten zu können. Auch bei den in Sachsen seit dem Augusthochwasser 2002 zahlreich umgesetzten Maßnahmen zum präventiven Hochwasserschutz sei immer die Übereinstimmung zu den Zielen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie beachtet worden. Nur so wäre es möglich gewesen, diese Hochwasserschutzmaßnahmen auch wasserrechtlich zu genehmigen.

Durch solche Wehre - dazu noch bewachsen und mit Moos bedeckt - ist die Durchlässigkeit der Großen Röder vielerorts nicht geben.
Durch solche Wehre - dazu noch bewachsen und mit Moos bedeckt - ist die Durchlässigkeit der Großen Röder vielerorts nicht geben. © © Landestalsperrenverwaltung Sa

Was sehen Fachleute der LTV am Ufer etwa der Röder in Großenhain, was der Laie möglicherweise nicht entdeckt?

Die Gewässerstruktur der Großen Röder weise verschiedenste Defizite auf, die auch für den Laien gut erkennbar seien. So wären viele Abschnitte stark begradigt und befestigt. Damit einher ginge meist eine mangelhafte Beschattung des Gewässers aufgrund fehlender Gehölze entlang des Ufers. Ein weiteres großes Defizit entstehe durch querstehende Bauwerke wie Wehre, welche einerseits problematisch für die Fischdurchgängigkeit sein können und andererseits den natürlichen Sedimenttransport im Gewässer zum Beispiel durch Schlammablagerungen oberhalb dieser Querbauwerke beeinträchtigen. Das wiederum seien Faktoren, die auch negative Auswirkungen auf die Lebensbedingungen für die Pflanzen und Tiere im Gewässer hätten. Um dem entgegenzuwirken, solle eine Verbesserung der Ufer- und Sohlstruktur zum Beispiel durch den Rückbau von ungenutzten Wehren, die Schaffung von Sand- und Kiesbänken oder die Einbringung von Totholz angestrebt werden. Für die Umsetzung solcher und ähnlicher Maßnahmen würden jedoch Flächen direkt am Gewässer benötigt, weshalb die LTV um Flächeneigentümer im Rödergebiet werbe, die zu einer Umnutzung oder einem Verkauf ihrer Flächen bereit wären.

Wie viele Grundstücke könnten von Umnutzungen betroffen sein?

Für eine Berücksichtigung im Gewässerentwicklungskonzept seien potentiell alle gewässernahen Flächen für Renaturierungsmaßnahmen von Interesse. In einer Vorabprüfung zusammen mit dem Projektverantwortlichen der LTV würden dann aber die angebotenen Flächen hinsichtlich der Lage sowie der Eignung für Renaturierungsmaßnahmen untersucht. Ziel sei es, dem Flusslauf wieder mehr Fläche beispielweise für eine eigendynamische Entwicklung einzuräumen. Aus diesem Grund suche man gezielt zusammenhängende Flächen, in denen der Flusslauf seinem Weg folgen kann, und natürliche, ehemalige Verläufe wiederhergestellt werden können. Damit würden die Bedingungen für die Besiedlung wichtiger Lebensräume für Tiere und Pflanzen geschaffen beziehungsweise verbessert werden.

Wann sollte Grund und Boden verkauft werden?

Ob ein Verkauf der an das Gewässer angrenzenden Fläche tatsächlich notwendig sei, zeige sich nach eingehender Prüfung und Beratung durch die LTV. Die Bereitstellung von Flächen erfolge jedoch ausschließlich freiwillig. Wer zur naturnahen Entwicklung der Kleinen und Großen Röder beitragen wolle, habe aber hier die Chance, sich durch eine Prüfung seiner potentiell erwerbbaren Flächen einzubringen.

Offenbar nicht mehr zeitgemäß und den neuesten Richtlinien des Hochwasserschutzes entsprechend, seien es solche Bauwerke, die nun auf den Prüfstand gestellt werden.
Offenbar nicht mehr zeitgemäß und den neuesten Richtlinien des Hochwasserschutzes entsprechend, seien es solche Bauwerke, die nun auf den Prüfstand gestellt werden. © © Landestalsperrenverwaltung Sa

Bis wann muss die Umnutzung der Flächen abgeschlossen sein?

Die Gewässerentwicklungskonzepte betrachten zunächst den aktuellen Ist-Zustand der Kleinen und der Große Röder und entwickeln Maßnahmen, die zur Erreichbarkeit der Ziele gemäß der europäischen Wasserrahmenrichtlinie für die beiden Gewässer führen können. Die Umsetzbarkeit dieser konzipierten Vorhaben sei dann in weiteren Planungen und falls erforderlich Genehmigungsverfahren zu prüfen, in denen auch eigentumsrechtliche, naturschutzrechtliche sowie andere für das betreffende Gebiet relevanten Belange Berücksichtigung finden müssen. Eine frühe Klärung der Flächenverfügbarkeit sei für derartige Maßnahmen von Vorteil, da die in jedem Fall nötigen verfahrensrechtlich notwendigen Vorhaben und Wege so leichter zu bewerkstelligen wären. Ein wirklicher Abschluss der Umnutzung der Flächen stelle sich erst ein, wenn die dazu relevante Maßnahme erfolgreich abgeschlossen sei.

Wie genau erfolgt die Beratung durch die LTV?

Eine Beratung könne direkt vor Ort als auch telefonisch erfolgen. Gemeinsam mit dem Eigentümer würden mögliche Nutzungsszenarien analysiert, eventuelle Konflikte beleuchtet und nach einer angepassten Nutzung oder Veräußerung gesucht.

Müssen wir uns auch im Landkreis Meißen absehbar auf Großschadensereignisse wie jüngst in Nordrhein-Westfalen oder der Pfalz einstellen? Und wenn ja, sollen die jetzt erarbeiteten Entwicklungskonzepte dem erfolgreich vorbauen?

Ob und wo solche Hochwasserereignisse eintreten, lasse sich nie mit Sicherheit vorhersagen oder ausschließen. Die jetzt erarbeiteten Entwicklungskonzepte würden in enger Abstimmung mit dem Hochwasserrisikomanagement der LTV und der jeweiligen Städte und Gemeinden erstellt. Die Bereitstellung von mehr Flächen für das Gewässer in Kombination mit einer naturnahen Gestaltung des Flusses selbst und mit geeigneten Maßnahmen in der unmittelbaren Umgebung, sei aber eine Chance, das Schadenspotential definitiv zu verringern.

Interessenten und betroffene Grundstückseigentümer können sich an die Landestalsperrenverwaltung Sachsen, Betrieb Oberes Elbtal, unter Telefon 0351 402880 wenden.

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