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Bald sprudelt es wieder in Großenhain

Anfang Mai ist es auch in der Röderstadt traditionell soweit: Die Brunnen werden wieder in Betrieb genommen.

Ein Marktbrunnen mit langer Geschichte: Vor dem Großenhainer Rathaus stehend, erzählt er seit seiner Errichtung im Jahr 1916 von den Vorlieben, die auch in der Region gepflegt wurden.
Ein Marktbrunnen mit langer Geschichte: Vor dem Großenhainer Rathaus stehend, erzählt er seit seiner Errichtung im Jahr 1916 von den Vorlieben, die auch in der Region gepflegt wurden. © Foto: Norbert Millauer

Großenhain. Sie sprudeln Geschichten hervor: Während es in ihrem Innenleben gleichsam plätschert, erzählen die Bauten von den Zeiten, in welchen sie entstanden sind. Was den Menschen wichtig gewesen ist, welche Vorlieben, möglicherweise aber auch Ängste sie hatten.

Der Blick zurück zeigt auch: Wasser war dabei nie nur ein funktionales Element, sondern maßgeblich auch ein gestalterisches. Großenhains prächtig geschmückter Dianabrunnen auf dem Hauptmarkt war selbstverständlich auch ein Zeichen seiner Erbauung.

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1916 errichtet, erinnert er daran, was an sächsischen Höfen mit Passion betrieben wurde. Die Jagd als Privileg des Adels, welcher nicht nur in den Gegenden um Moritzburg, sondern auch auf Großenhainer Flur zum Zeitvertreib gern nachgegangen worden ist, war Inspiration für eines der bekanntesten Wahrzeichen der Röderstadt.

Ja, dem Pfeil der römischen Jagdgöttin Diana entkommt eben kein Wild. Und nicht nur das. Ihrem wachsamen Blick war nicht entgangen, dass sie von einem Jäger beim Baden beobachtet wurde. Zur Strafe verwandelte die erzürnte Dame ihn in einen Hirsch. Dargestellt auf jenem Brunnenareal, auf welchem sich klein und groß heutzutage besonders zum Eisessen gern niederlassen. Erst recht, wenn es an heißen Sommertagen darin wieder fröhlich sprudelt.

Der Neumarktbrunnen entstand im Zuge der Sanierung des Neumarkts. Im Jahr 2007 wurde er vor der Karl-Preusker-Bücherei neu errichtet.
Der Neumarktbrunnen entstand im Zuge der Sanierung des Neumarkts. Im Jahr 2007 wurde er vor der Karl-Preusker-Bücherei neu errichtet. © Norbert Millauer

Neue Brunnen nach Sanierung

Noch ist es indes nicht soweit. Doch schon in wenigen Tagen soll es losgehen. Stück für Stück werden dann die wässrigen Hingucker der Stadt wieder in Betrieb genommen. Der Neumarktbrunnen, im Zuge der Sanierung des Neumarktes im Jahre 2007 vor der Karl-Preusker-Bücherei neu errichtet ebenso, wie der Vier-Tore-Brunnen auf der Mozartallee, Ecke Berliner Straße. Auch er ein Beispiel dafür, dass nicht nur die Baumeister der Vergangenheit sich auf die Gestaltung einer Stadt mit Brunnenelementen beziehen.

„Als die Mozartallee 1994 saniert wurde, ist dieser Brunnen entstanden. Er zeigt die Darstellung der vier historischen Stadttore, die seinerzeit auf der Wildenhainer-, Meißner-, Naundorfer- und Dresdner Straße platziert waren“, weiß Rathaussprecherin Diana Schulze.

Die Gruppe der Riesenkinder im Zabeltitzer Barockpark mit Füllhorn bestehen aus Cottaer Sandstein. Ein geschichtsträchtiges Ensemble aus der Zeit um 1771.
Die Gruppe der Riesenkinder im Zabeltitzer Barockpark mit Füllhorn bestehen aus Cottaer Sandstein. Ein geschichtsträchtiges Ensemble aus der Zeit um 1771. © Norbert Millauer

Im Gegensatz zum Skäßchener Brunnen, wird der im Ortsteil Walda leider nicht mehr in Betrieb genommen. 1995 durch den Baudaer Keramiker Gert Mehnert und den später ermordeten Künstler Gunter Augsten für den Dorfplatz geschaffen, musste er vor zwei Jahren stillgelegt werden. Die aus grobkörnigem Ziegelton gebrannte Skulptur hatte unter der permanenten Übersättigung des Wassers gelitten. „Dadurch wurden eine regelmäßige und starke Veralgung, aber auch Frostabsprengungen und Abplatzungen verursacht“, erklärt Diana Schulze. Um das Kunstwerk, das Motive des Dorfes zeigt, dauerhaft erhalten zu können, habe man sich letztlich entschieden, es nur noch als Plastik wirken zu lassen.

Auf Betrachter aus nah und fern wirkt nicht nur die Fontäne im Zabeltitzer Barockpark, sondern auch der Brunnen mit seinen Riesenkindern. Ursprünglich auf einem Rasenplatz nordwestlich des Palais in der Nähe der Mühle anno 1771 errichtet, war er 1963 südwestlich des Palais versetzt worden, um 44 Jahre später wieder an der einstigen Stelle stehen zu dürfen.

Mit wunderschönen Details versehen: Der Vier-Tore-Brunnen erinnert an die einstigen historischen Tore der Stadt.
Mit wunderschönen Details versehen: Der Vier-Tore-Brunnen erinnert an die einstigen historischen Tore der Stadt. © Norbert Millauer

Auch wenn der Künstler unbekannt ist, wird die imposant anmutende Gruppe dem sogenannten Umfeld des Bildhauers Gottfried Knöffler zugeschrieben. Die zwei auf einem Felsen sitzenden Kinder, welche ein Füllhorn halten, könnten möglicherweise im Auftrag des Reichsgrafen Josef Anton Gabaleon von Wackerbarth-Salmour geschaffen und vermutlich in den 50er Jahren des 18. Jahrhunderts errichtet worden sein.

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„1764 wurde zumindest erstmals eine Statue mit zwei Kindern erwähnt und sieben Jahre später ist im damaligen Lageplan eine Gruppe erwähnt, die als Sockel für einen Springbrunnen dient", heißt es in der Rahmenzielstellung für den Barockgarten vom Landschaftsarchitekturbüro Franz. Das Ensemble aus Cottaer Sandstein sei wahrscheinlich 1937 saniert worden, um von 1957 bis 1963 eine Restaurierung durch den Dresdner Bildhauer Hempel zu erfahren. Großenhains Brunnen, die Geschichten sprudeln – ab kommender Maiwoche.

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