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Baudaer Funkturm-Debatte mit Zündstoff

Bei einer Einwohnerversammlung machen sich vor allem Gegner des Baus bemerkbar. Der Ortschaftsrat stimmt der Errichtung dennoch zu. Aus guten Gründen.

Am Baudaer Dorfrand, wo sich unter anderem der Hundesportplatz befindet, plant die Telekom den Funkturm. Der genaue Standort steht noch nicht fest.
Am Baudaer Dorfrand, wo sich unter anderem der Hundesportplatz befindet, plant die Telekom den Funkturm. Der genaue Standort steht noch nicht fest. © Foto: Kristin Richter

Großenhain/OT Bauda. "Ihr macht es uns nicht leicht", sagt Lars Dronigke. "Aber wir haben das Mögliche versucht, für die Baudaer mitzunehmen", fügt der Ortschaftsratsvorsitzende des 400-Seelen-Dorfes hinzu. Das Gremium hatte am Dienstag zu einer Einwohnerversammlung eingeladen und sich Unterstützung geholt: Großenhains Oberbürgermeister Sven Mißbach und Bolko Weilandt, Kommunalbeauftragter Mobilfunk der Deutschen Telekom Technik GmbH. Das Unternehmen will am Dorfrand einen 50 Meter hohen Funkturm errichten. Auf einem städtischen Grundstück, auf dem sich unter anderem der Hundesportplatz befindet. Rund 500 Meter von der nächsten Wohnbebauung entfernt.

Doch der Bau ist in der Einwohnerschaft umstritten. Und zur Diskussion auf dem Sportplatz waren Zweifler und Gegner nicht unerwartet in der Mehrheit. Deren Vorbehalte sind nicht unbekannt und auch nicht gänzlich neu: Warum soll eine solche Anlage ausgerechnet in Bauda entstehen, von der Walda, Kleinthiemig, Colmnitz und andere Orte profitieren? Warum baut die Telekom und kein anderer Netzbetreiber? Bekommt Bauda eine "Gegenleistung"? Und was ist möglichen gesundheitsschädigenden Folgen, die zum Beispiel 5G verursachen könnte?

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Die Experten vor Ort bleiben Antworten nicht schuldig. Auch wenn der Funkturm von der Telekom gebaut wird, sei er für andere Anbieter nutzbar. Zu eventuellen Gefahren von 5G verlasse man sich auf seriöse wissenschaftliche Aussagen. Der vorgesehene Standort sei der günstigste - auch aus wirtschaftlichen Gründen. Von der Frage nach einer "Gegenleistung" zeigt sich der Oberbürgermeister überrascht. Doch er räumt ein, dass man darüber nachdenken kann.

Sven Mißbach sagt aber auch: Laut Baurecht kann die Stadt den Funkmast nicht einfach ablehnen. Hintergrund: Der Netzausbau in Deutschland ist quasi vom Bund vorgegeben. Rein rechtlich könnte zum Beispiel das Landratsamt eine städtische Entscheidung kippen und selbst auf Grundstückssuche gehen - zum Beispiel bei Privateigentümern. Dann, ergänzt Lars Dronigke, drohe möglicherweise eine Verschandelung des Ortsbildes, wie sie auch einige Dörfer in der näheren Umgebung erfahren hätten.

Der Ortsvorsteher sieht die positiven Effekte einer solchen Anlage. Der Wunsch nach besserer Netzabdeckung sei in Bauda beispielsweise bei den Unternehmern sehr groß. Es habe in der Vergangenheit einen Fall gegeben, dass ein Mann nicht rechtzeitig zur medizinischen Behandlung gelangte, weil kein Handyempfang da war. Und: "Wenn wir ablehnen, verbauen wir uns möglicherweise den Zuzug junger Leute nach Bauda", so Dronigke.

Der Ortschaftsrat hat seit dem Jahreswechsel versucht, eine Art "Stimmungsbarometer" zum Funkturm zu ergründen. Corona geschuldet, blieben Ortschaftsratssitzungen zwar ohne Gäste. Doch mit verteilten Handzetteln wurden Meinungen und Argumente gesammelt. Von 129 Rückläufen gab es 78 Mal Zustimmung, 51 Ablehnungen. Mit der Einwohnerversammlung am Dienstag wollte man nochmals informieren und Für und Wider abwägen.

Lars Dronigkes Vorgänger Peter Grünberg machte aus seiner Ablehnung kein Geheimnis, wünschte dem Ortschaftsrat "ein glückliches Händchen" bei der Entscheidung. Denn das Gremium tagte schon am Mittwoch und votierte mehrheitlich dafür, dass der Mast gebaut werden kann. "Eine Entscheidung der Vernunft", so Lars Dronigke. Alles andere wäre nicht rechtskonform gewesen.

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