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Baudaer kauft Baudaer Gasthof

Eigentlich wollte Sven Laudel auf seinem Grundstück aktiv werden. Als der Denkmalschutz die Pläne für Firmenräume durchkreuzte, schritt er zur Tat.

Der Baudaer Sven Laudel, welcher sich mit seinem Reinigungsunternehmen 2019 selbständig gemacht hatte, hat nun den ehemaligen Gasthof "Zum Löwen" gekauft. Ein Haus mit großem Saal.
Der Baudaer Sven Laudel, welcher sich mit seinem Reinigungsunternehmen 2019 selbständig gemacht hatte, hat nun den ehemaligen Gasthof "Zum Löwen" gekauft. Ein Haus mit großem Saal. © Kristin Richter

Großenhain. Ohne Plan B läuft nichts bei ihm. Denn Plan B hat schon oft geholfen, wenn in seinem Leben drohte, etwas schiefzulaufen oder gar völlig gegen die Wand zu fahren. Auch dieses Mal zauberte Sven Laudel Plan B aus der Tasche und verblüffte im Frühsommer so manchen Bewohner seines Heimatortes.

Immerhin: Der Baudaer, welcher sich im März 2019 mit einem Unternehmen für Gebäudereinigung selbständig gemacht hatte, kaufte den seit einigen Jahren leerstehenden Gasthof auf der Hauptstraße. Das Haus, in welchem einst auch der Konsum des Dorfes untergebracht und Generationen von Familien so manche Festivität gefeiert haben, soll nun wieder mit Leben erfüllt werden.

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Ein Vorhaben, zu dem Sven Laudel ehrlicherweise durch einen Zufall beziehungsweise Umstände gekommen ist, die seine ursprünglichen Pläne - also gewissermaßen Plan A - durchkreuzt hatten. "Auf meinem privaten Grundstück steht ein kleines Gebäude, das wir immer liebevoll Hexenhäuschen nennen und das ich nach meiner Firmengründung gern für geschäftliche Zwecke ausbauen wollte", erzählt Sven Laudel. Nachdem das Dach bereits erfolgreich neu gedeckt worden war, habe er gehofft, in den kommenden Monaten die noch notwendige Sanierung beenden zu können.

Doch leider sollte es anders kommen - über das Projekt sei plötzlich durch die zuständige Kreisbehörde ein Baustopp verhängt worden. Dem einstigen Kaufexposé und Notarvertrag zum Trotz habe sich nämlich herausgestellt, dass es sich bei dem Objekt um ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude handelt. "In keinem der mir vor dem Grundstückserwerb vorgelegten Unterlagen war dieser entscheidende Umstand ausgewiesen! Aber da es nun offensichtlich so zu sein scheint, muss ich diese Tatsache natürlich akzeptieren", weiß Sven Laudel und zuckt mit den Schultern.

Allerdings: Sich den daraus resultierenden baulichen Konsequenzen beugen wolle sich der 40-Jährige nicht. Der Familienvater, in dessen Auftragsbücher sich Hochhäuser in Leipzig ebenso wiederfinden wie Gebäude in Großenhain, Dresden, Kindereinrichtungen, Autohäuser, die Justizvollzugsanstalt Zeithain und zahlreiche private Haushalte, entschied sich stattdessen für einen anderen Weg - und zauberte eben Plan B aus der Tasche. "Ich hatte schon davon gehört, dass die Verhandlungen, einen neuen Eigentümer für den ehemaligen Baudaer Gasthof zu finden, fehlgeschlagen waren. Also dachte ich mir, weshalb nicht gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und entschied mich dafür, den Gebäudekomplex zu erwerben", bekennt Sven Laudel.

Die ehemalige Gaststätte "Zum Löwen" in Bauda weiß sicher so manche Geschichte zu erzählen. Nun wird das bisher leerstehende Gebäude wieder flott gemacht.
Die ehemalige Gaststätte "Zum Löwen" in Bauda weiß sicher so manche Geschichte zu erzählen. Nun wird das bisher leerstehende Gebäude wieder flott gemacht. © Kristin Richter
Keine Frage, es gibt viel zu tun: Der Innenhof gibt einen Blick auf den Saal und das Seitengebäude frei. Hier sollen das Lager und ein Büro von Sven Laudels Firma Platz finden.
Keine Frage, es gibt viel zu tun: Der Innenhof gibt einen Blick auf den Saal und das Seitengebäude frei. Hier sollen das Lager und ein Büro von Sven Laudels Firma Platz finden. © Kristin Richter

Ein Ensemble, was unübersehbar schon einige Jahre in den ziemlich maroden Mauern hat. Aber Sven Laudel wäre eben nicht Sven Laudel, wenn er an die Sanierung ohne eine große Portion Optimismus ginge. Tatsächlich sind die Arbeiten in jenem Bereich, der hoffentlich in wenigen Monaten sein künftiges Firmenbüro und Lagerräume beherbergen soll, bereits in vollem Gange. Etwas komplizierter wäre hingegen die Vermietung der Gaststätte. Noch mit komplettem Inventar im Erdgeschoss versehen und einem baufälligen Saal in der oberen Etage, seien die großzügigen Räume viel zu schade, um einfach leer zu stehen.

In den Räumen der Gaststätte schaut es so aus, als wären die letzten Gäste erst eben gegangen. Komplett eingerichtet, warten sie eigentlich auf einen neuen Betreiber.
In den Räumen der Gaststätte schaut es so aus, als wären die letzten Gäste erst eben gegangen. Komplett eingerichtet, warten sie eigentlich auf einen neuen Betreiber. © Kristin Richter

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Die ersten Anfragen bei infrage kommenden Gastronomen und Pächtern seien indes leider nicht erfolgreich gewesen. Sven Laudel macht keinen Hehl daraus, dass es angesichts der wirtschaftlichen Verhältnisse inmitten der völlig unabsehbaren Corona-Pandemie nicht einfach sein werde, schnell jemanden für Zapfhahn, Abendessen und Co. zu finden. Und hat dennoch im Hinterkopf, was eigentlich bei ihm auch nicht anders zu erwarten ist: Plan B, ohne den ja bei dem umtriebigen Unternehmer nichts zu laufen scheint. Tageweise Vermietungen und das Angebot, die Gaststätte in eigener Regie für Veranstaltungen oder Familienfeiern zu nutzen, könnten beispielsweise über die Zeit retten. So lange, bis ein Betreiber für den "Löwen" gefunden ist und dieser tun kann, wofür das Haus nicht nur in Bauda beliebt gewesen ist - erfolgreich Gäste bewirten.

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