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Chefin entlarvt falsche Google-Mitarbeiter

Anrufer wollen mit einem Vorwand an das Geld der Großenhainerin kommen. Nicht die einzige Masche, vor der die Polizei momentan warnt.

Vorsicht: Nicht jeder Anrufer, der sich am Telefon als Mitarbeiter des renommierten Internetriesen ausgibt, ist tatsächlich für das Unternehmen tätig.
Vorsicht: Nicht jeder Anrufer, der sich am Telefon als Mitarbeiter des renommierten Internetriesen ausgibt, ist tatsächlich für das Unternehmen tätig. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. Manchmal sind Minuten entscheidend. Und Momente, in denen der Angerufene vielleicht gerade abgelenkt oder mit etwas Wichtigem beschäftigt ist. Es sind die Situationen, in denen ein unbedachtes Ja zum Verhängnis wird, eine schnell gegebene Unterschrift ganze Sparguthaben vernichtet oder eine achtlos hingegebene Zustimmung auf Jahre hinweg in vertragliche Abhängigkeiten führt. "Glücklicherweise bin ich gleich hellhörig geworden, als mir meine Mitarbeiterin vom Anruf des Vortages erzählte - und ich konnte entsprechend reagieren", verrät Ellen Kotte.

Die Inhaberin der namhaften Medi Pflege GbR in Großenhain macht im Gespräch mit der Sächsischen Zeitung ihrem Ärger Luft. Am Dienstag vergangener Woche hätten die Betrüger bereits das erste Mal versucht, sie telefonisch zu erreichen. Tags darauf versuchten sie es wieder und hatten tatsächlich die Chefin selbst am Telefon. "Die Frau am anderen Ende wollte mich wortreich davon überzeugen, dass meine Eintragung bei Google künftig nur noch als Werbung angezeigt werde, wenn ich dafür eine größere Summe bezahlte", erzählt Ellen Kotte. 

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Wie die beherzte Krankenschwester betont, habe sie auch eine nachfolgende Debatte nicht von der Wahrhaftigkeit der Äußerungen überzeugen können. Umso mehr, da sie erst kürzlich davon gehört habe, dass der Verbraucherschutz davor warnt, dass Betrüger immer wieder versuchen, Inhaber von Firmen oder selbstständig tätige Leute in die Falle zu locken. Die Anrufer möchten potenziellen Opfern wie Ellen Kotte über eine erfundene Vertragsverlängerung das Geld aus der Tasche ziehen. Neben dem Suchmaschinenriesen Google würden auch große Branchenbuchverlag wie "Das Örtliche" oder "Gelbe Seiten" für derlei kriminelle Machenschaften genutzt.

Wichtig: Die Anrufer nutzten entweder diverse Handynummern oder aktuell die Festnetzanschlüsse unter 0211 54277893, 069 96758364 und 069 34868777. Das Prozedere liefe stets so ab, wie von Ellen Kotte geschildert. Zunächst stelle sich der Anrufer als Mitarbeiter von Google vor und beziehe sich auf die Verlängerung des sogenannten Google Business Eintrages. Wie der vermeintliche Mitarbeiter deutlich machen würde, sei dieser Eintrag nur im ersten Jahr kostenlos. Deshalb würden nun Folgekosten fällig, für die entweder bald eine Rechnung ins Haus flattere - Summen zwischen 700 und 900 Euro schlagen da schnell mal zu Buche. "Man darf sich da wirklich nicht an der Nase herumführen lassen! Der Google Business Eintrag ist auch in den Folgejahren kostenlos, da kann die Dame am anderen Ende der Leitung sagen, was sie will", weiß Ellen Kotte und lacht.

Betrüger nutzen selbst Corona

Die Großenhainerin hat letztlich das einzig Richtige getan, nämlich das Telefonat beendet. Was laut Lukas Reumund auch jene Leute tun sollten, die zurzeit als Angehörige von Coronaerkrankten oder vermeintliche Zielgruppe einer Studie auserkoren werden. Eine miese Tour auf Kosten besorgter und gegenwärtig sensibilisierter Menschen, die ebenfalls telefonisch abgezogen werde und nur dafür da wäre, Geld zu erlangen. "Den Betroffenen wird dann von einem erfolgreich entwickelten Medikament gegen Covid-19 berichtet und gegen die Zahlung von einer sechsstelligen Summe könnten sie Nutznießer des Präparates werden", gibt Lukas Reumund zu bedenken. Wichtig sei tatsächlich, die Sinnhaftigkeit solcher Anrufe zu hinterfragen und sich beim geringsten Zweifel am besten gar nicht erst in eine Unterhaltung verstricken zu lassen. Denn manchmal sind genau diese Minuten entscheidend - damit der Betrüger nicht den entscheidenden Moment abpassen kann.     

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