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Blochwitzer bekommen ihre Feldhecke zurück

Die Autobahn GmbH lässt den Verbindungsweg nach Linz neu bepflanzen, nachdem vor drei Jahren ein Teil der Begrünung abgeholzt worden war.

Von Manfred Müller
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Manfred Grafe aus Blochwitz inspiziert die neu gepflanzten Ahornbäume nahe der A 13 am Verbindungsweg nach Linz.
Manfred Grafe aus Blochwitz inspiziert die neu gepflanzten Ahornbäume nahe der A 13 am Verbindungsweg nach Linz. © Manfred Müller

Blochwitz. Sechs Spitzahorn-Bäumchen stehen schon – der Rest der 180 Meter langen Feldhecke soll bis Weihnachten gepflanzt sein. Dann ist der Weg zwischen dem Lampertswalder Ortsteil Blochwitz und dem Schönfelder Ortsteil Linz wieder nahezu komplett begrünt. Die Autobahnverwaltung hatte hier vor drei Jahren ein Regenrückhaltebecken ertüchtigt, in dem die Versickerung wegen des lehmigen Bodens nicht funktionierte. Es wurde eine zusätzliche Ableitung gebaut, die nach einem Kilometer in den Blochwitzer Tränkegraben führt. Aber entlang des Weges stand eine Feldhecke, die vor zehn Jahren als Ausgleich für den Flächenverbrauch der Deutschen Bahn bei ihren Arbeiten am Bahnhof Lampertswalde gepflanzt wurde. Die Ebereschen, Holunderbäume, Schlehen, Haselnusssträucher und Brombeeren waren inzwischen zu einem kleinen Naturparadies verwachsen, das stellenweise eine Höhe von vier Metern erreichte. Das Straßenbauamt ließ einen Teil der Hecke kurzerhand abholzen, um die Leitung und etliche Betonschächte in die Erde zu bringen. Als Blochwitzer Bürger bei den Bauleuten vor Ort anfragten, ob wieder nachgepflanzt werde, bekamen sie zur Antwort, dass da nix vorgesehen sei.

Eine Anfrage der SZ ergab allerdings, dass durchaus ein Planfeststellungsbeschluss existierte, der eine „zeitnahe“ Rekultivierung vorsah. 2019 passierte dann nichts mehr, und auch 2020 wurde nicht gepflanzt. Als die Bürger und der Naturschutzbund nachfragten, hieß es, bei der Ausschreibung habe niemand ein Angebot abgegeben. Nun aber ist bereits Mutterboden aufgeschüttet und die Pflanzen liegen eingezäunt vor Ort. Nach Auskunft der mittlerweile verantwortlichen Autobahn GmbH orientiert sich das Artenspektrum an der bereits vorhandenen Hecke. Roter Hartriegel ist dabei, Waldhasel, Pfaffenhütchen, auch Gemeiner Schneeball und Hunds-Rose. Hochstämmige Pflanzen bilden die Ausnahme, weil befürchtet wird, dass sie die Leitungsrohre beschädigen. Die Kosten für die Wiederanpflanzung belaufen sich auf 20.000 Euro.

„Es wurde Zeit, dass hier etwas passiert“, sagt der Blochwitzer Manfred Grafe. Die Straße werde stark von Radlern und Spaziergängern frequentiert, denen die Hecke Windschutz bot. Außerdem sei sie Nahrungsquelle und Rückzugsgebiet für die verschiedensten Vogelarten gewesen. Auch der Linzer Lutz Runge, der im Nabu aktiv ist, freut sich über die Rekultivierung. Führt doch ganz in der Nähe ein Wilddurchlass unter der A 13 hindurch. Damit die Tiere diesen annehmen, sollten die Zugänge von beiden Seiten her Deckung bieten. Das war durch die Hecken-Abholzung nicht mehr gewährleistet. „Verkehrswege und intensiv bewirtschaftete Großflächen sind für viele Tierarten ein unüberwindbares Hindernis“, sagt Runge. Durch die Anpflanzung werde der Durchlass für Tierwanderungen wieder attraktiver.

Dass die Pflanzung so spät im Jahr erfolgt, ist nach Auskunft der Projektleitung kein Problem. Man bevorzuge grundsätzlich den Herbst, da die Gehölze so die Möglichkeit haben, sich über den Winter an den Standort zu gewöhnen und im Frühjahr bei entsprechenden Bedingungen direkt loszuwachsen, ohne in oder kurz vor der Austriebsphase einen Standortwechsel zu erfahren. Bei der Herbstpflanzung sei man aber abhängig von den Baumschulen, die immer erst ausliefern, wenn das Laub abgefallen ist. Dies war in diesem Jahr recht spät der Fall. Wenn die Feldhecke gepflanzt ist, wird sie für drei Jahre mit einem Zaun vor Wildverbiss geschützt. Für diesen Zeitraum sind auch Entwicklungspflegemaßnahmen wie Wässerung und Schädlingsbekämpfung vorgesehen. Als er im Sommer noch einmal bei der Autobahn GmbH anfragte, bekam Manfred Grafe die Auskunft, dass Pflanzen noch dieses Jahr in die Erde kämen. „Die haben Wort gehalten“, sagt der Blochwitzer anerkennend.