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Bloß gut, dass wir Verträge haben

In der Gävernitzer Hopfenanlage wird die Ernte eingebracht – die coronabedingte Bier-Absatzflaute schlägt dieses Jahr noch nicht ins Kontor.

Christoph Liebert, Chef der Gävernitzer Hopfen GmbH, zeigt den diesjährigen Hopfen. Witterungsbedingt ist er sehr lang.
Christoph Liebert, Chef der Gävernitzer Hopfen GmbH, zeigt den diesjährigen Hopfen. Witterungsbedingt ist er sehr lang. © Foto: Kristin Richter

Gävernitz. Keine kulturellen Großveranstaltungen, keine Fußballspiele vor zehntausenden Fans, die Kneipen wochenlang geschlossen. Deutschlands Bierbrauer haben Probleme, ihren Gerstensaft wie gewohnt an den Mann zu bringen. „Bloß gut, dass wir langfristige Verträge haben“, sagt Christoph Liebelt. Der Chef der Gävernitzer Hopfen GmbH bringt mit seinen Leuten gerade die Ernte ein, und auf der würde er ohne Abnahmegarantie wahrscheinlich sitzenbleiben. Da ist es auch nicht weiter schlimm, dass der Ertrag etwa zehn Prozent unter dem Durchschnitt liegen wird. Die starken Fröste Anfang März und die Eisheiligen hatten den Hopfenpflanzen nicht gut getan. Aber wenn die Erträge sinken, steigen normalerweise die Preise, und das gleicht schon einiges wieder aus.

Als wirkliches Problem erwies sich der Einreisestopp, der im März für ausländische Arbeitskräfte verhängt wurde. Die Gävernitzer beschäftigen Saisonarbeiter aus Polen – einige davon schon seit Jahren oder gar Jahrzehnten. Diese versierte Mannschaft saß hinter der Grenze fest, als sie am dringendsten gebraucht wurde. „Wir mussten Arbeitskräfte aus dem Betriebsverbund zusammenrufen“, sagt Christoph Liebelt. Der Hopfenproduzent gehört zur Meißner Agrarprodukte AG, und die schickte jeden, der abkömmlich war, nach Gävernitz. Hopfenanbau ist mit viel Handarbeit verbunden: Triebe verschneiden, Rankdrähte spannen, die Reben an der Kletterhilfe befestigen. Es boten sich auch freiwillige Helfer an, beispielsweise vom Sportverein. 

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Dennoch war Liebelt froh, als die Saisonkräfte wieder ins Land durften. Deren Erfahrung mit dem Hopfenanbau und ihr Arbeitstempo kann man nicht so leicht ersetzen. „Wir sind gleich Anfang April nach Görlitz gefahren und haben die polnischen Arbeiter abgeholt“, erzählt der Geschäftsführer. Es sei keine einfache Zeit gewesen – jeden Tag eine neue Situation. Dabei hatte es in den vergangenen Jahren nicht schlecht ausgesehen mit dem Gävernitzer Hopfen. Ein paar gute Ernten hintereinander machten sogar den Bau einer neuen zehn Hektar großen Gerüstanlage möglich. Dort wird Aromahopfen der Sorte „Tradition“ angebaut. Auch für diesen hat der Agrarbetrieb bereits vertraglich gebundene Abnehmer.

Ein wenig Geschick ist bei der Ernte in Gävernitz schon notwendig: Hubert Walczak beim Einhängen des Hopfens.
Ein wenig Geschick ist bei der Ernte in Gävernitz schon notwendig: Hubert Walczak beim Einhängen des Hopfens. © Foto: Kristin Richter

Die Gävernitzer Hopfen GmbH ist im Jahr 1991 als Tochterunternehmen der Meißner Agrarprodukte AG gegründet worden. Sie bewirtschaftet knapp 50 Hektar Anbaufläche, wo vor allem die Sorten „Hallertauer Magnum“ und „Herkules“ gezogen werden. Neben den beiden Plantagen in Gävernitz und Kmehlen gehören auch Flächen im westelbischen Scharfenberg zur Hopfen GmbH. Vier festangestellte Mitarbeiter wachen über die Gerüstanlagen der Hopfengärten. 

Die Bitterstoffe, die zum Bierbrauen benötigt werden, befinden sich ausschließlich in den Dolden, das heißt in den Blütenständen der Hopfenpflanze. Bei der Ernte werden die Reben maschinell knapp über dem Boden abgeschnitten und von den Gerüstanlagen gerissen. In der Hopfendarre trennt eine Pflückmaschine die Dolden vom Stock. Die Stängel und Blätter werden kompostiert und als Dünger auf die Anbauflächen ausgebracht. Die Dolden durchlaufen mehrfach eine Trocknungsanlage, wo der Feuchtigkeitsgehalt auf elf Prozent gesenkt wird. Danach werden sie zu 60 bis 65 Kilogramm schweren Paketen gepresst und abgepackt. Die Weiterverarbeitung des Gävernitzer Hopfens erfolgt in der bayerischen Hallertau, dem größten Anbaugebiet Deutschlands. Hier wird der Hopfen zu Pellets gepresst, die dann vermarktet und in den Brauereien dem Bier zugesetzt werden. Zum Brauen verwendet man ausschließlich Dolden der weiblichen Hopfenpflanzen.

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