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Bremse für Solarpark Walda ist gezogen

Umstritten: Ein europaweit tätiges Unternehmen möchte auf einhundert Hektar Fläche intensiv genutztes Ackerland für die Energiewende umnutzen.

So würde es aussehen: Die Solaranlage am Sportpark Großenhain gibt einen kleinen Vorgeschmack auf die Pläne im Ortsteil Walda. Allerdings: Die Dimension würde eine weitaus größere sein.
So würde es aussehen: Die Solaranlage am Sportpark Großenhain gibt einen kleinen Vorgeschmack auf die Pläne im Ortsteil Walda. Allerdings: Die Dimension würde eine weitaus größere sein. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. Schon nach den ersten Worten ist klar: dieses Projekt wird nicht wegdelegiert werden. Nein! Das Vorhaben wird stattdessen eines derjenigen sein, um welches sich der Chef vorrangig selber kümmern wird. Und kein Wunder auch: was die Kronos Solar aus München in der jüngsten Stadtratssitzung wortreich und mit mehreren bildlichen Darstellungen für den Ortsteil Walda aufwendig präsentiert hat, führt sich Großenhains Oberbürgermeister Sven Mißbach seitdem gedanklich immer wieder zu Gemüte. Der promovierte Forstwirt, der sich im Studium auch maßgeblich Umweltschutz und Raumordnung gewidmet hat, weiß die Dinge in diesem speziellen Fall vielleicht tatsächlich besser einzuschätzen als manch anderer.

Gut 90 Hektar Fläche will das Unternehmen, welches seit über zwölf Jahren Freiflächen-Solarparks in England, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland entwickelt, im sächsischen Großenhain aus dem Boden stampfen. Bisher vorrangig von der Agrargenossenschaft Bauda eG und gut 15 weiteren Eigentümern intensiv genutztes Ackerland, das zum Klima- und Energiekonzept des Freistaates beitragen könnte. Tatsächlich lautet das seinerzeit vollmundig ausgegebene Ziel: Bis zum Jahr 2050 solle der Energiebedarfs Sachsens vollständig aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden.

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Ob diese nun künftig aus Großenhain stammen, ist allerdings - zumindest in der geplanten Größenordnung - momentan fraglich. Auch wenn laut Kronos Solar alle infrage kommenden Flurstückseigentümer einverstanden mit der langfristigen Verpachtung der Flächen wären. Man geradezu froh sei, mit dem nicht mehr vor Nährstoffen strotzenden und eher durch zunehmend schlechtere Qualität von sich Reden machenden Böden wenigstens auf diese Weise Geld verdienen zu können. Und auch keine naturschutzrechtlichen Gründe gegen eine Umnutzung des niederschlagsarmen Gebietes sprechen würden - Großenhains Verwaltung und die Stadträte haben weitreichende Bedenken.

Auch ein paar Wochen nach der öffentlichen Präsentation macht Sven Mißbach keinen Hehl daraus, dass er arge Bauchschmerzen hinsichtlich der Größe des vorgesehenen Areals habe. Wie der Verwaltungschef betont, würde die Ausdehnung in jeder Hinsicht landschaftsprägend sein. Ebenso wie beim Aufstellen von Windrädern, könne man über das Ansinnen nicht emotionslos hinweggehen. "Einerseits ist mir die Lage unserer Landwirte sehr wohl bewusst, die jedes Jahr mit ausgedörrter Erde und niedrigeren Erträgen an diesem Standort zu kämpfen haben und nun auf eine dauerhafte Einnahmequelle hoffen. Aber andererseits gebe ich zu bedenken, was so eine riesengroße Anlage mit unserem Landschaftsbild machen würde - und deshalb treten wir da erstmal von vornherein auf die Bremse", bekennt Sven Mißbach.

Bürger können sich am Solarpark beteiligen

Das wirtschaftliche Argument, möglicherweise von der Gewerbesteuer profitieren zu können, sei dabei wenig tröstlich. Das Unternehmen, welches eine ostdeutsche Niederlassung in Leipzig betreibt, müsse dazu den neuen Betrieb erstmal in Großenhain anmelden. Ob es dazu kommt, müsse man ebenso abwarten, wie das formulierte Ziel, mit der Stadt und den Flächeneigentümern eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe beziehungsweise eine konstruktive regionale Partnerschaft entstehen zu lassen.

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Etwaige Pläne, dass sich interessierte Bürger und unmittelbare Anwohner an einer sogenannten lokalen Energiegenossenschaft (egNEOS) mit bis zu 20 Prozent am Solarpark beteiligen könnten, seien sicherlich ein zu überdenkendes Angebot. Jedoch: "Auch wenn das alles gut klingen mag, ist es zunächst an der Verwaltung und den Stadträten sowie Ortschaftsräten, zu entscheiden, ob solch ein großes Projekt überhaupt in unserer Region gewollt ist. Das muss ganz in Ruhe mit allem Wenn und Aber überdacht werden, wir haben schließlich keinerlei Zeitdruck", gibt Sven Mißbach zu bedenken.

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