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Das Bäumchen für die Weihnachtszeit ist da

Knapp 17 Meter hoch, 30 Jahre alt und gut gewachsen: Die Grautanne aus Gröden steht seit Mittwoch auf dem Hauptmarkt.

Von Thomas Riemer
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Endstation Hauptmarkt: Der Mittelbaum für die Weihnachtszeit in Großenhain am Mittwochmittag.
Endstation Hauptmarkt: Der Mittelbaum für die Weihnachtszeit in Großenhain am Mittwochmittag. © Foto: Thomas Riemer

Großenhain. Die Geschichte des Weihnachtsbaumes auf dem Hauptmarkt ist mit 5G ziemlich präzise zusammengefasst: Gröden, Grautanne, Geprüft, Gefällt, Großenhain. Am Mittwoch nahm das Prachtexemplar seinen Weg aus dem 1.300-Seelen-Ort in Südbrandenburg und wird nun bis Anfang Januar die Weihnachtszeit in der Röderstadt symbolisieren.

Bei Familie Bernstein ist auf der Hirschfelder Straße in Gröden an diesem Mittwoch schon 8 Uhr reges Treiben. Die Töchter sind angereist, Verwandte und Nachbarn stehen abseits des Grundstücks, auf dem sich Mitarbeiter des Großenhainer Stadtbauhofes und der Firma Bothur auf ihren Job vorbereiten. 16,70 Meter hoch ist die Grautanne, die zu fällen, zu verladen und dann nach Großenhain zu bringen ist. "Das wird nicht einfach", sagt Frank Sicker vom Stadtbauhof, seit vielen Jahren der Sägemeister vom Dienst. Der Abstand zu den beiden angrenzenden Häusern ist knapp, die Einfahrt eng, der Baum groß.

Und 30 Jahre alt. Lothar Bernstein wischt in Kniehöhe eine Linie mit der Hand. So groß sei der Baum gewesen, als er 1991 gepflanzt wurde. Bernstein ist der Spender des diesjährigen Mittelbaumes. "Ein bisschen leid tut es schon", sagt er. Aber die Grautanne hatte in den letzten Jahren so ihre Nachteile für die Familie. Sie brauchte immer mehr Platz, nahm Sonnenlicht weg und sorgte bei den schweren Stürmen der jüngsten Vergangenheit zunehmend für ängstliche Blicke. Erst vorige Woche wieder, sagt Lothar Bernstein.

Deshalb entschlossen sich die Grödener, den Baum für Weihnachtsmärkte anzubieten. Sogar für den Dresdner Striezelmarkt geschah das. "Aber die wollten eine Tanne, die mindestens 23 Meter hoch ist", so Lothar Bernstein. Deshalb freut er sich, dass die Großenhainer Stadtverwaltung das Gewächs in diesem Jahr zur "Miss Weihnachtstanne" auserkoren hat.

Uwe Mai, seit vielen Jahren "Chef-Fahrer" des Weihnachtsbaumtransportes, hat inzwischen den Tieflader - so gut es geht - herangefahren, Frank Sicker den ersten Schnitt gesetzt - und schon hängt das Bäumchen am Haken des Bothurschen Kranes. Mit viel Fingerspitzengefühl wird er dann auf dem Hänger "abgelegt". Die Ausfahrt vom Grundstück wird problematisch - gelingt aber ohne Zwischenfälle. "Das war schon eine ganz schöne Herausforderung", gesteht Uwe Mai. Weil der Baum nun einmal in Waagerecht-Lage sehr breit ist, muss er vor der Abfahrt ordentlich verzurrt werden. Kollegen der brandenburgischen Polizei und der Wilsdruffer Firma B.G.S. - Begleitung von Schwer- und Großraumtransporten - warten bereits. Die Route ist vorher festgelegt worden - und führt nicht komplett auf der B 101 nach Großenhain. "Da hängen manche Freileitungen gefährlich tief", begründet Frank Sicker. Stattdessen geht's über die Dörfer nach Hirschfeld in Richtung Strauch und erst dann zur Bundesstraße. Zwischendurch Eskortenwechsel: An der Landesgrenze übernehmen sächsische Beamte die Führung mit Blaulicht. Alles läuft wie geschmiert.

Einfahrt in Großenhain: Es ist 11.45 Uhr, und auf den Bürgersteigen gibt es erstaunte Blicke, klicken Handytelefone. Fast wie bei einer Rückkehr von Dynamo Dresden nach einem erfolgreichen Auswärtssieg - nur ohne Feuerwerk. Die letzten Meter zum Bestimmungsort im Zentrum der Stadt sind für die Beteiligten Routine. Eine Stunde später sind sie dabei, die Grautanne "in Form" zu bringen. Vor allem gerade muss sie stehen und von allen Seiten "voll" wirken. Irgendwann sind alle zufrieden.

In den nächsten Tagen wird die Grautanne nun geschmückt. Ihre Lichter werden von der Vorweihnachtszeit künden, die hoffentlich mit dem Weihnachtsmarkt versüßt wird. Immerhin - der Zufall will es - sind just beim Aufbau des Baumes städtische Mitarbeiter mit Zollstock und Bleistift dabei, auf dem "Reißbrett" die Abstände zwischen den Hütten zu präzisieren.

Lothar Bernstein und seine Familie haben indes leise Abschied von "ihrem" Baum genommen. Mit etwas Wehmut, aber dem Gefühl, "etwas Gutes zu tun". Und ganz sicherlich werden Bernsteins auch noch einmal nach Großenhain zum Weihnachtsmarkt fahren - so wie in jedem Jahr. "Das ist doch der schönste Markt in der Region", sagt Lothar Bernstein.

Frank Sicker vom Großenhainer Stadtbauhof ist traditionell der "Mann an der Säge."
Frank Sicker vom Großenhainer Stadtbauhof ist traditionell der "Mann an der Säge." © Foto: Thomas Riemer
Ein letzter Blick vor der Fällung des Baumes auf der Hirschfelder Straße.
Ein letzter Blick vor der Fällung des Baumes auf der Hirschfelder Straße. © Foto: Thomas Riemer
Abschied: Lothar Bernstein befällt ein bisschen Wehmut, aber auch das Gefühl, etwas Gutes zu tun.
Abschied: Lothar Bernstein befällt ein bisschen Wehmut, aber auch das Gefühl, etwas Gutes zu tun. © Foto: Thomas Riemer
Transport auf der Landstraße: Zwischen Hirschfeld und Strauch wird es zuweilen recht eng.
Transport auf der Landstraße: Zwischen Hirschfeld und Strauch wird es zuweilen recht eng. © Foto: Thomas Riemer
Einfahrt: Mit Blaulicht kündigt sich das Bäumchen auf dem Radeburger Platz an.
Einfahrt: Mit Blaulicht kündigt sich das Bäumchen auf dem Radeburger Platz an. © Foto: Thomas Riemer