merken
PLUS Großenhain

Das Feiern nicht gänzlich verlernt

Großenhains "kleines Stadtfest" droht im Regen zu versinken. Händler, Künstler und Schausteller müssen improvisieren und behalten ihre gute Laune.

Soundcheck vor dem Konzert: Techniker Jens Schütze (li.) stimmt mit Anthony Weihs und Lara S. Details für einen Premierenauftritt in Großenhain ab.
Soundcheck vor dem Konzert: Techniker Jens Schütze (li.) stimmt mit Anthony Weihs und Lara S. Details für einen Premierenauftritt in Großenhain ab. © Norbert Millauer

Großenhain. Anthony Weihs ist bestens gelaunt, als er am Sonnabend kurz nach 19.30 Uhr den Weg zur Bühne auf dem Hauptmarkt nimmt. Corona hat auch die Auftritte des Schlager- und Pop-Stars in den letzten Monaten verhindert. Und so ist die Wiedersehensfreude groß, dass er zum zweiten Mal in Großenhain singen darf. Zumal sich vor der Bühne dann doch noch ein vergleichsweise großes Publikum einfindet. Denn: Die Gewitterfront hat ihren "Dienst" getan und ist endlich abgezogen.

Anthony Weihs' Vorgänger-Acts hatten da weniger Glück. Als am Nachmittag Milko Bräuer, der Großenhainer Magier alias "Meister Blauknopf und der Wunderkoffer", dran ist, schüttet es wie aus Gießkannen. Den Geislitztaler Musikanten ergeht es nicht besser - und so finden die Auftritte beinahe unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Mädchen, die liebevoll einen Jugend-Flohmarkt organisiert hatten, halten lange durch - packen aber letztlich angesichts des "weinenden Himmels" früher als geplant ihre Utensilien ein.

Einkaufen und Schenken
Nur einen Klick entfernt
Nur einen Klick entfernt

Hier erhalten Sie nützliche Tipps und die aktuellsten Neuigkeiten rund ums Thema Einkaufen und Geschenke aus Ihrer Region.

Die Veranstalter im Rathaus hatten sich im Vorfeld mächtig ins Zeug gelegt, um den von saechsische.de und Sächsischer Zeitung präsentierten langen Einkaufssonnabend als sogenanntes kleines Stadtfest auf die Beine zu stellen. Geschäfte konnten bis 22 Uhr öffnen. Wobei es nicht um Rekordumsätze gehen sollte, sondern um das Zeichen "Wir sind wieder da". Mit Livemusik, Hüpfburgenmeile, Jugend-Flohmarkt, Rummel das ganze Wochenende über, Stadtgeschichtenerzähler, Kleinkünstlern und Open-Air-Kino sollte die Innenstadt nach der Pandemie wieder aufleben.

Dass das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen könnte, war allerdings schon am Freitag abzusehen. Deshalb wurde entschieden, sämtliche Hüpfburgen aus dem Angebot zu streichen. "Die Verletzungsgefahr wäre zu groß gewesen", so Jörg Withulz, Kultur-Chef im Rathaus. Die Entscheidung sei nicht leichtgefallen, man habe so lange wie möglich mit der Absage der Hüpfburgen gewartet. Letztlich aber ist sie wohl nachvollziehbar.

Rummel geht immer: Vor allem in den Regenpausen herrschte viel Betrieb bei den Schaustellern auf dem Topfmarkt.
Rummel geht immer: Vor allem in den Regenpausen herrschte viel Betrieb bei den Schaustellern auf dem Topfmarkt. © Norbert Millauer
Als sie Sonne kam... füllte sich auch das Areal auf der Naundorfer Straße schlagartig.
Als sie Sonne kam... füllte sich auch das Areal auf der Naundorfer Straße schlagartig. © Norbert Millauer
Wie aus einem Guss: Dieser Schauer am frühen Abend war heftig, aber zum Glück der letzte an diesem Tag.
Wie aus einem Guss: Dieser Schauer am frühen Abend war heftig, aber zum Glück der letzte an diesem Tag. © Norbert Millauer
Weitsicht: Wer sich so ausrüstete, machte nichts falsch.
Weitsicht: Wer sich so ausrüstete, machte nichts falsch. © Norbert Millauer

Betroffen davon sind auch die Händler. Nur vereinzelt können sie auf Kundschaft zählen. Mancher wirft daher vorzeitig das Handtuch, zahlreiche andere indes halten durch bis 22 Uhr. "Wir ziehen das durch", sagt Heike Claus. Sie hat vor ihrem Geschäft "Dein Ambiente" auf der Naundorfer Straße keine Mühe gescheut und unter dem weitgehend schützenden Dach des Pavillons ein Imbissangebot organisiert, inklusive Musik vom jungen DJ-Team Bart&Bärtig. Die Mühe wird am frühen Abend belohnt: Als sogar die Sonne herauskommt, haben alle ihr Lächeln wiedergefunden.

Hochkonjunktur hat der Rummel auf dem Topfmarkt. 1.000 Leute dürfen gleichzeitig auf das Areal - "wir haben die Zahl noch nicht erreicht", sagt ein Security-Mann, als es noch regnet. Später wird es eng. Der Rummel stand bei einer Familie aus einem Großenhainer Ortsteil auf dem Plan fürs Wochenende, erzählt ein Familienvater. Und weil seine Jungs darauf bestanden, Gummistiefel anzuziehen, zog er mit. Angesichts des Geläufs auf dem Topfmarkt ganz sicher keine falsche Entscheidung.

Auf der Bühne am Hauptmarkt hat Jens Schütze, Lichttechniker der Firma "Phoenix – Event – Laser – Pyrotechnik" kurz vor 19 Uhr alles für Lara S. vorbereitet. Die "junge Stimme am Klavier" kommt aus Wildenhain und ist gerade mal 15 Jahre alt. "Das ist mein erster Auftritt auf einer Bühne", erzählt Lara S. Ihre Großtante sei "schuld", dass sie schon mit vier Jahren anfing, Klavier zu spielen. Inzwischen habe sie ihre ersten eigenen Songs geschrieben, die rund die Hälfte ihres Repertoires an diesem Abend ausmachen. Und auch wenn gerade erneut ein kräftiger Guss die Gäste unter schützende Schirme und Dächer zwingt, hat Lara S. eine beachtliche Fangemeinde hinter sich.

Dazu zählt jetzt auch Anthony Weihs. Er lädt Lara S. spontan zu einem Duett auf der Bühne ein, hat das musikalische Talent der Wildenhainerin sehr wohl erkannt. Und wer weiß, ob die beiden bei irgendeinem Event in Großenhain nicht erneut gemeinsam auf der Bühne stehen werden.

Für den Zabeltitzer Jens Schütze indes geht ein langer Tag zu Ende. Noch in der Nacht werden Bühne und sämtliches Equipment wieder abgebaut. Auch er sei im Tagesverlauf mehrmals nass geworden, sagt Schütze. Vor allem beim Aufbau am Vormittag. Trotzdem ist natürlich auch er froh, nach der langen Zwangspause wieder in Veranstaltungen integriert zu sein. Dann hoffentlich bei besserem Wetter.

Mehr zum Thema Großenhain