merken
PLUS Großenhain

Das große Impfen in Großenhain

Ein mobiles Team machte zwei Tage Station im Alberttreff. Gut 360 Impfwillige bekamen ihre erste Immunisierung - organisatorisch eine Meisterleistung.

Freundlich, professionell und jeder Handgriff sitzt: Die Dresdner Ärztin Constanze Albrecht verabreicht einem 69-jährigen Großenhainer das Präparat von Biontech/Pfizer. Aufklärung inbegriffen.
Freundlich, professionell und jeder Handgriff sitzt: Die Dresdner Ärztin Constanze Albrecht verabreicht einem 69-jährigen Großenhainer das Präparat von Biontech/Pfizer. Aufklärung inbegriffen. © Kristin Richter

Großenhain. Er hat das, was alle wollen. Zumindest all jene Frauen und Männer, die an diesem Tag in das Haus gekommen sind, in welchem eigentlich große Veranstaltungen stattfinden, Kunst und Kultur dargeboten wird. Geboten wird tatsächlich auch heute so einiges, aber nur mit verbindlicher Anmeldung und exaktem Termin.

Organisation ist alles: Alexander Kurz, Bereichsleiter vom Arbeiter-Samariter-Bund, sorgt gemeinsam mit seinen Mitstreitern vom Deutschen Roten Kreuz für den reibungslosen Ablauf der Impfungen vor Ort.
Organisation ist alles: Alexander Kurz, Bereichsleiter vom Arbeiter-Samariter-Bund, sorgt gemeinsam mit seinen Mitstreitern vom Deutschen Roten Kreuz für den reibungslosen Ablauf der Impfungen vor Ort. © Kristin Richter

Wer über einen solchen verfügt, bekommt eben zur vereinbarten Uhrzeit, was Hendrik Sesula in Ampullen zu 0,45 Milliliter abgefüllt, bereits vor sich stehen hat. Hier im abgeschlossenen Hinterzimmer, das sonst als Künstlergarderobe ausgewiesen ist und nicht wie heute der Herstellung chemischer Substanzen dient. Denn Sesula, der in coronafernen Zeiten als Fachkrankenpfleger für Intensivmedizin und Anästhesie arbeitet, ist mit der sorgsamen Zubereitung jenes Gemischs betraut, was laut Anweisung der Hersteller Biontech/Pfizer vor der Verwendung nicht nur mit Kochsalz verdünnt, sondern einmal miteinander verbunden zehnmal nach links und rechts geschwenkt werden soll. „Und das mache ich natürlich mit jeder Ampulle, die dann erst bereit ist, verabreicht zu werden“, versichert Hendrik Sesula und lacht unter seiner Maske hervor.

Anzeige
Familienabenteuerland Sachsen
Familienabenteuerland Sachsen

Die schönsten Regionen Sachsens, die besten Ausflugsziele und kulinarischen Highlights. Hier gibt's Geheimtipps, die garantiert noch nicht Jeder kennt.

Und geschwenkt hat er um diese Zeit schon reichlich. Von den 180 Röderstädtern, die an diesem Donnerstag das erste Mal gegen Covid-19 immunisiert werden sollen, sind um 11.35 Uhr bereits knapp 50 schon geimpft worden. Die zwei Mediziner arbeiten auf zwei eigens im großen Saal eingerichteten Plätzen gewissermaßen im Dreiminutentakt. All jene, die es wie ein Paar in den Vierzigern schon hinter sich haben, sind geradezu verblüfft über die Ruhe, mit der trotz des Ansturms alles vonstattengeht. „Wir hatten gedacht, dass wir lange warten müssen. Aber kaum hatten wir unsere Unterlagen abgegeben, konnte ich auch schon den Ärmel meines Hemds hochstreifen“, lobt der Großenhainer und schwenkt strahlend den gelben Impfausweis.

An ihnen kommt niemand vorbei: Wolfgang Dietel und Olaf Stein nehmen die Unterlagen der zu Impfenden entgegen und prüfen, ob alles seine Richtigkeit hat.
An ihnen kommt niemand vorbei: Wolfgang Dietel und Olaf Stein nehmen die Unterlagen der zu Impfenden entgegen und prüfen, ob alles seine Richtigkeit hat. © Kristin Richter

Dass Organisation für das seit Jahresbeginn im Landkreis Meißen im Einsatz tätige mobile Impfteam tatsächlich alles ist, weiß keiner so gut wie er. Alexander Kurz, Bereichsleiter im Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) und sonst unter anderem verantwortlich für den Katastrophenschutz und die Wasserrettung, hat gemeinsam mit seinen Kollegen vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) alles so vorbereitet, dass es im Auftrag des Impfzentrums Riesa auch im Großenhainer Alberttreff geradezu wie am Schnürchen läuft. Zumindest fast oder so lange, wie die Technik mitspielt. „Wir haben eine Dreiviertelstunde einen Systemausfall aufgrund schlechter Internetverbindung gehabt und konnten deshalb keine Daten einlesen“, verrät Wolfgang Dietel und hebt bedauernd die Schultern.

Er hat, was alle Angemeldeten wollen: Hendrik Sesula bereitet den in Spezialbehältern angelieferten Impfstoff so vor, dass er letztlich mit Kochsalz verdünnt, tatsächlich verabreicht werden kann.
Er hat, was alle Angemeldeten wollen: Hendrik Sesula bereitet den in Spezialbehältern angelieferten Impfstoff so vor, dass er letztlich mit Kochsalz verdünnt, tatsächlich verabreicht werden kann. © Kristin Richter

Gemeinsam mit Olaf Stein nimmt er die Menschen verschiedenen Alters in Empfang und ihre mitzubringenden Dokumente und Unterlagen entgegen: Impfausweis, Chipkarte, ausgefüllter Anamnesebogen, unterschriebene Aufklärungsblätter. Der Weg zur Spritze ist auch im Kampf gegen die Pandemie mit bürokratischen Notwendigkeiten gepflastert. Allerdings: Die beiden ASB-Mitstreiter helfen im Fall der Fälle mit ungebrochener Freundlichkeit und bewundernswerter Geduld. Keine Spur davon, dass sie wie alle anderen im sechsköpfigen Impfteam 24/7 die Woche arbeiten. Ganz im Gegenteil!

Wer schließlich vorm Schreibtisch der Ärzte zum Sitzen kommt, ist fast am Ziel. Die Entscheidung, in welchen Arm der Einstich erfolgen soll, ist schnell getroffen. Ein kurzes Aufklärungsgespräch über mögliche Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, leichte Temperatur oder Müdigkeit, danach eine Desinfektion und schon hat etwa ein 69-Jähriger von Ärztin Constanze Albrecht erhalten, worum er sich zuvor schon lange vergeblich bemüht habe. „Meine Frau und ich hatten ursprünglich auf eine Impfung durch den Hausarzt gesetzt. Aber da ging es leider gar nicht voran“, bekennt der Rentner.

Alles, was es für einen Impfwilligen braucht: Desinfektionsmittel für die Einstichstelle, die vorbereiteten Spitzen, Pflaster für den Arm und einen Aufklärungszettel über mögliche Nebenwirkungen.
Alles, was es für einen Impfwilligen braucht: Desinfektionsmittel für die Einstichstelle, die vorbereiteten Spitzen, Pflaster für den Arm und einen Aufklärungszettel über mögliche Nebenwirkungen. © Kristin Richter

Weiterführende Artikel

Mobiles Impfteam jetzt auch in Thiendorf

Mobiles Impfteam jetzt auch in Thiendorf

Am 27. Juni ist eine Immunisierung gegen Corona in Sacka möglich. Der Zweittermin ist am 18. Juli. Beide Tage sind Sonntage.

Was der Großenhainer in dem Moment nicht ahnen kann: Er bekommt eine von bisher 16.000, die durch mobile Impfteams seit Januar im Landkreis Meißen verabreicht worden sind. Und er wird nicht der Letzte sein. Überall in der Region, so versichert Alexander Kurz, hätten sich die Bürgermeister der Gemeinden und Städte dafür stark gemacht, dass vor Ort Termine angeboten werden können. So wie bald auch in Großenhain. Wo Hendrik Sesula oder ein anderer Experte schon am 13. Juni wieder haben werden, was bestimmt noch viele wollen. Impfstoff gegen das Coronavirus.

Mehr zum Thema Großenhain