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Den Mund zu voll genommen

Ein Priestewitzer will seine Drogen auf ungewöhnliche Art vor der Polizei verstecken und landet auf der Anklagebank.

Eine Polizeikontrolle wurde dem Priestewitzer zum Verhängnis: Mit dem Drogentütchen im Mund konnte der Mann den Beamten nicht antworten.
Eine Polizeikontrolle wurde dem Priestewitzer zum Verhängnis: Mit dem Drogentütchen im Mund konnte der Mann den Beamten nicht antworten. © Symbolfoto: Marko Förster

Priestewitz. Auf die Idee muss man erst einmal kommen: Da werden zwei Männer von der Polizei kontrolliert, und weil sie Rauschmittel im Auto haben, wollen sie diese gern verschwinden lassen. Also stopft sich der Beifahrer die Tüte mit knapp zehn Gramm Crystal in den Mund. Hinunterschlucken kann er sie nicht – damit würde er sich umbringen. Reden kann er aber auch nicht, und das fällt den Beamten natürlich auf. So landet der Priestewitzer auf der Anklagebank des Amtsgerichts Riesa.

Nun steht es jedem Angeklagten frei, sich vor Gericht zum Tatvorwurf zu äußern oder die Aussage zu verweigern. Der Delinquent, nennen wir ihn Martin, will zwar reden, aber als ihm Richterin Ingeborg Schäfer konkrete Fragen stellt, wird er ganz schnell einsilbig. Woher er die Drogen habe? Keine Antwort. Auf eine zweite Nachfrage hin erklärt er, dass er sich nicht erinnern könne. Nun ist der Vorfall zwar schon zwei Jahre her, aber dass jemand vergisst, wo er eine so stattliche Menge Stoff herhat, glaubt natürlich kein Mensch. Außerdem hatte Martin bei der polizeilichen Vernehmung angegeben, die Drogen am Dresdner Hauptbahnhof gekauft zu haben. Also wisse er es doch? Keine Antwort. „Sie wollten sich doch eigentlich geständig einlassen“, ermahnt Richterein Schäfer den Angeklagten. Wenn sie ihm jedes Wort aus der Nase ziehen müsse, mache das nicht den besten Eindruck.

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Bei Gerichtsverhandlungen, bei denen es um Drogen geht, spielt immer die Menge eine Rolle, mit der der Täter erwischt wurde. Hat er den Stoff nur für den Eigenbedarf bei sich gehabt oder wollte er ihn an andere verticken? Drogenhandel wird natürlich strenger bestraft, weshalb sich jeder Delinquent auf den persönlichen Konsum beruft. Aber auch hier gibt es einen Unterschied, der sich aufs Strafmaß auswirkt. Für die gängigen Betäubungsmittel hat die Rechtsprechung Grenzwerte festgesetzt, ab denen man von einer „nicht geringen Menge“ spricht. Und hier hat Martin den Mund sprichwörtlich zu voll genommen.

Außerdem folgte auf den Vorfall einige Wochen später eine Hausdurchsuchung. Im Partykeller des Hauses, in dem Martin wohnt, wurde dabei jede Menge „Gras“ gefunden. Das Haus gehört zwar dem Bruder des Angeklagten, aber die Kriminalisten fanden an Tüten und Etuis Martins Fingerabdrücke und DNA. Allerdings nicht an den Schraubdosen mit den größeren Mengen, weshalb das Gericht dieses Vergehen nur als minderschwer bewerten kann.

Ob Martin wirklich vorhatte, mit Ende Vierzig noch in den Drogenhandel einzusteigen, lässt sich damit nicht nachweisen. Eine Art Lebenskünstler scheint er aber schon zu sein. Abgebrochene Lehre, in die Türkei ausgewandert, später zurückgekehrt, Gelegenheitsjobs, Marktgeschäfte mit „Antik“-Waren, Hieb- und Stichwaffensammler, Hartz-IV-Empfänger – während der Verhandlung breitet sich ein illustrer Lebenslauf aus. Andererseits gibt es keine einzige Vorstrafe. Mit den Drogen habe er erst vor sieben Jahren angefangen, erklärt Martin. Angeblich, um seine Leistungsfähigkeit zu steigern. Aber jetzt sei er wieder davon weg. Seine Lebensgefährtin habe gedroht, ihn sonst zu verlassen.

Mit einem Jahr und einem Monat Freiheitsentzug – ausgesetzt zur Bewährung – kommt der Priestewitzer alles in allem glimpflich davon. Von einer Geldstrafe sieht das Gericht ab; beim Delinquenten gibt es ganz offensichtlich nichts zu holen. Dafür muss er 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und vier Termine bei einer Suchtberatungsstelle wahrnehmen.

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