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Diebe tuckern mit Bagger auf und davon

In den vergangenen zwei Wochen sind zwischen Großenhain und Nünchritz mehrere große Fahrzeuge verschwunden. Möglicherweise kein Zufall.

Sie sind groß, sie sind teuer und vor allem sind sie im Kreis der professionell arbeitenden Langfinger begehrt. Hochwertige Baumaschinen, die gezielt gestohlen und außer Landes gebracht werden.
Sie sind groß, sie sind teuer und vor allem sind sie im Kreis der professionell arbeitenden Langfinger begehrt. Hochwertige Baumaschinen, die gezielt gestohlen und außer Landes gebracht werden. © Norbert Millauer

Landkreis. Gut möglich, dass es ein Aufwasch gewesen ist. Gut möglich, dass das Wetter gerade passte, Helfer und Logistik ohnehin wunderbar miteinander harmonierten und drei sowieso besser sind als zwei. Denn traurig aber wahr: Innerhalb kürzester Zeit wurden in der Region gleich drei richtig große Fahrzeuge gestohlen. Was bisher auf der Bundesstraße 101 in Walda-Kleinthiemig mit einem Radlader und einer Rüttelplatte begonnen hatte, führte über einen Bagger in Lampertswalde, nach Nünchritz zu einem Teleskoplader und in den letzten vier Tagen nun nach Stauchitz. Bisher unbekannte Langfinger fanden an einer Baustelle entlang der Bundesstraße 169 zwei Baggerschaufeln. Insgesamt gut 160.000 Euro Schaden schlagen zu Buche und sicherlich auch die nicht von der Hand zu weisende Vermutung, dass die betreffenden Eigentümer ihre hochwertigen Maschinen nie wiedersehen.

Unternehmen, die es keineswegs trösten wird, dass sie mit dieser Art des Diebstahls sowohl in der Statistik als auch in der Art der Herangehensweise von Tätern eine besondere Rolle einnehmen. Denn was sich in den vergangenen zwei Wochen im Großenhainer Land zwar tatsächlich häufte, wäre deutschlandweit eigentlich nicht so häufig an der Tagesordnung, wie es diese drei Fälle glauben machen wollen. "Aus unserer Erfahrung heraus, sind diese besonders schweren Diebstähle wirklich eher eine Ausnahme", bestätigt Marko Laske.

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Wie der Sprecher der Dresdner Polizeidirektion betont, könne sich sicherlich auch der absolut gesetzestreue Bürger vorstellen, welcher organisatorischen Meisterleistung es bedürfe, mal eben so ein tonnenschweres, auffälliges Fahrzeug zu entwenden. Das bedeutet nicht nur für Krimifans praktisch: Ohne vorheriges Ausspionieren der örtlichen Gegebenheiten ginge da absolut gar nichts. Auch sei nicht davon auszugehen, dass die Täter wie etwa in Großenhain oder Nünchritz als fischelanter Einmann-Betrieb tätig waren. Stattdessen wäre hier Teamarbeit gefragt. Gewissermaßen vom Entdecken des Objekts der Begierde bis hin zum geplanten Abtransport, der eventuellen Zwischenlagerung und letztlich der Veräußerung an die jeweiligen Auftraggeber.

Marko Laske macht keinen Hehl daraus, dass sich diese zumeist in den osteuropäischen Ländern befinden. Frei nach dem Motto: "was gewünscht werde, wird auch besorgt", begebe sich eine Diebesbande ganz gezielt in die Spur und erkunde, wie lange auf den Baustellen gearbeitet werde, wo die infrage kommenden Fahrzeuge nach Dienstschluss stehen und ob eine Sicherheitsfirma vor Ort ist. Auf gut Glück knattere sicherlich keiner dieser Beschaffungsprofis mit einem Radlader durch die Gegend, um ihn dann vor einem Neubaublock zwischenzuparken und am nächsten Tag mit falschen Papieren in nächster Nähe weiterzuverkaufen. "Das funktioniert nicht! Deshalb werden die Fahrzeuge zumeist sehr schnell über die Grenze gebracht und tauchen in aller Regel auch nicht mehr auf", weiß Marko Laske.

Auch wenn es gerade um diese Jahreszeit, in welcher die Bautätigkeit allerorten wieder aufgenommen wird, häufiger zu derartigen Diebstählen käme als im Winter. Insgesamt betrachtet, habe es im Vergleich zu anderen Jahren indes keinen Anstieg solcher Delikte gegeben. Ganz im Gegenteil. Auch die Kriminalitätsbranche bekäme in all ihren Sparten die Auswirkungen der Coronapandemie zu spüren. Nächtliche Ausgangssperren, geschlossene Geschäfte, das Arbeiten im Homeoffice und damit der nicht gegebene Zugang zu tagsüber leerstehenden Einfamilienhäusern habe allein im Landkreis Meißen zu einem spürbaren Rückgang im Einbruchsgeschehen geführt.

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Wie sich die Situation im Hinblick auf die offensichtlich zurzeit sehr begehrten Baumaschinen entwickle, könne freilich nicht vorhergesagt werden. Aber dass Gelegenheit Diebe mache, sei möglicherweise ebenso wenig von der Hand zu weisen wie die Tatsache, dass sich zumindest eine Überwachungskamera lohne - und wenn ihre Bilder letztlich nur für die Fahndungslisten der international tätigen Polizei taugen.

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