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Warum der Gasmann Kilometer schrubbt

Experten sind im Landkreis regelmäßig auf der Suche nach undichten Leitungen. Mit Technik, die begeistert.

Sven Peuker, Gasspürer der Spie SAG, ist derzeit in Orten des Landkreises unterwegs, um Gasleitungen auf ihre Dichtheit zu kontrollieren.
Sven Peuker, Gasspürer der Spie SAG, ist derzeit in Orten des Landkreises unterwegs, um Gasleitungen auf ihre Dichtheit zu kontrollieren. © Kristin Richter

Landkreis. Wenn Sven Peuker durch die Straßen und Gassen läuft, schaut man ihm unweigerlich hinterher. Manchem erscheint es schon etwas merkwürdig, wie der Mann sich da bewegt. Um den Hals trägt er einen Kasten, in einer Hand einen Tablet-Computer. Und das Ding, das er mit der rechten Hand führt, erinnert an einen Staubsauger. "Das ist eine Teppichsonde", erklärt Peuker. Mit ihr schleift er beständig eine Art Lappen über den Gehweg. Es ist der Teppich, in dem eine Sonde steckt. Denn Sven Peuker ist Gasnetzprüfer bei der Spie SAG. Das Unternehmen kontrolliert im Auftrag der Sachsen-Energie die Dichtheit des Gasnetzes in der Region.

"Wir haben es mit erdverlegten Leitungen zu tun, die natürlich einer gewissen Alterung unterliegen", so Karsten Börner, Projektleiter der Spie SAG. Und müssen deshalb gemäß DVGW-Regelwerk regelmäßig überprüft werden. Der Turnus hängt von unterschiedlichen Kriterien ab - zum Beispiel Druckstufe, Leitungsmaterial oder auch Störquote der letzten Überprüfung. "Somit liegt der Turnus zwischen einmal jährlich bei Hochdruckleitungen im bebauten Gebiet bis maximal alle sechs Jahre für Ortsnetze", ergänzt Nora Weinhold, Pressesprecherin von Sachsen-Energie. Kontrolliert wird jeder Meter im öffentlichen Bereich, grundsätzlich bis zur Hauswand der Grundstücke. In einem Dorf wie Rödern kommen da immerhin rund vier Kilometer zusammen. Zusätzlich werden hier auch rund 1.700 Meter Leitungen auf Privatgrundstücken geprüft. Denn hier kann allein schon ein neu gepflanzter Baum oder eine Garage mögliche Lecks verursachen. "Eine Tagesaufgabe", sagt Sven Peuker und schmunzelt.

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Vor allem die Kontrollen auf Privatland können manchmal auch zum Problem werden. Denn eine Gasprüfung kann nur bei trockener Witterung zuverlässig durchgeführt werden. Deshalb müssen sich die Experten bei den Grundstückeigentümern kurzfristig anmelden, um Zutritt zu bekommen.

Die Teppichsonde nimmt jeden noch so geringen Gasaustritt zur Kenntnis und ist weit sensibler als die menschliche Spürnase. Sven Peuker kann anhand des Tablets genau navigieren, in welchem Bereich die Rohre verlaufen. Die Sensoren in der Sonde erfassen, wenn sich Gaspartikel in der Luft befinden - das wäre ein deutlicher Hinweis auf Risse in der Leitung. Damit Peuker das Gas findet, geht er meistens nicht direkt über den Leitungen, sondern sucht sich nächstgelegene Fugen. Denn das Gas sucht sich immer den Weg des geringsten Widerstandes. Durch 40 Zentimeter Bitumenschicht kommt in der Regel kein Gas durch. Für die Arbeit bringt er einiges an Erfahrung mit. Regelmäßig müssen die Gasprüfer zudem ihre Berechtigung neu nachweisen. "Das sind Prüfungen, die es in sich haben", weiß Projektleiter Börner.

Zurzeit sind Sven Peuker und seine Kollegen in verschiedenen Orten im Landkreis unterwegs. Am Donnerstag in Rödern gab es keine Beanstandungen. Für den "Ernstfall" ist Peuker gerüstet. Und Tipps bei eventuellem Gasaustritt hat Nora Weinhold parat: wenn möglich die Quelle feststellen und den Netzbetreiber, die Sachsen-Netze, informieren. Der Entstördienst ist rund um die Uhr erreichbar. Außerdem Funkenbildung vermeiden und Zündquellen ausschalten, gefährdete Personen evakuieren und Räume quer belüften.

Die Teppichsonde mit Kontrollkasten und Tablet sind die Grundausstattung des Gasprüfers.
Die Teppichsonde mit Kontrollkasten und Tablet sind die Grundausstattung des Gasprüfers. © Kristin Richter

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