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Dynamos schlagfertiger Co-Trainer

Was Heiko Scholz mit Maradona, dem Beruf des Kesselflickers, Bayern München und dem Fußball-Gott verbindet? In Schönfeld erzählte er es.

Von Thomas Riemer
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Hat Moderator Uwe Karte (rechts) dem Stargast beim Schönfelder Fußballabend Heiko Scholz hier erklärt, wie viele Tore Dynamo im nächsten Spiel schießt? "Scholle" versorgte das Publikum mit vielen Anekdoten aus seiner Zeit als Spieler und Trainer.
Hat Moderator Uwe Karte (rechts) dem Stargast beim Schönfelder Fußballabend Heiko Scholz hier erklärt, wie viele Tore Dynamo im nächsten Spiel schießt? "Scholle" versorgte das Publikum mit vielen Anekdoten aus seiner Zeit als Spieler und Trainer. © Kristin Richter

Schönfeld. Heiko Scholz ist nach eigenen Angaben nicht gläubig. Doch von Moderator Uwe Karte nach dem Fußball-Gott befragt, ist "Scholle" um die Antwort nicht verlegen. "Der hat schnell erkannt, dass ich außer Fußball nicht viel kann", sagt der heutige Co-Trainer von Zweitligist Dynamo Dresden wie aus der Pistole geschossen.

Da hat er die Lacher im gut gefüllten Schönfelder Saal an diesem Fußballabend natürlich auf seiner Seite. Es sind 90 vergnügliche Minuten voller Anekdoten und Ansichten ums runde Leder. Und Heiko Scholz hat davon jede Menge in petto - inklusiver lustig anmutender Geschichten mit ganz ernstem Hintergrund. Denn eine Bilderbuchkarriere war es nicht, die Heiko Scholz in Laufe seiner aktiven Zeit auf den Rasen legte. Zwar wurde sein Talent in Görlitz schnell erkannt, ging es beizeiten in die Nachwuchsabteilung von Dynamo Dresden. Doch dort wurde er 1982 ausdelegiert. "Zu klein, zu schmächtig", erinnert er sich an die Begründung. Mit 16 war Schluss bei Dynamo, "da ist erst mal eine Welt zusammengebrochen".

Statt Profifußball begann er eine Lehre im Kraftwerk Hagenwerder. Wenn das mit dem Fußball nicht geklappt hätte, "wäre ich heute wohl Maschinenbauingenieur oder Kesselflicker", erzählt er. Zum Glück kam eine Einladung von Chemie Leipzig zum Probetraining. "Da war ich aalglatt und habe mich eine Woche krankschreiben lassen", beschreibt er unter dem Gelächter des Schönfelder Publikums die Situation. Chemie wollte ihn - und sein erstes Oberligaspiel war ein denkwürdiges - ausgerechnet gegen Dynamo Dresden. Dixi Dörner wurde zum "Fußballer des Jahres" gekrönt, Chemie führte 1:0 - und ging am Ende mit 1:9 unter.

Nach zwei Liga-Jahren wechselte Scholle nach Probstheida zum 1. FC Lok Leipzig. Ein brisanter Schritt innerhalb der Messestadt. Heiko Scholz musste den Wechsel eher still genießen. "Man durfte nicht sagen: Ich freue mich ..."

Maradona an die Kette gelegt

Doch bei Lok ging sein Stern endgültig auf. Der Verein spielte 1986 seine erfolgreichste Saison im Europapokal der Pokalsieger. Höhepunkt war sicherlich das Halbfinale im Zentralstadion gegen Girondions Bordeaux. Nach dem 1:0 im Hinspiel retteten sich die Leipziger daheim mit einem 0:1 in Verlängerung und Elfmeterschießen. "Den letzten Elfer sollte Frank Baum schießen. Doch René Müller hatte gerade einen gehalten und hat von hinten gewunken: ,Du brauchst nicht mehr kommen'". Müller verwandelte zum umjubelten Einzug ins Finale. "Was dann passierte, das kann man nicht beschreiben. Das Schönste: Alle 100.000 Zuschauer waren für Lok", erinnert sich "Scholle". Dass er in der darauffolgenden Saison den großen Diego Maradona - damals SSC Neapel - an die Kette legte, erzählt er eher nebenbei. "Ich hab es zumindest versucht", schickt er mit einem Schmunzeln hinterher.

1990 der nächste Wechsel: Von Lok ging es zurück zu Dynamo Dresden. "Meine Mutti hat gedacht, wir haben die Million", spielt Heiko Scholz auf die Ablösesumme in D-Mark an. Jetzt spielte er in der 1. Bundesliga, und das sei schon ein ganz anderes Niveau gewesen. Im Februar 1992 gehörte er zum siegreichen Team gegen die Bayern aus München. "Das war ein großes Ding. Da haben wir sie vor uns hergetrieben", flachst Scholz. Trainer Helmut Schulte habe seinen Jubel in etwa so ausgedrückt: Punkte für den Klassenerhalt müsse man gegen potenzielle Abstiegskandidaten holen ... Als Spieler verschlug es ihn später unter anderem nach Leverkusen und Bremen.

Acht Länderspiele hat Heiko Scholz absolviert, nur eins davon für die DFB-Elf, den Rest für die DDR. Auch beim letzten Auftritt in Belgien war er dabei. 37 "Stars" hatten abgesagt, Trainer Eduard Geyer hatte nur 14 Akteure zur Verfügung. Heiko Scholz ist noch heute erhaben darüber, dabei gewesen zu sein. "Ich habe mit Stolz für die DDR gespielt", sagt er.

2000 hängte er die Töppen an den Nagel. 13 Jahre später kehrte er als Trainer in den Osten zurück - zunächst bei Lok Leipzig, dann Wacker Nordhausen. Als dort das Geld ausging, kam der Anruf von Dynamo-Geschäftsführer Ralf Minge im richtigen Moment. Keine 24 Stunden später war "Scholle" Cheftrainer - für ein Spiel. Dann wurde er Assistent von Coach Markus Kauczinski, der in diesem Frühjahr durch Alexander Schmidt ersetzt wurde. Bei Dynamo fühlt er sich als Co-Trainer wohl. "Wir haben eine richtig geile Mannschaft", so "Scholles" Urteil zum aktuellen Zweitligakader. Die aktuelle Situation bezeichnet er als "kleine Ergebniskrise". Der Klassenerhalt sei vorrangiges Ziel. "Wir müssen ein paar Jahre in der 2. Liga bleiben - danach können wir alles erreichen", glaubt Heiko Scholz.

Nächster Fußballabend: 25. November. Gast: Hans-Jürgen Kreische