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Dicke Luft in der Schule? Bloß nicht!

Seit Schuljahresbeginn sind auch in Großenhainer Klassenzimmern weder Masken noch Abstand Pflicht. Gesetzt wird auf regelmäßiges Lüften, bei jedem Wetter.

Klaus Liebtrau, Leiter des Großenhainer Werner-von-Siemens Gymnasiums, öffnet in einem Fachkabinett der Schule die Fenster. Denn: Ohne Lüften geht momentan gar nichts.
Klaus Liebtrau, Leiter des Großenhainer Werner-von-Siemens Gymnasiums, öffnet in einem Fachkabinett der Schule die Fenster. Denn: Ohne Lüften geht momentan gar nichts. © Norbert Millauer

Großenhain. Die Uhr tickt. Auch wenn die Lehrer des Freistaates sicherlich keinen Wecker gestellt hätten und ganz gewiss nicht mit der Stoppuhr vor der Klasse stünden. Nichtsdestotrotz, immer nach 30 Minuten wäre es soweit. Gleich nun, ob draußen dann der stürmische Herbstwind pfeife oder dicke Regentropfen gegen die Scheiben klopften. Geöffnet werden müssten die Fenster in jedem Fall. "Stoßlüften" heißt die Strategie inmitten der Corona-Pandemie, auf die Deutschlands Schulen seit Schuljahresbeginn setzen und damit bisher wohl auch ganz erfolgreich sind. "Wir haben bisher von den Schulen keine negativen Rückmeldungen bekommen", erklärt Susann Meerheim. 

Wie die stellvertretende Sprecherin des sächsischen Kultusministeriums auf SZ-Anfrage betont, gebe es bis auf die Hinweise in der geltenden Allgemeinverfügung - also sämtliche genutzten Räumlichkeiten müssten täglich mehrfach gründlich gelüftet werden, Zimmer sollten darüber hinaus mindestens einmal während der Unterrichtsstunde, spätestens dreißig Minuten nach deren Beginn, gründlich mit frischer Luft versorgt werden - keine weiteren Anordnungen. Das Ministerium setze dabei auch auf den gesunden Menschenverstand, der sicherlich registriere, wann in einem voll besetzten Klassenzimmer wieder einmal ein frisches Lüftchen wehen sollte. 

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Eine Prozedur, an die sich die Lehrer der zweiten Oberschule "Am Schacht" in Großenhain schnell gewöhnt hätten. Schließlich, so Schulleiter Axel Hackenberg, lege es im Interesse aller, dass die gefürchteten Viren erst gar keine Chance bekämen, sich niederzulassen. Einmal während einer Unterrichtsstunde würden demnach definitiv die Fenster aufgemacht. Beschwerden habe es deshalb  indes keine gegeben. Auch keine Krankmeldungen, weil für drei Minuten vielleicht einmal ein kühleres Lüftchen durch den Raum geweht hat. 

Und weshalb auch? Denn auch wenn die Tage so langsam aber sicher kühler und die von außen wärmenden Sonnenstrahlen tatsächlich wieder rarer werden - auch vor Covid-19 traten Pädagogen bereits landesweit mindestens einmal in der Stunde ans Fenster und versorgten ihre Schützlinge mit dem notwendigen Sauerstoff. Immerhin, so ergab schon 2015 eine veröffentlichte Studie der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen (LUA) Sachsen, habe die Qualität der Luft in Schulräumen einen entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Schülern und Lehrern. 

Mehr noch! Die Wurzeln der wissenschaftlichen Aufarbeitung und Begründung einer  Lüftung in Schulen und anderen größeren Einrichtungen reichen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Bereits der Hygieniker Max von Pettenkofer machte systematische Beobachtungen, dass gemeinschaftlich genutzte Zimmer - darunter Schul-, Gruppen- und Versammlungsräume, aber auch Hörsäle - anfällig für Anreicherungen von Atemgasen und personengebundene Ausdünstungen wären. Der Geruch von verbrauchter Luft könne Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Leistungsdefizite und rundum ein unbehagliches Körpergefühl erzeugen. Pettenkofer etablierte die Kohlendioxidkonzentration der Raumluft als objektiv zugängliche, weil damals schon messbare Größe für die Überwachung der Luftqualität in Gruppen- beziehungsweise Gemeinschaftsräumen.

In der Praxis bedeutet das: Eine Klasse mit 30 Mädchen und Jungen produziere pro Stunde 2,3 bis 2,7 Wärme und gut 500 Liter Kohlendioxid. Letzteres gelte dabei als sogenannter hygienischer Leitparameter. Liegt sein Wert hoch, herrsche nicht nur wegen der gerade gestellten Matheaufgaben mal eben dicke Luft. Der Griff zum Fensterknauf gelte deshalb schon seit Lehrergenerationen durchaus als hilfreich.

In Corona-Zeiten wie diesen aber nun erst recht. "Wir haben auch in den jeweiligen Elternabenden darüber informiert, dass sowohl in den Pausen als auch in den Stunden unter Aufsicht gelüftet wird", verrät Klaus Liebtrau. Wie der Leiter des Großenhainer Werner-von-Siemens-Gymnasiums betont, hoffe man, dass die Gesamtstrategie - also Maskenpflicht in den Gängen, Nutzung von Desinfektionsmitteln, Händewaschen und eben regelmäßig frischer Luft - sich auch in den kommenden Wochen positiv auswirke. Angesichts der bevorstehenden Herbstferien, in denen einige Schüler auch außerhalb von Deutschland Reisepläne hätten, gelte es da, besonders die Daumen zu drücken. Und optimistisch durchzuatmen. Frische Luft natürlich. 

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