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Ein Herz für Großenhain

Die Großflugtage zeigen, dass die Fliegerei die Einheimischen und ihre Gäste nach wie vor fasziniert.

Die Fliegerei fasziniert: Tausende Großenhainer und ihre Gäste kamen am Wochenende auf den Flugplatz. Die Großflugtage waren trotz durchwachsenen Wetters ein Augen- und Ohrenschmaus - und ein absolutes Muss für Flugfans.
Die Fliegerei fasziniert: Tausende Großenhainer und ihre Gäste kamen am Wochenende auf den Flugplatz. Die Großflugtage waren trotz durchwachsenen Wetters ein Augen- und Ohrenschmaus - und ein absolutes Muss für Flugfans. © Kristin Richter

Großenhain. Ingo Nestler ist von Beruf Kreisbrandmeister. Doch an diesem Sonntag hat er ausnahmsweise nur nebenbei einen Blick auf das Bodenpersonal der Kameraden, die die Großenhainer Großflugtage am Wochenende absichern. „Ich habe ein feuerwehrfreies Wochenende“, sagt Nestler und schmunzelt. Die Fliegerei habe ihn schon immer interessiert. Und was die Piloten mit ihren kleinen und größeren Maschinen zeigen, „ist einfach nur faszinierend“, sagt er. „Die verstehen ihr Fach.“

Vom Doppeldecker bis zum Ultraleichtflugzeug war so ziemlich alles vertreten, was bei gehobenen Flugveranstaltungen in Deutschland derzeit so verfügbar ist. Darunter auch diesmal eine beachtliche Zahl von Modellfliegern, für die Großenhain seit Jahren eine Stätte des Vorführens, Trainierens und Probierens ist. Enrico Thäter aus Ingolstadt und Ralph Losemann aus Riesa gehören mit ihren chinesischen Modellen vom Typ J10 dazu. Lautstark und mit viel Kunst und Show zeichnen sie gleich zu Beginn ihrer Vorführung ein „Herz für Großenhain“ mit ihren strahlgetriebenen Modellen. „Ich bin seit 2007 auf Tour“, erzählt Ralph Losemann. Normalerweise trainiert er mit seinem Partner auf dem Flugplatz in Herzberg - oder eben bei Veranstaltungen wie in Großenhain. „Es ist das, was mir Laune macht - eben ein Hobby.“ In der Röderstadt ist er bei den Flugtagen zum dritten Mal dabei - und hofft, dass es nicht das letzte Mal ist. „Der Flugplatz hier hat doch Tradition“, sagt Losemann. Als Hobbyflieger hat er in einer der Hallen ein Segelflugzeug stationiert. Dass es den Flugplatz irgendwann einmal nicht mehr geben könnte, mag er sich nicht vorstellen.

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Eine „Pitts Special“ im Maßstab 1:1,8 hat der Tharandter Enrico Richter mitgebracht. „Ich mache das seit meinem zehnten Lebensjahr“, erzählt der heute 55-Jährige. Angefangen in einer Arbeitsgemeinschaft, die er später auch leitete, wurde ein Verein gegründet. Inzwischen „sind wir auf der ganzen Welt unterwegs“. Seinen Flieger hat er natürlich selbst gebaut - drei Meter Spannweite, knapp 25 Kilogramm schwer, ferngesteuert mit maximaler Reichweite von neun Kilometern. Zwei Jahre hat es gebraucht, um den Bausatz fachgerecht zusammenzufügen.

Mario Hauffe ist mit einem Modell-Helikopter aus Weinböhla gekommen. Seit 20 Jahren geht er 53-Jährige seinem Hobby nach, gehört bei Flugtagen zur „Stammbesatzung“. „Solche Wochenenden sind für uns natürlich absolute Highlights, um uns zu präsentieren“, sagt Hauffe. Sein Heli vom Typ „Goblin Komet“ verfügt über ein ausgesprochen wendiges Flugvermögen. Mario Hauffe gesteht, dass er vor jedem Start auch ein bisschen aufgeregt ist. „Die Angst, dass dem Heli was passiert oder etwas nicht klappt, spielt immer mit“, sagt er. Dass Minuten später sein Modell eine kleine „Bruchlandung“ hinlegt, grämt ihn daher natürlich. „Der Akku war leer“, erklärt Hauffe den Grund. Enrico Richter spendiert ein Trost-Bier. So sind Piloten nun einmal - eine große Familie.

Enrico Richter (rechts) und Mario Hauffe präparieren das Modellflugzeug Pitts Special für den Start.
Enrico Richter (rechts) und Mario Hauffe präparieren das Modellflugzeug Pitts Special für den Start. © Kristin Richter
Beeindruckende "Kleinflugzeuge" stellten Ralph Losemann aus Riesa und Enrico Thäter aus Ingolstadt vor.
Beeindruckende "Kleinflugzeuge" stellten Ralph Losemann aus Riesa und Enrico Thäter aus Ingolstadt vor. © Kristin Richter
Braucht keine Vorlage: Peter Misch ist professioneller Moderator für Flugplatzveranstaltungen.
Braucht keine Vorlage: Peter Misch ist professioneller Moderator für Flugplatzveranstaltungen. © Kristin Richter

Gegen Mittag hat sich das Areal ordentlich gefüllt. Immer wieder klicken Kameras, gibt es Aaah-Rufe des Staunens unter den Besuchern und viel Beifall für die Luft-Vorführungen.

Das freut natürlich auch Peter Misch. Er gilt an diesem Tag als meistbeschäftigter Mann - moderiert er doch quasi am laufenden Band die einzelnen Stunts und Figuren, gespickt mit technischen Details der einzelnen Flugzeuge. Und das, ohne irgendwas vom Blatt abzulesen! Die Fachkenntnis wundert nicht. Misch ist viele Jahre selbst geflogen und seit 1996 als Moderator bei Flugshows unterwegs. In Großenhain macht er zum vierten Mal Station. Nur einen kurzen Moment hat er Zeit, dies zu erzählen. Dann schon startet der nächste Flieger zu einer atemberaubenden Vorführung. Denn es geht Schlag auf Schlag.

Für so manchen Besucher gab es auch noch einen anderen Grund, zu den Flugtagen zu kommen. Familie Salzmann aus Großenhain ist zu fünft da und wedelt freudestrahlend mit Tickets für einen Rundflug mit der AN-2. „Wir wollten mit unseren Kindern einfach mal mit einem Doppeldecker fliegen“, erzählt Frau Salzmann. Mit Großmaschinen sei die ganze Familie zwar schon im Urlaub gewesen, „einen Doppeldecker hatten wir aber noch nicht.“ Deshalb wurde der Sonntag zum Familienausflug gestaltet, was nebenbei auch endlich mal ein Highlight in der Corona-Zeit sei.

Dass für das Event noch am Freitag die 3-G-Regeln präzisiert wurden und ein amtlicher Covid-Test für den Eintritt nötig war, hatte vor allem am Sonnabend viele Leute ins Testzentrum auf den Großenhainer Hauptmarkt verschlagen. Der Resonanz vor allem am Sonntag tat dies jedoch kaum einen Abbruch, nachdem der Samstag leider witterungsbedingt nur mäßig ausfiel.

Wie bekannt das Areal in Großenhain ist, zeigte sich bei näherem Hinschauen bereits auf dem Parkplatz: Fahrzeuge mit Kennzeichen aus ganz Deutschland füllten die Wiese. „Die Flugtage hier sind ein Muss“, sagt Manfred Biermann aus Freiberg, der mit seiner Frau Ulrike gleich mit dem Wohnwagen angereist ist. Ihm haben es zudem auch die militärhistorischen Ausstellungsstücke angetan, die am Wochenende von ihren Liebhabern präsentiert wurden.

Die Hoffnung, dass es in zwei Jahren erneut Großflugtage gibt, ist allgegenwärtig. Denn, und da sind sich viele Besucher einig, durch derartige Events hat sich Großenhain viele Herzen erobert.

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