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Ein Kindergarten wie aus dem Bilderbuch

Der "Lustige Tausendfüßler e. V." aus Böhla-Bahnhof wurde für einen bundesdeutschen Preis nominiert - und erklärt, weshalb man ihn verdient hätte.

Die langjährige Erzieherin Birgit Schumann (l.) und die Leiterin des Kindergartens Sandra Herzenberger sind von ihrem Konzept überzeugt. Wie ein Baum entwickelten sich immer neue Möglichkeiten.
Die langjährige Erzieherin Birgit Schumann (l.) und die Leiterin des Kindergartens Sandra Herzenberger sind von ihrem Konzept überzeugt. Wie ein Baum entwickelten sich immer neue Möglichkeiten. © Foto: Kristin Richter

Priestewitz. Nach zehn Minuten ist alles klar. Weshalb sich die Juroren ausgerechnet für die Einrichtung in einem kleinen sächsischen Dorf entschieden haben, von dem die Welt wohl sonst nie erfahren hätte. Warum Eltern erleichtert Luftsprünge vollführen können, wenn sie ihre lieben Kleinen tatsächlich im beschaulichen Priestewitzer Ortsteil Böhla-Bahnhof unterbringen können. Und mehr noch! Nach zehn Minuten wünschte sich so mancher begeisterter Zuhörer, im "Lustigen Tausendfüßler" noch einmal Kind sein zu dürfen. 

Genau in jenem Haus, in welchem ein engagiertes Team tagtäglich dafür sorgt, dass 38 Mädchen und Jungen unbeschwert hier aufwachsen dürfen. Inmitten von Feldern und Wiesen, in liebevoll eingerichteten Räumen und behütet von Frauen, die ihren Beruf mit einer großen Portion Herzblut ausüben. 

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Sieben Erzieher um Leiterin Sandra Herzenberger, die nichts dem Zufall überlassen und bei Generationen von Kindern und Eltern bewirken, dass die Zeit im "Lustigen Tausendfüßler" in allerbester Erinnerung bleibt. Eine, zu der nun möglicherweise auch gehören wird, dass sie in der vergangenen Woche für den Deutschen Kita-Preis 2021 nominiert ist. 

Immerhin mehr als 1.200 Kindergärten und lokale Bündnisse haben sich für die namhafte Auszeichnung beworben, die im Frühjahr vergeben werden wird. "Wir freuen uns riesig und sind auch der Meinung, dass wir den Preis durchaus verdient hätten", sagt Sandra Herzenberger und lacht.

Erst im Januar hatte die 42-Jährige die Leitung des Kindergartens übernommen und ist längst schon ganz eng mit dem besonderen Konzept verflochten. Abgesehen davon, dass sie Derartiges bisher noch nie irgendwo kennengelernt habe.

 "Ideen gibt es auch anderswo immer ganz viele. Diese aber auch umzusetzen und zwar in einer Weise, dass die Kinder all ihre Erfahrung und Vorstellungen motiviert sind, selbst einzubringen, ist eine Kunst, die dem ,Lustigen Tausendfüßler´ absolut gelingt", schwärmt Sandra Herzenberger.  Sie ziehe den Hut vor der Kreativität solch erfahrener Erzieherinnen wie Birgit Schumann, die von Anfang an das Haus zu dem macht, was es heute ist.

Eine Oase für Kinder im Alter zwischen ein bis sechs Jahren, in der die Welt aus sich selbst heraus entdeckt werde. Und sie erfreue sich an jüngeren Mitstreitern wie Ilka Schumann, die mit zahlreichen neuen Ideen die Arbeit bereichere. 

Eine fordernde Tätigkeit, die mit Köpfchen und ganz viel Emotionen ausgeübt werde und die jedes Kindergartenjahr durch ein bestimmtes Projektmotto gewissermaßen einzigartig werden lässt. "Als wir Anfang der 1990er Jahre wegen des fehlenden Nachwuchses um unsere Existenz fürchten mussten, entwickelten wir ein Konzept, das wir heute noch erfolgreich mit Eltern, Partnern des Hauses und vor allem unseren Kindern umsetzen", erzählt Birgit Schumann. 

Die Mädchen und Jungen beschäftigten sich jeweils bis zum Zuckertütenfest im darauffolgenden Jahr mit einem spezifischen Thema. Gleich nun, ob Landwirtschaft, Ritter, Müll, Wasser oder Sonne, Mond und Sterne oder dieses Mal der Baum - es werde nicht nur darüber gesprochen, etwas vorgelesen oder gebastelt. Nein, all das, was alle gemeinsam beschäftigt, hüllt alle gemeinsam gedanklich gewissermaßen vom ersten Elternabend an ein. 

"Als wir uns beispielsweise dem Wasser zugewandt haben, begrüßten wir die Mütter und Väter in unseren Räumen dank der Technik auf dem Meeresgrund. Im Verlaufe des Kindergartenjahres lernten wir dann Fische und Lebewesen aus dem nassen Element kennen, besuchten die Teichwirtschaft Schönfeld und den Dresdner Zoo, ließen die Kinder ihre Erfahrungen aufzeichnen und entwickelten daraus ganz individuelle Geschichten, die so wie in jedem Jahr in einen Trickfilm mündeten", verrät Birgit Schumann.

Sie und Sandra Herzenberger machen keinen Hehl daraus, dass das ausgezeichnete Miteinander mit den Eltern, die unterstützten und auch mal ungefragt helfend zupackten, ebenso segensreich sei, wie die hervorragenden Kontakte zur Gemeindeverwaltung, der Feuerwehr und vielen Unternehmen der Umgebung. 

Dank ihnen sei es überhaupt erst möglich, das Grundanliegen der pädagogischen Arbeit umzusetzen: die Mädchen und Jungen mit der Welt vertraut zu machen, die sie umgibt und in der sie leben. Ihnen Alltagssituationen näher zu bringen, die Heranwachsenden neugierig zu machen und ihr Nachdenken anzuregen. 

Neuste Errungenschaft der umtriebigen Tausendfüßler: bildliche Speisepläne und ein Wetterkalender nebst passend bekleideter Puppe in der Garderobe. Darüber, natürlich die Projekte und ihr ganz eigenes Verständnis, die Kinder mit viel Liebe und Aufmerksamkeit erzieherisch zu begleiteten, gilt es nun bis zum 15. Oktober, in weiteren Bewerbungsunterlagen zu berichten.

 Im Auswahlprozess für die Endrunde würde schließlich vor allem darauf geachtet, wie sich die pädagogische Arbeit an den verschiedenen Bedürfnissen der Kinder orientiert und inwiefern Kinder, Eltern und Mitarbeitende im Alltag mitwirken könnten. Unzweifelhaft eine der Stärken im Kindergarten "Lustiger Tausendfüßler" in Böhla-Bahnhof - nach zehn Minuten sollte das auch den Experten absolut klar sein.   

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