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Ein neuer Turm für Speedway-Schlachten

Ein Jahr gab es in Meißen kaum Rennen. Der Verein hat die Zeit überbrückt - mit einem Neubau und Onlinetraining.

Premiere in Meißen im Juni 2020: Erstmals fand auf der Speedway-Bahn ein „Geisterrennen“ statt. Ronny Weis (vorn) und Richard Geyer dominierten. Jetzt hoffen die Domstädter, bald wieder rassige Wettkämpfe mit Zuschauern ausrichten zu können.
Premiere in Meißen im Juni 2020: Erstmals fand auf der Speedway-Bahn ein „Geisterrennen“ statt. Ronny Weis (vorn) und Richard Geyer dominierten. Jetzt hoffen die Domstädter, bald wieder rassige Wettkämpfe mit Zuschauern ausrichten zu können. © Claudia Hübschmann

Meißen. Nein, den Kopf in den Sand steckend, hat Ronny Weis wahrscheinlich noch niemand erlebt. Er ist ein Kämpfer, ein Nimmermüder - und ohne Meißens Motorsport derzeit undenkbar. Ein „Turm in der Speedway-Schlacht“. Sozusagen.

Einen ganz anderen Turm haben Mitglieder und Sympathisanten des Motorsportclubs Meißen e.V. in den letzten Monaten gebaut. Ein bisschen aus der Not heraus. „Wir sind sehr fleißig gewesen“, fasst Ronny Weis zusammen, was da entstanden ist. Im Meißner Speedwaystadion an der Zaschendorfer Straße wurde ein neuer Schiedsrichterturm errichtet. Der alte, mehr als 50 Jahre alt, ist weg. Er hatte über die Jahre seine guten Dienste bei den Speedway-Highlights getan, entsprach aber aus mehreren Gründen nicht mehr den Anforderungen. Ein wesentlicher Nachteil: Einigen Zuschauern auf den Tribünen blieb immer der komplette Blick auf die Rennstrecke verwehrt. Deshalb wurde der neue Turm jetzt etwas weiter nach hinten versetzt, um den Fans die Sicht auf die erste Kurve nicht mehr zu versperren. „Jeder Zuschauer hat jetzt hundertprozentigen Blick auf das Oval“, freut sich Ronny Weis.

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Zum neuen Turm gehört ebenso ein neuer VIP-Bereich. Außerdem wurden barrierefreie Zugänge zu den Tribünen geschaffen, damit auch Rollstuhlfahrer künftig die Wettkämpfe hautnah verfolgen können. Entstanden sind sämtliche Umbauten in Eigenregie des Vereins. Dabei musste natürlich auf Corona-Vorgaben geachtet werden. „Wir haben Teams gebildet, die abwechselnd auf der Baustelle gearbeitet haben“, so Ronny Weis. Noch ist der Turm nicht ganz fertig, aber schon jetzt bezeichnet der Speedway-Routinier ihn als das „neue Schmuckstück“ auf der Bahn. Alle hätten großartig mitgezogen, fast jedes Wochenende wurde gewerkelt. „Der Turm kann sich sehen lassen“, erklärt der auch international erfolgreiche Fahrer.

Sportlich ging es auf dem Oval in den letzten 14 Monaten dagegen eher trist zu. „Es war ja nicht viel möglich“, sagt Ronny Weis. Von einem Tag zum anderen musste das Training abgesagt werden. Was vor allem für die hoffnungsvollen Nachwuchs-Athleten überaus traurig war. „Man durfte sich nicht treffen, es gab keine Turnhallen“, beschreibt Weis das Szenario. Mit Onlinetraining wurden die Lockdownzeiten immerhin ein bisschen aufgelockert. „Die Sportler haben ,Hausaufgaben‘ gekriegt, deren Erledigung natürlich nicht wirklich kontrolliert werden konnte“, so Weis.

Immerhin sorgten die Meißner für eine Premiere: Sie richteten im Frühsommer 2020 ein Geisterrennen aus. Mit einem flächenmäßig erweiterten Fahrerlager, um Mindestabstände einhalten zu können. Aber eben ohne Zuschauer auf den Traversen. Anfang August durften dann bei einem kurzfristig angesetzten Ländervergleich zwischen Deutschland und Tschechien sogar wieder Fans ins Stadion. Und auch die 48. Auflage der Rennen um den „Silbernen Stahlschuh“ konnte stattfinden. Vor einer Super-Kulisse landeten die Meißner Lokalmatadoren Ronny Weis und Richard Geyer dabei auf dem 2. und 3. Platz.

Seitdem ist es wieder ruhig geworden. Die traditionelle Serie von Rennen auf Eis zwischen Dezember und Februar musste coronabedingt komplett abgesagt werden. „Wir sind nicht einen Meter auf Eis gefahren“, bedauert Ronny Weis. Die nächste Absage gab es Anfang Mai. Da richtet der Meißner Verein eigentlich den Autohaus-Cup aus. „Wir haben ihn gecancelt. Denn ohne Zuschauer macht das keinen Sinn“, so Weis.

Dabei geht es natürlich nicht nur um die fehlende Stimmung am Rand der Bahn, sondern vorrangig ums Finanzielle. Es würden Helfer an der Bahn und rundherum benötigt, Kampf- und Schiedsrichter müssten herangeholt und natürlich auch bezahlt werden. „Da sind die Kosten ohne die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern einfach zu hoch“, sagt Ronny Weis. Ein „Geisterrennen“ wie noch im Juni 2020 schließt er für Meißen deshalb aus. „Das war damals eine andere Situation. Aber ohne Zuschauer ist es nicht rentabel“, bekräftigt der Vollblut-Speedway-Pilot. Niemand habe ja ahnen können, dass es eine zweite „Corona-Saison“ gibt.

Ganz abgeschrieben ist das Jahr aber natürlich nicht. „Sobald etwas möglich ist, sind wir bereit. Wir stehen in den Startlöchern“, so Weis. Die Hoffnung, im Oktober den „Stahlschuh“ mit vielleicht auch 1.000 Zuschauern fahren zu dürfen, ist groß.

Froh ist Ronny Weis, dass der Vereinsnachwuchs bei der Stange geblieben ist. „Niemand ist abgesprungen.“ Entgegen kam dabei der Umstand, dass im Oktober die letztjährige Saison beendet wurde, über den Winter bei den Speedway-Fahrern vergleichsweise Ruhe herrscht und das Training dann im März wieder beginnt. Witterungsbedingt war aber auch das wegen der „schlammigen“ Bahn kaum möglich. Als dann Individualsport im April wieder erlaubt war, „haben wir ein paar Mal trainiert“, so Weis. Das Wichtigste für ihn indes war, dass gerade die jungen Fahrer über den Winter nicht alleingelassen wurden. Dank Onlinetraining, dank Videokonferenzen oder anderer Gruppenchats. „Man hatte wenigstens Kontakt.“

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