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Ein neues Geschäftsmodell für die Stadt

Auf dem Kirchplatz 12 können sich Interessenten auch tageweise in ein Ladenbüro einmieten. Zum Auftakt füllt eine Riesaerin im "LaBü" eine Marktlücke.

Ein funktionierendes Netzwerk macht die Eröffnung des "LaBü" in Großenhain möglich: Erstnutzerin Franziska Ay, Unternehmensberaterin Beate Josko, Hauseigentümerin Kerstin Gaudeck und Zentrums-Manager Alexander Ehrke (v.l.).
Ein funktionierendes Netzwerk macht die Eröffnung des "LaBü" in Großenhain möglich: Erstnutzerin Franziska Ay, Unternehmensberaterin Beate Josko, Hauseigentümerin Kerstin Gaudeck und Zentrums-Manager Alexander Ehrke (v.l.). © Norbert Millauer

Großenhain. Franziska Ay ist zufrieden und dankbar. "Ich komme gern nach Großenhain einkaufen", gesteht die Riesaerin. Auf dem dortigen Boulevard hat sie zu Jahresbeginn ihren Laden "Nadelay" geöffnet. Er bietet neben Stoffen und Wolle fast alles, was es zum Nähen, Stricken oder Häkeln braucht. Die 35-Jährige hat aber auch festgestellt: Der Bedarf für solche Waren ist auch in Großenhain - ein Angebot dafür fehlt aber, nachdem in der Röderstadt ein ähnlicher Laden geschlossen hatte.

Bei Gründungsberaterin Beate Josko, vor allem aber bei Kerstin Gaudeck fand sie offene Ohren. Kerstin Gaudeck ist Hauseigentümerin am Kirchplatz 12. "Das ist mein Elternhaus", erzählt sie. Doch mit dem entstandenen Leerstand wollte sich Kerstin Gaudeck nicht abfinden, sondern "den Laden wieder zum Leben erwecken". Ihre Idee: mit Hilfe engagierter Unternehmen die Räumlichkeiten so herrichten, dass sie sowohl als Laden als auch als Büro genutzt werden können. "LaBü" nennt sich folgerichtig ein neues Geschäftsmodell.

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Hier können sich künftig also Unternehmen zeitweise einmieten, die - aus welchen Gründen auch immer - eine Festansiedlung in der Innenstadt bislang nicht gewagt haben oder auch nur mal einen Raum für eine Versammlung oder Besprechung nutzen wollen. Die Eigentümerin hatte seinerzeit die Idee dem Großenhainer Zentrumsmanager Alexander Ehrke vorgestellt und in Beate Josko "bei einer Tasse Kaffee" eine energische Fürsprecherin gefunden. Nun sind freilich alle gespannt, wie sich der "LaBü" in der Stadt etabliert. Denn Erfahrungen mit "heute Laden, morgen Büro" gibt es hierzulande nicht. Auch deshalb geht Kerstin Gaudeck mit dem Preis für die vorübergehende Einmietung auf einem wirklich sehr niedrigen Level an den Start.

Großes Lob hagelt es aus dem Großenhainer Rathaus an alle Beteiligten. "Wir freuen uns, dass es Eigentümer gibt, die neue Wege gehen wollen", so Matthias Schmieder. Und Franziska Ay zollt dem Geschäftsbereichsleiter Stadtkultur & Ordnung im Rathaus, Anerkennung, "dass jemand den Mut hat, dieses Modell anzugehen". Zugleich sei das Ganze ein Beispiel, wie Netzwerke funktionieren können - hier zwischen Eigentümer, Unternehmensberater, Geschäftsfrau und Stadt. Für Stadtsprecherin Diana Schulze wiederum ist der "LaBü" ein Indiz, dass "Corona nicht nur Negatives gebracht hat".

Zentrumsmanager Ehrke ist indes schon dabei, weitere potenzielle Interessenten für die "LaBü"-Nutzung zu finden. Konkrete Angaben macht er zwar noch nicht - bis auf eine Ausnahme. Die IHK habe nach einem Raum für ihr nächstes Regionaltreffen angefragt. Das wird nun am Kirchplatz 12 stattfinden.

Franziska Ay freut sich jetzt auf diesen Samstag. Dann wird sie mit einem Großteil ihres Sortiments kommen und beim kleinen Stadtfest Kundenwünsche erfüllen. Künftig will sie sich regelmäßig einmieten und einen Rhythmus finden. "Der Sonnabend wäre schon gut", sagt die 35-Jährige. Da habe sie ihr Riesaer Geschäft geschlossen. Aber eigentlich sei der Tag der Familie vorbehalten, schmunzelt die zweifache Mutti. Vielleicht, so ihre stille Hoffnung, finde sie ja in Großenhain eine engagierte Aushilfsverkäuferin. Dafür wird sie schon am Sonnabend kräftig werben.

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