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So lebt es sich an der Durchgangsstraße

Seit Jahren kämpfen die Skassaer für einen stationären Blitzer. Nach der Ablehnung der Stadträte letztes Jahr macht nun erneut ein Anwohner seinem Kummer Luft.

Ein Bild, das sich den Anwohnern der Riesaer Landstraße in Skassa täglich bietet: Fahrzeuge jeglicher Art bewegen sich durch den Ort. Nicht selten viel zu schnell.
Ein Bild, das sich den Anwohnern der Riesaer Landstraße in Skassa täglich bietet: Fahrzeuge jeglicher Art bewegen sich durch den Ort. Nicht selten viel zu schnell. © Norbert Millauer

Großenhain. Im August werden es zwei Jahre. Sven Hofmann und seine Frau hatten sich ein Herz gefasst und erstmals in der Sächsischen Zeitung erzählt, was ihnen seit langem auf der Seele brennt. „Wir halten es wirklich nicht mehr aus und sind mit unseren Nerven völlig am Ende“, bekannte die Familie damals und präsentierte gemeinsam mit Nachbarn, was allen den letzten Nerv raube: Ab den frühen Morgenstunden verwandele sich die Riesaer Landstraße im beschaulichen Skassa in eine Mini-Autobahn. Ein Fahrzeug nach dem anderen donnere dann an den Häusern vorbei. Rumpeln, Scheppern, Quietschen. An die vorgeschriebenen 30 km/h pro Stunde hielten sich die Wenigsten und rasten teilweise mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit durch den Großenhainer Ortsteil. Tag und Nacht.

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Die geplagten Anwohner machten sich daraufhin stark: für Geschwindigkeitsmessungen und die Errichtung eines dauerhaften Blitzers. Doch der Vorschlag der Großenhainer Stadtverwaltung - der Geschäftsbereichsleiter für Stadtkultur und Ordnung, Matthias Schmieder war zigmal selbst vor Ort - wird schließlich im Juli vergangenen Jahres von den Stadträten abgelehnt. Überraschend und ziemlich deutlich. Es sollten künftig häufiger Geschwindigkeitsmessungen im Dorf durchgeführt werden. Sozusagen als Trostpflaster, bis gemeinsam mit dem Straßenbaulastträger, dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv), das endgültig Entspannung bringende Projekt in Angriff genommen werde. Eine Realisierung der Straßenbegradigung nämlich, inklusive Gehwegbau und Mittelinsel am Ortseingang, mit der aber nach aktuellem Stand der Dinge frühestens 2024 zu rechnen sei.

Fast ein Jahr später ist deshalb scheinbar noch alles beim Alten. Während unterstellt werden darf, dass naturgemäß so mancher der Großenhainer Stadträte schon lange nicht mehr an die Lärmbelastung der Menschen an der Durchgangsstraße gedacht haben wird, macht sich Sven Hofmann in der Einwohnerfragestunde Luft. Mit bebender Stimme erzählt der Mann an diesem Mittwochabend im Juni 2021 von der Situation, die ihn nach eigenem Bekunden nach wie vor sehr belaste. Ein hoher Geräuschpegel, gefährliche Momente beim Überqueren der Straße und Ängste - um Kinder und Tiere gleichermaßen. „Es hält sich einfach niemand an die angeordneter Geschwindigkeit von 30 km/h! Ich könnte ihnen Hunderte von Fotos zeigen, die das belegen! Ein stationärer Blitzer hätte sich schon längst bezahlt gemacht“, vermutet Sven Hofmann.

Der Skassaer lässt in seiner verzweifelten Rede keinen Zweifel daran, dass er sich mit seinen Sorgen allein gelassen fühlt und lädt die Kommunalpolitiker deshalb zu Gesprächen vor Ort ein. Ebenso wie in Wildenhain, wo die Einwohner auch nach wie vor mit einem hohen Fahrzeugaufkommen und einer entsprechenden Lärmbelastung durch Motoren oder quietschende Bremsen belastet sind, erhoffe er sich endlich eine Lösung. Für ihn, genau in der Kurve wohnend, sei es unerträglich, immer nur zu warten.

Ein Angebot, das die Fraktionen annehmen möchten. Aber auch keine falschen Hoffnungen wecken wollen. „Wissen Sie, ich bin beruflich damit befasst gewesen, mich um Unfallschwerpunkte und schwere Unfälle an sich zu kümmern. Ein Blitzer verhindert auf keinen Fall das Schnellfahren", gab Hermann Braunger, ehemaliger Polizeichef von Riesa, zu bedenken. Er sei 24 Jahre lang nahezu jeden Tag diese Straße entlang gefahren und könne die Probleme der Anwohner gut verstehen. Aber ein Blitzer allein wäre nicht die Lösung.

August 2019: Doreen und Sven Hofmann sowie ihre geplagten Nachbarn Marina Zander und Michael Schulz können sie nicht mehr sehen: die Laster und Autos vor ihren Häusern.
August 2019: Doreen und Sven Hofmann sowie ihre geplagten Nachbarn Marina Zander und Michael Schulz können sie nicht mehr sehen: die Laster und Autos vor ihren Häusern. © Archivfoto: Kristin Richter

Auf die Dauer sicherlich nicht. Nach Gesprächen und zahlreichen Besuchen im Ort hatte ihn Großenhains Verwaltung im vergangenen Sommer jedoch dennoch als Beschlussvorlage in den Stadtrat eingebracht - ohne Erfolg. Während die Linken damals als einzige Fraktion dafür votierten, sprachen sich CDU und Gemeinsam für Großenhain massiv dagegen aus. Die Investitionskosten in Höhe von 100.000 Euro seien nicht gerechtfertigt. Die Stadt müsse hingegen das Verfahren zur Neutrassierung beschleunigen und das eigens angemietete Messfahrzeug mit zwei Messanlagen vom Typ Leivtec besser auslasten. Vor allem eben in Skassa.

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Etwas, das man auch gern tun würde. Allerdings, so Matthias Schmieder, lauere gerade da das nächste Problem. Zwar wäre das Gerät offiziell zugelassen, seine Daten im Falle eines Rechtsstreits aber juristisch nicht verwendbar. "Messungen wurden jedoch dennoch im April und Juni von der örtlichen Polizei durchgeführt. Allerdings gab es an den jeweiligen Tagen keine nennenswerten Überschreitungen", erklärte Matthias Schmieder. Zu Gesprächen sei die Stadt aber selbstverständlich weiterhin bereit. Denn schließlich, so Oberbürgermeister Sven Mißbach, wünsche man sich ja eine Lösung im Interesse der Anwohner. "Aber leider war dies noch nicht möglich. Dauerhaft kann nur die Straßenbegradigung die Situation wirklich entspannen." Anfang Juli werde er erneut in Skassa vor Ort sein, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Eine schnelle Lösung für die Verkehrsprobleme könne er jedoch nicht versprechen.

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