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Eine Ära geht zu Ende

Die letzten beiden Feuerwehrautos vom Typ W50 im Landkreis sind in Rente geschickt worden. Sie werden hochkarätig ersetzt.

Michael Kurz (Gemeindewehrleiter Schönfeld), Ingo Nestler (Kreisbrandmeister),
Sven Mißbach (OB Großenhain) und Tom Tschuppan (Feuerwehr Großenhain/v. l.) stellten sich zum Foto mit den letzten beiden W50 in Diensten der Feuerwehren des Landkreises.
Michael Kurz (Gemeindewehrleiter Schönfeld), Ingo Nestler (Kreisbrandmeister), Sven Mißbach (OB Großenhain) und Tom Tschuppan (Feuerwehr Großenhain/v. l.) stellten sich zum Foto mit den letzten beiden W50 in Diensten der Feuerwehren des Landkreises. © Kristin Richter

Großenhain. Tom Tschuppan von der Großenhainer Feuerwehr lässt den Motor nochmal richtig hochlaufen. Michael Kurz, Gemeindewehrleiter von Schönfeld, zieht diesen einmaligen Abgas-Geruch für einen Moment ein. "So war das eben, nicht immer angenehm bei Einsätzen", sagt er und lächelt.

Es ist eine historische Stunde: Die letzten beiden Feuerwehrautos vom Typ W50 im Landkreis sind jetzt in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet worden. Beide Baujahr 1984, waren sie bis zuletzt im Einsatz für die Ortswehren in Strauch und Linz. "Sie haben guten Dienst geleistet", sagt Ingo Nestler. "Aber irgendwann ist es mal vorbei." Der Kreisbrandmeister gesteht, dass er mit einem weinenden und einem lachenden Auge zum Termin gekommen ist. Denn der W50 gehörte zu jenen Fahrzeugen, auf denen er seine Ausbildung zum Maschinisten in Berlin-Schöneweide absolvierte. "Da steckt viel Herzblut drin. Ich bin mit dem W50 groß geworden", sagt Ingo Nestler.

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Jetzt ist er Kreisbrandmeister und als solcher maßgeblich daran beteiligt, dass sich die technischen und infrastrukturellen Bedingungen für das Feuerwehrwesen zwischen Elbe und Röder in den letzten Jahren enorm verbessert hat. Durch eine "kluge Politik" sei es gelungen, den Altbestand von Fahrzeugen aus DDR-Zeiten rigoros abzubauen. Knapp vier Prozent beträgt der Anteil noch - acht Fahrzeuge aus jener Zeit sind noch unterwegs, zwei B1000 sowie sechs LO's. Und das bei immerhin 290 Einsatzfahrzeugen, die die Wehren im Landkreis besitzen.

Insbesondere im Norden des Landkreises, also im Großenhainer Raum, wurden große Fortschritte erzielt. Und das betrifft nicht nur die technische Ausstattung, sondern beispielsweise auch den Bau oder die Modernisierung von Gerätehäusern. Jüngstes Beispiel ist die Ortswehr Kmehlen, die an einem Tag mit einem neuen Fahrzeug und einem neuen Domizil "beschenkt" wurde. Und die Entwicklung wird weitergehen. Oelsnitz-Niegeroda ist der nächste Ort, der ein neues Gerätehaus bekommt. Großenhain kann sich auf ein Großtanklöschfahrzeug GTLF 9000 freuen - eine immense Investition, die angesichts der Situation um die Kapazitäten an Löschwasser unumgänglich ist. "Die letzten drei Sommer und ihre Folgen haben gezeigt, dass es mit Löschwasser problematisch wird", so Oberbürgermeister Sven Mißbach, selbst langjähriger Feuerwehrmann. Nicht nur wegen des GTFL "sind wir gut aufgestellt", fügt er hinzu. Aber man werde nicht umhinkommen, über weitere Dinge nachzudenken - etwa den Bau von Zisternen.

Im Schönfelder Ortsteil Linz schauen die Feuerwehrkameraden nach der Ausmusterung ihres W50 schon freudvoll in die ganz nahe Zukunft. Vielleicht sogar noch vor Weihnachten holen sie ihr neues Löschgruppenfahrzeug 20 (kurz: LF 20) vom Typ Iveco aus Ulm ab. "Das wäre natürlich ein großes Weihnachtsgeschenk", sagt Gemeindewehrleiter Kurz. Mitte Januar könnte das Auto dann in Dienst gestellt werden. Ob es auch für die Großenhainer mit dem GTLF 9000 noch zu einer Überraschung in diesem Jahr reicht, ist noch nicht ganz sicher, aber nicht ausgeschlossen.

Der W50 hingegen soll versteigert werden. Liebhaber dafür werden sich bestimmt finden - nicht nur wegen der Vergangenheit als zuverlässiger Brandbekämpfer.

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