merken
PLUS Großenhain

Eine tierische Alten-WG auf dem Land

Simone Staatz hat im Priestewitzer Ortsteil Blattersleben ein Zuhause für jene felligen Vierbeiner und gefiederte Zweibeiner erschaffen, die sonst keines mehr hätten.

Simone Staatz hat auf ihrem Hof in Blattersleben ein liebevolles Zuhause für all jene Tiere geschaffen, die sonst keines mehr hätten. Die Schweine Knacki, Bocki und Pfötchen genießen die Zuwendung.
Simone Staatz hat auf ihrem Hof in Blattersleben ein liebevolles Zuhause für all jene Tiere geschaffen, die sonst keines mehr hätten. Die Schweine Knacki, Bocki und Pfötchen genießen die Zuwendung. © Foto: Kristin Richter

Blattersleben. Das Paradies befindet sich auf dem Bäckerweg. Dort, wo eigentlich hinter einem hohen verschlossenen Tor die Welt für Ortsfremde und Spaziergänger zu Ende ist, darf für die tierischen Bewohner des Grundstücks alles noch einmal anfangen. Enten, Hühner, Hunde oder Schweine. Seit dem vergangenen Jahr bilden die schnatternden, gackernden, bellenden und grunzenden Mädels und Jungs eine illustre Wohngemeinschaft. Während Knacki, Bocki, Pfötchen und Rambo ihren schweinischen Hunger stillen, watscheln die sichtlich betagten Entendamen unbehelligt an ihnen vorüber gen Wiese. Dass sie in ihren Jugendjahren der Hingucker auf diversen Geflügelschauen gewesen sind, sieht man den immer noch farbenprächtigen Vögeln erst auf den zweiten Blick an. Behäbig setzen sie nach einer kleinen Pause ihren Weg fort, begleitet von zwei großgewachsenen Hühnern, die mit ihrem dichten Federkleid kokett zu verbergen wissen, dass sie sich auch schon längst in Geflügelrente befinden. "Die Tiere haben alle eine ganz unterschiedliche Herkunft und ihre eigenen Geschichten! Während die Enten und Hühner in ihrem ursprünglichen Zuhause nicht mehr versorgt werden konnten, wohnten die Geschwister Pfötchen und Rambo in einer Reihenhaussiedlung in Essen, die sich aber doch als ungeeigneter Platz für sie erwiesen hat", erzählt Simone Staatz.

Schweine, mit denen letztlich alles beginnen sollte. Schon seit längerer Zeit hatte sich die 49-Jährige mit dem Gedanken getragen, ihrem einstigen Beruf praktisch wieder etwas näherzukommen. Denn auch wenn die Mutter dreier Kinder inzwischen mit viel Herzblut als Altenpflegerin arbeitet, so sei ihre einstige Leidenschaft doch immer noch da gewesen. In Diesbar-Seußlitz aufgewachsen, wäre ihr die Hinwendung und die Liebe zu allem, was Fell oder Federn hat, gewissermaßen in die Wiege gelegt worden. "Ich erlernte bis 1990 den Beruf einer Tierpflegerin, aber durch die Wende entwickelte sich dann alles etwas anders", bekennt Simone Staatz und streichelt liebevoll über den Kopf eines weißen Mopses.

Einkaufen und Schenken
Nur einen Klick entfernt
Nur einen Klick entfernt

Hier erhalten Sie nützliche Tipps und die aktuellsten Neuigkeiten rund ums Thema Einkaufen und Geschenke aus Ihrer Region.

Dass Rocky vor zwei Jahren aus Ungarn total abgemagert zu ihrer Familie in den Priestewitzer Ortsteil gekommen war, sieht man dem ehemaligen "Vermehrungshund" nicht mehr an. Ebenso wie seine Gefährtin Nelly und Eria, eine Herdenschutzhündin, welche einst in den spanischen Bergen ausgesetzt worden ist, erhält das aufgeweckte Kerlchen augenscheinlich allerbeste Pflege. Hier auf dem Tierschutzhof von Simone Staatz, den sie gemeinsam mit ihrem Mann seit Sommer vergangenen Jahres betreibt.

Mops Rocky stammt ursprünglich aus Ungarn, wo er lediglich zum Zwecke der Vermehrung gehalten worden ist. Irgendwann hatte sein einstiger Besitzer genug von ihm und entledigte sich seiner.
Mops Rocky stammt ursprünglich aus Ungarn, wo er lediglich zum Zwecke der Vermehrung gehalten worden ist. Irgendwann hatte sein einstiger Besitzer genug von ihm und entledigte sich seiner. © Foto: Kristin Richter
Noch ziemlich flott und munter sind diese bereits sehr betagten Hühner. Als ihr früheres Zuhause, ein Bauernhof, aufgelöst worden ist, kamen sie nach Blattersleben.
Noch ziemlich flott und munter sind diese bereits sehr betagten Hühner. Als ihr früheres Zuhause, ein Bauernhof, aufgelöst worden ist, kamen sie nach Blattersleben. © Foto: Kristin Richter
Ihr farbenprächtiges Gefieder erinnert noch daran, dass sie der Hingucker auf zahlreichen Geflügelausstellungen waren. Inzwischen gealtert, genießen sie nun die ruhigeren Momente.
Ihr farbenprächtiges Gefieder erinnert noch daran, dass sie der Hingucker auf zahlreichen Geflügelausstellungen waren. Inzwischen gealtert, genießen sie nun die ruhigeren Momente. © Foto: Kristin Richter

Vergleichsweise nur ein paar Monate, in denen sich schon über die Grenzen des Landkreises Meißen hinaus herumgesprochen hat, was ausrangierte, weggeworfene, misshandelte oder auch nur gealterte Tiere auf dem idyllischen Areal im Grünen erwarten dürfen. Mit viel Zuwendung, teilweise großem finanziellen Aufwand und noch mehr Einfühlungsvermögen versuchen die Staatzes, ihren Bewohnern die noch verbleibende Zeit so schön wie möglich zu gestalten. Auch wenn das bedeutet, selbst auf erholsame Stunden, Urlaub oder die eigentlich anstehende Sanierung des 2004 bezogenen Hauses zu verzichten - die Tiere sind es ihnen wert. Nach einer dringend notwendigen und sehr teuren Operation von Eria, dem Bau von Gehegen für Meerschweinchen sowie Hasen - gleich Dutzende fanden nach einer Beschlagnahmung in einem Privathaushalt in Blattersleben eine vorübergehende Unterkunft - und nicht zuletzt der medizinischen Behandlung eines schwer traumatisierten Pferdes, müssten die eigenen vier Wände eben noch etwas warten.

Überaus harte Tage liegen hinter der spanischen Herdenschutzhündin Eria. Als Welpe in den Bergen ausgesetzt, wurde sie glücklicherweise gefunden und in einem Tierheim abgegeben.
Überaus harte Tage liegen hinter der spanischen Herdenschutzhündin Eria. Als Welpe in den Bergen ausgesetzt, wurde sie glücklicherweise gefunden und in einem Tierheim abgegeben. © Foto: Kristin Richter

Geduld, die Simone Staatz allein durch ihr ruhiges und freundliches Wesen ohnehin gegeben ist. Die Blatterslebnerin freut sich sichtlich darüber, wie gut sich ihre Schützlinge entwickeln und auch, wenn einige der sogenannten Kurzzeitgäste wieder ein neues Zuhause finden. Ziegen, Schildkröten und Katzen - auf dem Hof logierten schon einige Übriggebliebenen. Zumindest solche, für die auch tatsächlich Platz und eine Unterkunft vorhanden sind. Bei einer Kuh, so Simone Staatz lachend, müsse sie bei allem guten Willen zu helfen, leider nein sagen. Andere Bedürftige seien jedoch herzlich willkommen. Und auch interessierte Zweibeiner, die wie im Fall von Minischwein Pfötchen, eine Patenschaft übernehmen wollen. Für einen Monat, ein Jahr oder gern auch für immer. Eben so lange, wie den Mitgliedern der tierischen Alten-WG noch vergönnt ist, zu bleiben - im Paradies auf dem Bäckerweg.

Wer eine Patenschaft übernehmen oder für die Tiere spenden möchte, kann sich unter [email protected] mit Simone Staatz in Verbindung setzen.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Großenhain