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Erfolgreich aufforsten, aber wie?

Die Explosion der Holzpreise kommt bei den kleinen Waldbesitzern nicht an – deshalb braucht es Ideen, um die Schäden zu beseitigen.

TZV-Geschäftsführer Frank Schmidt und Revierförster Gunther Schwarz begutachten eine neu angepflanzte Traubeneiche.
TZV-Geschäftsführer Frank Schmidt und Revierförster Gunther Schwarz begutachten eine neu angepflanzte Traubeneiche. © Norbert Millauer

Landkreis. „Es ist genau vier Jahre her, dass der Gewittersturm hier die Kiefern umgelegt hat“, sagt Frank Schmidt. Der Geschäftsführer des Trinkwasserzweckverbandes Pfeifholz steht am Waldrand hinterm Frauenhainer Wasserwerk und zeigt auf einen aufgeforsteten Streifen, der parallel zur Bahnlinie verläuft. Am 22. Juni 2017 fegte ein schweres Gewitter über den Norden des Landkreises. Böen bis zu 150 Stundenkilometer, begleitet von gewaltigem Hagelschlag, richteten die ersten Schäden in dem acht Hektar großen Waldgebiet an, das der Verband bewirtschaftet. Im Januar 2018 fegte dann Sturmtief Friederike über die Region hinweg, knickte an der sächsisch-brandenburgischen Landesgrenze Bäume en masse ab. Allein im Straucher Forstrevier fielen 31.000 Festmeter Sturmholz an, die aus dem Wald geholt und einer Verwertung zugeführt werden mussten. Kaum waren die Waldbesitzer der Sache einigermaßen Herr geworden, begann die extreme Trockenheit, gefolgt von der Borkenkäferplage. Wieder mussten viele Bäume gefällt werden, um die massenhafte Ausbreitung der Käfer zu stoppen.

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Nun klaffen große Lücken im Forst zwischen Frauenhain und Lüttichau. Laut Waldgesetz sind die Eigentümer verpflichtet, die kahlen Bereiche ab 0,2 Hektar Fläche innerhalb der nächsten drei Jahre aufzuforsten. Normalerweise finanziert man das mit Erlösen aus dem Holzverkauf. Aber das viele Sturm- und Borkenkäferholz führte zu einem gewaltigen Preisverfall. „Letztes Jahr im Herbst und Winter war es ein Verlustgeschäft“, erklärt Sven Mißbach. „Da konnte man eigentlich nur Brennholz machen.“ Großenhains Oberbürgermeister bewirtschaftet etliche Waldstücke in der Nähe der Röderstadt. Mittlerweile seien die Holzpreise zwar auf das Vierfache gestiegen, sagt der studierte Forstwirt. Aber bei den Waldbesitzern komme davon noch nichts an. Das liegt vor allem an der von der Sägeindustrie gewünschten Holzqualität. Die will für ihre Balken und Bretter keine Bäume, die länger im Wald gelegen haben, und schon gar keine, an denen der Borkenkäfer genagt hat. So entsteht die paradoxe Situation, dass zwar Holz im Überfluss vorhanden ist, aber eben nicht jenes, das beim Hausbau oder zum Dachdecken gebraucht wird.

Der Straucher Revierförster Gunther Schwarz hatte schon nach den Friederike-Sturmschäden an die Waldbesitzer appelliert, die Verkaufserlöse für die Aufforstung zurückzulegen. Will man größere Flächen wieder mit Bäumen bestücken, kann das ziemlich teuer werden. Zumindest, wenn aktiv neu gepflanzt werden soll. Dann beauftragt man eine Baumschule mit den Arbeiten oder kauft dort Setzlinge und übernimmt – sofern man über die nötige Technik verfügt – das Pflanzen selbst. Aber das ist für jemanden, der nur kleinere Parzellen besitzt, aus Kostengründen meist keine Option. „Bei Kiefern lässt sich die Sache mit den Holzerlösen vielleicht noch finanzieren“, erklärt Gunther Schwarz. Die Aufforstung mit Laubbäumen aber sei doppelt so teuer, weil dann noch ein Schutzzaun gegen den Wild-Verbiss gezogen werden muss. Deshalb setzen viele Waldbesitzer in der Region auf die so genannte Naturverjüngung. Sind die Kahlflächen nicht allzu groß, darf man darauf hoffen, dass die umstehenden Bäume von selbst Nachwuchs in die Erde bringen. Dazu genügt es meist, den Waldboden mit einem Streifenpflug aufzureißen.

Am Frauenhainer Wasserwerk spielen wirtschaftliche Erwägungen nur eine untergeordnete Rolle. Hier geht es vor allem um eine schonende Bewirtschaftung der Grundwasserressourcen. Deshalb ist das Waldstück des Trinkwasserverbandes ein ideales Terrain, um ein paar neue Aufforstungsideen auszuprobieren. Zum Beispiel, die Pflanzstreifen mit einem Minibagger statt mit sperriger Pflügetechnik anzulegen. Oder die Aufforstung mit Laubbäumen bis in die Randbereiche des Kiefernwaldes fortzuführen, damit man für den nächsten Sturm oder die nächste Käferplage gerüstet ist. Frank Schmidt hat erst im Frühjahr einen Borkenkäfer-Hotspot von etwa einem Hektar Größe fällen lassen. Aufgeforstet wird die Fläche mit sechs verschiedenen Baumarten: Traubeneiche, Roteiche, Spitzahorn und Douglasie als Pflanzung, Birke und Kiefer sollen sich selbst ansamen. „Wenn eine Baumart hier nicht klarkommt, dann tut es eine andere“, sagt Revierförster Schwarz. Die Wetterkapriolen der vergangenen Jahre hätten viele alte Dogmen in der Forstwirtschaft über den Haufen geworfen. Man befinde sich praktisch seit 2017 im Krisenmodus, was einerseits belastend, andererseits aber auch ungemein interessant sei.

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