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Großenhain: Wer bezahlt eigentlich für einen Fehlalarm?

Feuerwehrleute der Stadt rücken immer wieder umsonst aus, weil Brandmeldeanlagen ohne Grund ausgelöst werden.

Das neue GTLF 9000 der Feuerwehr Großenhain: Kommt es zum Einsatz, kostet das rund 200 Euro pro Stunde.
Das neue GTLF 9000 der Feuerwehr Großenhain: Kommt es zum Einsatz, kostet das rund 200 Euro pro Stunde. © Kristin Richter

Großenhain. Man ärgert sich schon genug, wenn man als Feuerwehrmann mitten in einem spannenden Fußballspiel aus dem Sessel gerissen und zum Einsatz gerufen wird. Erweist sich das Ganze dann noch als Fehlalarm, kommt dann auch schon mal ein Fluch über die Lippen. "Das war ja mal wieder 'ne Luftnummer", kommentierte jüngst ein Großenhainer Feuerwehrmann. Da waren die Einsatzkräfte binnen weniger Stunden sogar zweimal zum gleichen Ort gerufen worden - um sofort wieder in die Gerätehäuser zurückkehren zu können.

"Im Zeitraum Januar bis Juni 2021 wurde die Feuerwehr zu 18 Einsätzen aufgrund von Fehlalarmen durch automatische Brandmelder alarmiert", bestätigt Großenhains Rathaussprecherin Diana Schulze. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es im gesamten Jahr 77 Einsätze, sodass also jeder vierte Einsatz abgebrochen werden konnte - jedoch natürlich trotzdem Kosten verursachte. Die setzen sich insbesondere aus dem jeweiligen Personalbedarf, der beteiligten Technik und natürlich der Anfahrt zum vermeintlichen Einsatzort zusammen. Allein eine Stunde Einsatz des Großtanklöschfahrzeuges GTLF 9000 wird mit Kosten von reichlich 200 Euro beziffert.

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Diana Schulze: "Die Berechnung der Kosten für einen Fehlalarm erfolgt auf der Grundlage der Feuerwehrkostensatzung der Stadt Großenhain." Die Höhe der Kosten sei abhängig vom Einsatz der Kräfte und Mittel und von der Dauer des Einsatzes. "Pauschale Aussagen sind daher schwierig", erklärt die Sprecherin.

Doch bleibt das Rathaus nun auf den Unkosten sitzen? Paragraf 68 des Sächsischen Gesetzes über den Brand-, Rettungs- und Katastrophenschutz regelt das Szenario. Demzufolge "ist zum Ersatz der Kosten, die der Gemeinde durch den Einsatz der Feuerwehr entstehen, der Betreiber einer automatischen Brandmeldeanlage verpflichtet, wenn durch die Anlage ein Fehlalarm ausgelöst wird".

Gründe für Fehlalarm sind vielfältig

Warum Brandmeldeanlagen "von allein" auslösen, das ist selbstverständlich Sache der jeweiligen Einrichtungen, in denen sie installiert sind. Firmen im Gewerbegebiet in Lampertswalde zum Beispiel gehören regelmäßig zu Alarmauslösern, doch auch Krankenhäuser oder Pflegeeinrichtungen. In der Regel sei bei Eintreffen der Feuerwehr ein Verantwortlicher des jeweiligen Objektes vor Ort, so Diana Schulze. Durch die Einsatzkräfte der Feuerwehr werde den Verantwortlichen der Grund für das Auslösen der BMA mitgeteilt, falls dieser festgestellt werden konnte.

Die Gründe für das Auslösen von Fehlalarmen durch Brandmeldeanlagen können sehr vielfältig sein. Möglich sind beispielsweise technische Probleme, Bauarbeiten im Objekt, unsachgemäßes Verhalten von Bewohnern usw. "Es obliegt den Verantwortlichen der Objekte, entsprechende Maßnahmen zur Minimierung der Fehlalarme einzuleiten", erklärt die Rathaussprecherin. Da es sich für die Betreiber der Brandmeldeanlage um Kosten handelt, dürfte eine Reduzierung der Fehlalarme auch in deren Interesse liegen.

Im Juli übrigens kamen die Großenhainer Feuerwehrleute ohne Fehlalarm durch den Monat. Was nicht heißt, dass jede Alarmierung letztlich auch einen Brandeinsatz nach sich zog. So wurden Kräfte der Ortswehren Großenhain und Groß- und Kleinraschütz/ Wildenhain am 20. Juli zu einer Rauchentwicklung aus einem Keller auf die Thomas-Mann-Straße in Großenhain alarmiert. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte konnte dann aber kein Brand oder Rauch festgestellt werden.

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