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"Es gibt noch viele weiße Flecken in Großenhain"

In den Ortsteilen ist das vor drei Jahren begonnene Unterfangen Schnelles Internet jetzt erfolgreich beendet worden. Aber in der Stadt selbst hapert es.

Mit dem Buzzer ging's symbolisch ins Internet: OB Sven Mißbach (2.v.re.) mit einigen der vielen Gäste am Donnerstag in Skaup. Darunter auch Staatssekretärin Ines Fröhlich und Landrat Ralf Hänsel (3.v.li.).
Mit dem Buzzer ging's symbolisch ins Internet: OB Sven Mißbach (2.v.re.) mit einigen der vielen Gäste am Donnerstag in Skaup. Darunter auch Staatssekretärin Ines Fröhlich und Landrat Ralf Hänsel (3.v.li.). © Kristin Richter

Großenhain. Azurblauer Himmel und strahlender Sonnenschein über Skaup. Eine durchaus passende Kulisse für einen Donnerstagvormittag, auf den alle Beteiligten seit Jahren hingearbeitet haben. Immerhin: Seitdem im Oktober 2018 der erste offizielle Spatenstich für den Breitbandausbau im Ortsteil Bauda vollzogen wurde, gab es tatsächlich allerorten viel zu tun. Umso erfreulicher, dass die Röderstadt und die Sachsen-Energie AG mit zahlreichen geladenen Gästen - darunter auch Meißens Landrat Ralf Hänsel - nun den Abschluss der Arbeiten feiern konnte. In einem Gespräch mit der Sächsischen Zeitung machte Großenhains Oberbürgermeister Sven Mißbach (parteilos) jedoch keinen Hehl daraus, dass nach dem Ausbau vor der Erschließung ist.

Herr Mißbach, Sie haben tatsächlich die Freude, ganz offiziell verkünden zu dürfen, dass Großenhain fertig hat! Was bedeutet der Abschluss des Breitbandausbaus für die Ortsteile?

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Es gibt viele Anlässe, die man als Oberbürgermeister mit großer Freude und einem gewissen Stolz erleben darf: Die Einweihung eines neuen Kindergartens, die Übergabe einer sanierten Schule oder die Verkehrsfreigabe einer langersehnten Umgehungsstraße gehören zweifelsohne dazu. Der Abschluss des Breitbandausbaus in 17 der 19 Ortsteile, der nun bis auf wenige kleine Restleistungen nach fast drei Jahren abgeschlossen ist, reiht sich in diese Aufzählung mit einem Ausrufezeichen ein. Es bedeutet, dass ein enormer Kraftakt in der Verwaltung gemeinsam mit der Sachsen-Energie AG und den beteiligten bauausführenden Firmen geschafft wurde! Die digitale Infrastruktur kann die Zukunft unserer Dörfer sichern, weil dadurch Arbeitsplätze erhalten oder neue geschaffen werden und das Wohnen auf dem Land wieder an Attraktivität gewinnt.

Wie viele Haushalte und Unternehmen haben seit dem Beginn der Arbeiten im Oktober 2018 Glasfaseranschlüsse erhalten?

Insgesamt 2.586 Haushalte und circa 377 Unternehmen haben einen Breitbandanschluss bis an das Gebäude bekommen.

Bei aller berechtigten Freude gab es doch sicherlich aber auch die eine oder andere Hürde, mit welcher man während der Bauzeit zu kämpfen hatte?

Tatsächlich stellten die Koordination der verschiedenen Bauunternehmen und die erforderlichen Straßensperrungen im ländlichen Raum der Stadt hohe Anforderungen an Absprachen und Bauüberwachung. Mein Dank gilt daher den Ortschaftsräten und vor allem den Einwohnerinnen und Einwohnern in den Ortsteilen. Dass ein solches Mammut-Vorhaben mit zum Teil erheblichen Einschränkungen einhergeht, ist bei aller noch so guten Planung sicherlich unbestritten. Umso wichtiger waren deshalb die Unterstützung und das Verständnis vor Ort, die viel zur planmäßigen Umsetzung beigetragen haben.

Nun ist es jedoch vollbracht und Großenhain erfüllt damit Voraussetzungen, die nicht zuletzt für die Ansiedlung von Geschäften in der Innenstadt oder einem großen Unternehmen auf dem Flugplatz-Areal von Bedeutung sein werden. Aber der Joker Schnelles Internet wird es nicht allein reißen können, oder?

Das Internet ist aus unserem modernen Leben nicht mehr wegzudenken, und nicht erst die Pandemie hat uns gezeigt, wie unverzichtbar leistungsfähige Internetanschlüsse sind. Unternehmen sind heute mehr denn je auf schnelle Breitbandverbindungen angewiesen, und auch im Alltag, und nicht erst mit der Corona-Pandemie, wächst der Bedarf nach digitaler Unterhaltung und Angeboten und Dienstleistungen aus dem Internet. Die Digitalisierung bietet vor allem für den ländlichen Raum ein großes Potenzial. Ich gehe außerdem davon aus, dass die Leistungsfähigkeit des Breitbandanschlusses schon bald eine ähnlich große Rolle bei Ansiedlungsentscheidungen spielen wird, wie beispielsweise jetzt schon die Höhe der Grund- und Gewerbesteuer, das Fachkräftepotenzial oder die vorhandenen Verkehrsanbindungen.

In Großenhain selbst und den beiden Ortsteilen Colmnitz und Görzig fließt die Zukunft allerdings noch nicht durch die Leitungen. Wann können die Einwohner der betreffenden Regionen dort mit schnellem Internet rechnen?

Das stimmt! In Großenhain selbst und den beiden von Ihnen genannten Ortsteilen besteht tatsächlich noch Nachholebedarf beim sogenannten Glasfaseranschluss! Deshalb planen wir in den kommenden Jahren den weiteren digitalen Ausbau. Aktuell gibt es im Stadtgebiet 358 Privatadressen mit einer Internetanbindung von unter 30 Mbit und 76 gewerbliche Adressen, bei denen eine Anbindung von über 30 Mbit ermittelt wurde. Diese Adressen werden als „weiße Flecken“ bezeichnet. Das bedeutet praktisch, es gibt zwar einen Internetanschluss, aber schnelles Internet ist nicht verfügbar und wird in naher Zukunft durch Telekommunikationsunternehmen auch nicht bereitgestellt. Insgesamt sind 434 Adressen, darunter auch der Ortsteil Görzig, in dieser Kategorie erfasst. Gemeinsam mit dem Landkreis Meißen setzen wir uns deshalb für einen raschen Ausbau des schnellen Internets zugunsten dieser Adressen ein.

Wirtschaftsexperten befürchten, der Wahlausgang in Sachsen könne Auswirkungen auf die Ansiedlungsfreude im Freistaat haben. Teilen Sie diese Ängste?

Investoren beziehen in ihre Entscheidungen sehr viele Kriterien ein. Ich erwarte aber, dass Wahlergebnisse, wie das vom Sonntag, vor allem ausländische Investoren langfristig dazu bewegen werden, sich gegen den Wirtschaftsstandort Sachsen zu entscheiden. Der Wahlausgang kann damit direkte negative Auswirkungen auf Ansiedlungsprojekte haben, auf den Zuzug von qualifizierten Fachkräften, den wir aufgrund der demografischen Situation in Ostdeutschland benötigen, und natürlich auf das internationale Image des Freistaates Sachsen. Wie konkret die Folgen sein werden, können wir aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vorhersagen.

Herr Mißbach, zum Schluss noch eine persönliche Frage: Wofür brauchen Sie selbst das schnelle Internet? Computerspiele, Einkäufe für die Kinder per Mausklick oder doch eher Recherche zwischen Wald und Kommunalforen?

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Sandro Bockel war in Großenhain projektbefristet für den Glasfaserausbau tätig. Nun beginnt er damit in der Gemeindeverwaltung.

Ich selbst nutze das Internet vor allem dienstlich, etwa für Videokonferenzen, die lange Fahrzeiten überflüssig machen und dennoch einen Austausch ermöglichen. Für meine Einkäufe gehe ich in die Innenstadt. Nur Produkte, die in Großenhain schwer oder gar nicht zu bekommen sind, bestelle ich hin und wieder im Internet. Den Ausgleich zum Büroalltag suche ich persönlich aber eher in der Natur, statt im stundenlangen Sitzen und Spielen vor dem heimischen Computer.

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