merken
PLUS Großenhain

Frühstücken unter der Himmelsscheibe

Die Kunstkurs-Teilnehmer des Beruflichen Gymnasiums haben in ihrem Pausenraum ein ungewöhnliches Ferienprojekt verwirklicht.

Tina Hennig hat allen Grund zum Strahlen: Der Kunstkurs der Klassenstufe 13 gestaltet in den Ferien den Aufenthaltsraum im Keller des Beruflichen Gymnasiums Großenhain.
Tina Hennig hat allen Grund zum Strahlen: Der Kunstkurs der Klassenstufe 13 gestaltet in den Ferien den Aufenthaltsraum im Keller des Beruflichen Gymnasiums Großenhain. © Kristin Richter

Großenhain. Melanie hat eine Motte an die Wand gemalt. „Das kann man als Symbol nehmen für die Suche nach dem Licht“, sagt sie. Außerdem stehe so ein Insekt für die Liebe zur Natur, ebenso wie die Blattranken daneben. Die Anregung für ihr kleines Kunstwerk stamme aus einem Videospiel, erzählt die Abiturientin. 

Auch Emmas Wandmalerei entstand zunächst in der Phantasie – Sonne, Mond und Sterne ähneln ein wenig der berühmten Himmelsscheibe von Nebra. Andere Motive, die den Aufenthaltsraum des Berufsschulgebäudes in der Heinrich-Heine-Straße zieren, sind von Comics oder Mangas inspiriert. 

Anzeige
Pflegestudium: Bachelor & Berufsabschluss
Pflegestudium: Bachelor & Berufsabschluss

Studium und Pflegepraxis vereinen? Bewerben Sie sich bis zum 1. April 2021 an der ehs Dresden für den Bachelor-Studiengang Pflege!

Ein Monster, das aus einer Louis-Vuitton-Tasche herausguckt, ein Alien-Lehrer, eine Horrormaske. Aber selbst letztere sieht einigermaßen freundlich aus – wie es sich für ein Pausenzimmer gehört.

Etwa 20 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 13 haben sich an dem Ferienprojekt unter Leitung des Großenhainer Künstlers Sebastian Bieler beteiligt. In viertägiger Arbeit ist ein Band von Motiven entstanden, das sich um alle vier Wände des Aufenthaltsraums im Keller herumzieht. „Die Idee war das Pendant zu einer ‚sticker bomb‘“, erklärt Bieler. 

Innerhalb der letzten vier Tage entstanden kleine und große Kunstwerke: Melanie Jacob ist noch dabei, die vorgezeichneten Motive auszumalen.
Innerhalb der letzten vier Tage entstanden kleine und große Kunstwerke: Melanie Jacob ist noch dabei, die vorgezeichneten Motive auszumalen. © Kristin Richter

Ein Gesamtbild wie das eines bunt beklebten Koffers oder Kühlschranks – nur eben mit Wandmalereien. Da können die unterschiedlichsten Schöpfungen nebeneinanderstehen – allein die Phantasie zählt. 

Die beteiligten Schüler haben die Entwürfe komplett allein gemacht. „Wir hätten auch ein Landschaftsbild mit dem Projektor an die Wand werfen können, und dann die ganze Gruppe an einem Motiv arbeiten lassen“, sagt der Künstler. Aber wenn jeder seine eigene Idee umsetze, mache die Sache viel mehr Spaß.

Gemalt wurde mit Silikatfarben, die auf der Wand praktisch mineralisieren und eine beständige Oberfläche abgeben. Die Bilder beginnen erst in einem Meter Höhe, um der Feuchtigkeit im Keller des Bruchsteingebäudes zu entgehen. Außerdem sind sie so auch über die Möblierung hinweg komplett zu sehen. „Das Auge soll nie zur Ruhe kommen“, erklärt Sebastian Bieler. Andererseits wurde mit warmen Pastelltönen gemalt, so dass das Ganze nicht aufdringlich wirkt.

Emma Preuß, der Großenhainer Künstler Sebastian Bieler und Susan Loogk haben die Bilder selbst entworfen.
Emma Preuß, der Großenhainer Künstler Sebastian Bieler und Susan Loogk haben die Bilder selbst entworfen. © Kristin Richter

„Es passt farblich alles sehr gut zueinander“, freut sich Kunsterzieherin Barbara Patzig. „Tische, Stühle und Wände – das wirkt richtig sommerlich.“ Sie plane schon seit Jahren Projekte mit dem Großenhainer Künstler, aber bisher sei leider immer etwas dazwischengekommen.

 Da Sebastian Bieler vor allem mit Graffiti bekannt geworden ist, gibt es gelegentlich Befürchtungen, dass seine Werke auch illegale Sprayer anziehen, die dann in der Umgebung ihre eigene Handschrift hinterlassen. „Wir haben dieses Jahr generell viel mit dem Pinsel gearbeitet“, erklärt der Großenhainer. „Ich hätte gar nicht gedacht, dass das den jungen Leuten soviel Spaß macht.“

Im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern ist Sebastian Bieler bisher ganz gut durch die Corona-Zeit gekommen. „Klar, mir fehlen auch zehn Arbeitswochen, und das mitten in der Saison“, sagt er. Da er hauptberuflich als GTA-Lehrer für verschiedene Schulen arbeitete, brach sein Tätigkeitsfeld durch das Homeschooling komplett weg. Andererseits habe er großes Glück gehabt, dass der Arbeitsschutz beim Graffiti-Sprühen in etwa den Corona-Schutzbestimmungen entspricht.

Weiterführende Artikel

Wo sich Jugend für Kupferstiche begeistert

Wo sich Jugend für Kupferstiche begeistert

In Blochwitz gestalteten Kinder den Gesellschaftsraum neu. Jetzt mischen sich Dorfansichten mit Ufos und Vogelscheuchen.

 Schutzmaske und Handschuhe sind Pflicht. Also einigte er sich mit den Schulen auf Wochenprojekte. In Moritzburg zum Beispiel habe er mit sämtlichen Klassen Graffitikunst gemacht. Im Großenhainer Gymnasium hat Bieler mit Schülern das Kunstzimmer gestaltet, in der Schönfelder Oberschule ein Nebengebäude angemalt. Und da ist auch das Tunnelprojekt an der Berliner Straße. Gemeinsam mit mobiler Jugendarbeit und dem Rollladen-Verein organisierte Bieler hier in den großen Ferien eine umfangreiche Sprayer- und Wandmaler-Aktion. 

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Großenhain