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Funkmast in Wildenhain ist nicht gewollt

Anwohner machen erneut gegen das Bauwerk mobil. Der OB kündigt Gespräche mit dem Bauherrn an. Die Gretchenfrage dreht sich um das Grundstück.

Der Widerstand der Wildenhainer gegen den geplanten Funkmast ist groß. Anfang August kamen sie sehr zahlreich zu einer Informationsveranstaltung.
Der Widerstand der Wildenhainer gegen den geplanten Funkmast ist groß. Anfang August kamen sie sehr zahlreich zu einer Informationsveranstaltung. © Anne Hübschmann

Wildenhain. Wird auf Wildenhainer Flur ein rund 40 Meter hoher Funkmast der Deutschen Funkturm GmbH gebaut? Und wenn ja: An welchem Standort wird er entstehen? Welche Vorteile, aber auch welche Risiken birgt ein solcher Turm?

Die Einwohner machen seit einigen Wochen energisch mobil gegen das Vorhaben. Eine Bürgerinitiative rief zum Protest vor Ort auf. Der vorrangige Einwand: Der geplante Standort liege zu nahe an der Wohnbebauung. Die Wohnqualität werde beeinträchtigt, der Wert ihrer Grundstücke herabgesetzt. Auch gesundheitliche Bedenken werden hervorgebracht. Die neue 5G-Technik sei gefährlich, sagt zum Beispiel Dirk Häslich. Das habe selbst die Weltgesundheitsorganisation festgestellt. "Ich habe nichts gegen neue Technik, solange sie nicht für Mensch, Tier und Natur gefährlich ist", so Häslich bei der jüngsten Ortschaftsratssitzung.

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Dort sollte das Thema nochmals behandelt werden. Die Wildenhainer hatten Oberbürgermeister Sven Mißbach eingeladen, wollten mehr über den neuesten Stand der Dinge erfahren. Mißbach hatte mehrere gute, aber auch eine eher verwunderliche Nachricht im Gepäck. Die Stadtverwaltung habe in ihrer Stellungnahme "das Einvernehmen gegenüber dem Landkreis nicht erteilt", so Mißbach. Und: Über den Bundestagsabgeordneten Thomas de Maizière sei Kontakt in die Chefetagen der Deutschen Funkturm vermittelt worden. "Wir haben Fehler gemacht", bekennt der Rathauschef wie schon Anfang August. Die Anspannung und der Wille zum Entgegenkommen ist ihm anzumerken. Längst sei die Suche nach einem Alternativstandort für den Funkturm am Laufen. Favorisiert wird derzeit offenbar ein Platz rund 600 Meter südwestlich entfernt vom ursprünglichen Standort.

Doch die Gretchenfrage ist, ob es zum derzeit geplanten Bauplatz einen Vertrag zwischen dem Grundstückseigentümer in Wildenhain und der Deutschen Funkturm gibt. "Wir wissen es zurzeit nicht", sagt der Oberbürgermeister. Zwar habe man mit dem Landeigentümer gesprochen, der jetzige Status sei aber unklar. Bei Burkhard Müller sorgt das für Unverständnis. "Dazu hatten wir heute eigentlich Klarheit erwartet", sagte der Anrainer und Vorgänger im OB-Amt in der Debatte bei der Ortschaftsratssitzung. Gleichzeitig habe er durchaus Befürchtungen, dass nicht nur ein Funkturm gebaut wird, sondern irgendwann "nebenbei" auch Windräder aufgestellt werden. OB Mißbach dazu: Im Regionalplan sei so etwas "derzeit nicht enthalten".

Stadtverwaltung und Ortschaftsrat haben mittlerweile ihre ursprüngliche Zustimmung zum jetzigen Standort aus dem Jahr 2018 zurückgezogen. Letztlich liegt die Entscheidung bei der Genehmigungsbehörde - dem Landratsamt Meißen. Doch selbst wenn dort eine Ablehnung erfolgt, hätte die Deutsche Funkturm die Möglichkeit des Einspruchs. Deren Sprecher Benedikt Albrecht hatte vor wenigen Tagen auf SZ-Anfrage klargemacht: "Im Fall einer möglichen Ablehnung durch das Landratsamt halten wir uns die Option des Widerspruchs offen - unter Berücksichtigung der Begründung dieser potenziellen Ablehnung. Für uns ist das gültige Baurecht maßgeblich. Wenn einige Gegner des Mobilfunkausbaus den Mast nicht wollen, reicht das nicht für eine Ablehnung nach geltendem Recht."

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Am 25. September werden nun die Deutsche Funkturm GmbH und die Großenhainer Stadtverwaltung am Tisch sitzen und nach einer Lösung suchen. Auch der Ortschaftsrat wird dabei sein. Bis dahin wollen die Wildenhainer Klarheit über die beschriebene Grundstücksfrage haben. "Wenn das Grundstück nicht zur Verfügung steht, wäre ja etwas geklärt", so Burkhard Müller. Ob es in diesem Falle eine Debatte über den Alternativstandort gibt, bleibt offen.

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