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"Geschäfte und Kultur bereiten mir Sorge"

Großenhains OB Sven Mißbach ergeht es in diesen vorweihnachtlichen Tagen nicht anders als den übrigen Einwohnern. Und freut sich dennoch aufs Fest.

Oberbürgermeister Sven Mißbach steht zu Großenhain und zur Maske. Gerade in diesen angespannten Tagen bittet er die Röderstädter, es ihm auch gleich zu tun.
Oberbürgermeister Sven Mißbach steht zu Großenhain und zur Maske. Gerade in diesen angespannten Tagen bittet er die Röderstädter, es ihm auch gleich zu tun. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. Mit Kaffee, Plätzchen und Lebkuchen schaut es düster aus. Was im vergangenen Jahr für eine angenehme Gesprächsatmosphäre sorgte, ist dieser Tage nicht möglich. „Da muss ich leider aufs nächste Jahr vertrösten“, sagt Sven Mißbach und lacht durchs Telefon. Wie Großenhains Oberbürgermeister betont, sei Humor überhaupt einer der wichtigen Faktoren, um diese ungewöhnliche Adventszeit zu überstehen. Humor und einen klaren Blick. Auf was und welche Dinge ihn sonst noch so bewegen, verriet der Verwaltungschef im traditionellen Jahresendgespräch.

Herr Mißbach, sind Sie in Weihnachtsstimmung?

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Es kommt ganz darauf an! Wenn ich ehrlich bin, nicht so ganz durch und durch oder wie in anderen Jahren. Aber das geht wahrscheinlich den meisten Menschen gerade so. Man ist geneigt, immer in sich hinein zu horchen und vor seinem geistigen Auge abzugleichen, welche adventlichen Erlebnisse es sonst schon um diese Zeit gegeben hat und muss wohl oder übel feststellen, so viele gab es aufgrund der aktuellen Situation eben ganz und gar nicht. Aber das heißt nicht, dass man es sich nicht trotzdem weihnachtlich machen kann.

Und das bedeutet in Ihrem Fall?

Nun, auch wenn natürlich das weihnachtliche Flair in der Stadt ohne Weihnachtsmarkt leider etwas fehlt, haben wir natürlich das Haus geschmückt, sitzen lichtelnd zusammen, und es ist eine Freude, mit anzusehen, wie mein kleiner Sohn jeden Tag aufs Neue darauf wartet, dass pünktlich um 16.30 Uhr der Weihnachtsstern zu leuchten beginnt. Auch wenn es bis jetzt nicht ganz winterlich geworden ist und der Schnee noch fehlt, sind wir oft in der Natur unterwegs. Wir machen Holz für das neue Jahr und lesen natürlich zusammen Weihnachtsgeschichten.

In zwei Tagen ist Heiligabend. Hand aufs Herz: Hat der Oberbürgermeister schon alle Weihnachtsgeschenke?

Er hat! Und soll ich Ihnen etwas verraten? Ohne zu wissen, dass es in diesem Jahr bissel eng werden könnte, habe ich schon sehr früh damit begonnen, alles zu besorgen. Am dritten Adventssamstag bin ich dann noch einmal losgegangen und habe den Rest besorgt. Einer der Vorteile in Großenhain, wie ich persönlich finde. Es gibt eine breite Auswahl im unterschiedlichen Sortiment, und die Händler sind stets alle bemüht und freundlich. Auch an dem bewussten Sonnabend war das so, und ich habe die Gelegenheit genutzt, noch mal mit dem einen oder anderen zu reden. Viele von ihnen machen sich Gedanken, wie es im kommenden Jahr weitergehen wird. Und ganz ehrlich, das kann ich verstehen. Mir geht es nicht anders.

Wie bewerten Sie denn die Situation von Händlern, Gastronomen und Kulturschaffenden in der Stadt?

Ich mache mir Sorgen und kann durchaus nachvollziehen, wenn dem einen oder anderen gar nicht weihnachtlich zumute ist, weil er sich stattdessen in schlaflosen Nächten Sorgen um seine wirtschaftliche Existenz macht. Es wird nicht jeder Betreiber einer Gaststätte oder Inhaber eines Ladens über die notwendigen finanziellen Rücklagen verfügen. Ich hoffe, dass die Krise, von der man ja ehrlicherweise gar nicht weiß, wie lange sie wirklich anhalten wird, tatsächlich alle überstehen. Es wäre ein großer und schmerzlicher Verlust für Großenhain, würden noch mehr Läden in der Innenstadt schließen.

Das Kulturschloss hat in gewisser Weise auch seit Monaten geschlossen und sein Programm wie alle anderen Einrichtungen dieser Art auf Eis legen müssen. Wie wird das sonst so beliebte Haus übers finanzielle Wasser gehalten?

Wir versuchen, was wir können! In erster Linie bedeutet das, die dort beschäftigten Mitarbeiter um den sehr engagierten Geschäftsführer Jörg Rietdorf nicht im Regen stehen zu lassen. Sie erleben gerade eine lange Durststrecke, die aus meiner Sicht nicht vor April, Mai beendet sein wird. Alle Veranstaltungen sind wie überall langfristig abgesagt. Auch der Neujahrsempfang im Januar und der Tag des Ehrenamtes, die möglicherweise eingebettet werden in ein Stadtfest im Sommer. Doch wir wissen all dies nicht mit Bestimmtheit! Wir können lediglich versuchen, alles über die Zahlung von Kurzarbeitergeld abzufedern. Aber da der Einnahmenausfall für die Kulturzentrums GmbH auf unbestimmte Zeit völlig ungewiss ist, mache ich mir eingedenk der Veranstaltungsplanung 2021 und des Restaurants Sorgen. Ein Gutschein fürs Kulturschloss statt der eingesparten Silvesterknaller wäre sicher ein Gewinn für beide Seiten.

Gibt es auch Grund dazu für die städtische Entwicklung an sich? Gerade erst in der letzten Ratssitzung wurde das Leitbild für die kommenden zehn Jahre beschlossen. Muss die Umsetzung jetzt mit enger geschnalltem Gürtel erfolgen?

Natürlich hat die Lage auch Auswirkungen auf uns als Stadt! Die Zahlung von Kurzarbeitergeld schlägt durch, wir werden es an der Einkommenssteuer merken und an der Zahlung geringerer Schlüsselzuweisungen. Im Frühjahr versuchten Bund und Land, den ersten Lockdown finanziell abzufangen. Das ist jetzt in dieser Weise gar nicht mehr möglich. Wir rechnen damit, 2,5 Millionen Euro weniger zur Verfügung zu haben. Deshalb bereiten wir einen Nachtragshaushalt vor, und die Stadträte werden sich mit uns gemeinsam darüber Gedanken machen müssen, welche Investitionen, welche der zahlreich geplanten Projekte, 2021 wirklich umgesetzt werden sollen.

Müssen sich die Großenhainer nach der zwangsläufigen Veranstaltungsflaute nun auch auf einen Stillstand im Bereich der Investitionen einstellen? Auch das wäre ja für die Röderstadt eher ungewohnt.

Nein, das wollte ich damit nicht sagen! Abgesehen davon, dass wir im Bereich Digitalisierung, dem Bau des Kindergartens Chladeniusstraße und vielem anderen mehr genug zu tun haben. Aber wir müssen aufgrund der geringeren Einnahmen damit rechnen, dass sicherlich nicht alles gehen wird. Die Pandemie wird sich finanziell auch auf die Kassen der Städte und Gemeinden auswirken, keine Frage!

Wir sind für heute bei der letzten Frage angekommen: Herr Mißbach, was wünschen Sie den Großenhainern zum Fest und für das bevorstehende neue Jahr?

Ich wünsche uns allen Gesundheit, ganz gleich nun, ob für den 24. Dezember oder einen Tag im Frühling. Gerade in den vergangenen Monaten sollten wir alle einmal mehr gespürt haben, dass sie wirklich unser höchstes Gut ist. Ohne sie geht gar nichts! Und ich wünsche uns Stunden voller Besinnlichkeit und Freude. Momente, in denen wir uns bewusst machen, was trotzdem noch alles möglich ist, was wir dennoch alles haben. Kraft zu finden für ein neues Jahr, das uns hoffentlich aus der Krise führen wird. Frohe Weihnachten!

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