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Gesellenstücke für die Ewigkeit

Der Großenhainer Metallbauer Timmy Held hat seinen Azubis sehr spezielle Aufgaben gegeben. Er hofft auf Gehör in der Innung. Kritik geht an die Politik.

Felix Schwabl, Khodadad Mohammadi und Paul Pfitzner (v.r.) vor ihren Gesellenstücken in der Firma Metallbau Timmy Held in Großenhain. Es sind sehr individuelle Exponate entstanden, die schon bald die Region bereichern werden.
Felix Schwabl, Khodadad Mohammadi und Paul Pfitzner (v.r.) vor ihren Gesellenstücken in der Firma Metallbau Timmy Held in Großenhain. Es sind sehr individuelle Exponate entstanden, die schon bald die Region bereichern werden. © Norbert Millauer

Großenhain. Da stehen sie fast ein wenig verschämt in der Halle der Metallbaufirma von Timmy Held am Großenhainer Stadtrand. Felix Schwabl, Khodadad Mohammadi und Paul Pfitzner haben es fast geschafft. In ein paar Wochen schließt das Trio seine Ausbildung ab. Ein Meilenstein für die drei jungen Männer.

Doch vor das Zertifikat hat der Gesetzgeber schweißtreibende Aufgaben gestellt. Und Firmenchef Timmy Held hatte für die zu fertigenden Gesellenstücke eine besondere Idee. Normalerweise müssen die Lehrlinge wie ihre Mitstreiter aus anderen Unternehmen ein gleichartiges Stück bauen. "Doch da können sie eigentlich nicht richtig zeigen, was sie gelernt haben", so Timmy Held. Deshalb verteilte er "Zusatzaufgaben" an die drei Lehrlinge. "Jeder durfte ein eigenes Gesellenstück bauen", so Held. Und weil der Meister eine sehr enge Verbindung zur Region hat, suchte er ganz besondere Projekte heraus, "um auch ehrenamtliche Geschichten damit zu verbinden", wie er sagt.

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Da war zum Beispiel ein alter Mühlstein, der in der Kirche von Koselitz gefunden wurde. Wahrscheinlich um 1500 geschaffen, hat ihn Paul Pfitzner jetzt mit handwerklichem Geschick und Metall in eine ansehnliche Spendenbox mit einer Ablagemöglichkeit für Flyer umgearbeitet. Felix Schwabl baute einen stählernen Baumschutz für den sogenannten Jahrhundertbaum von Treugeböhla. Fünf Tage benötigte er dafür. "Die größte Herausforderung war, dass ich vorher eine Zeichnung machen musste", gesteht er schmunzeln. Gleich neben dem Baum wiederum wird schon bald eine schicke Bank zum Verweilen einladen, geschaffen von Khodadad Mohammadi.

"Es sind sehr schöne Gesellenstücke rausgekommen", befindet Timmy Held. Jedes habe seinen eigenen Anspruch. Genau diese Individualität ist es, die den erfahrenen Metallbauer bewogen hat, die Ausbildung auf diese Art zu ergänzen. Zwar fließt das Ergebnis der Bewertung nicht unmittelbar in die Prüfung ein. Doch für Timmy Held haben die Gesellenstücke dennoch einen großen Wert. Denn die Auszubildenden haben damit einen zusätzlichen Anreiz geschaffen, sich zu verwirklichen, indem sie eben zum Beispiel eine eigene Zeichnung des Exponats erstellen mussten. Das, so Timmy Held, habe auch die Prüfungskommission, die die Stücke abgenommen hat, so befunden. Vielleicht, so Helds Hoffnung, hat diese Art und Weise der Entstehung von Gesellenstücken künftig eine Chance in der Innung.

Felix Schwabl, Khodadad Mohammadi und Paul Pfitzner werden jetzt nach dreieinhalbjähriger Ausbildung bei Metallbau Held vom Unternehmen übernommen. "Das war von Anfang an so geplant", sagt der Firmenchef. Im September kommt ein neuer Auszubildender. Seine Lehrjahre werden anders aussehen als die seiner Vorgänger. Er kann nur noch die Grundstufe Metallbautechnik, also das 1. Ausbildungsjahr, im Berufsschulzentrum in Riesa absolvieren. Danach muss er für den schulischen Teil nach Bautzen fahren. Zwar hatte sich die Innung für den Erhalt der Ausbildung an den bisherigen Standorten Riesa oder Dresden ausgesprochen. "Doch das Ministerium hat sich für Bautzen entschieden", bedauert Timmy Held. "Das hat mit Stärkung des ländlichen Raumes nichts zu tun und geht am Handwerk vorbei", fügt er hinzu. Die Kritik geht an die Politik. Sie habe in der Debatte die eingeschränkten Einspruchsmöglichkeiten durch Corona ausgenutzt und "gegen alle Instanzen entschieden".

Ob das potenzielle junge Metallbauer künftig abschreckt, eine Ausbildung aufzunehmen, muss nun abgewartet werden. Timmy Held ist auf jeden Fall überzeugt: "Es ist ein schöner, vielfältiger Beruf. Wer das wirklich will, der macht das auch."

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