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"Getötet, wie es Gott befohlen hat"

Nach zwölf Jahren wird am Landgericht ein schweres Verbrechen verhandelt. Der Täter kann wohl nicht bestraft werden.

Mit einem Spürhund sucht eine Polizistin im Februar 2009 nach dem Opfer in dem abgebrannten Haus in Walda.
Mit einem Spürhund sucht eine Polizistin im Februar 2009 nach dem Opfer in dem abgebrannten Haus in Walda. © Archivfoto: Klaus-Dieter Brühl

Dresden/Großenhain. Dieses Verfahren ist keine Zierde für die sächsische Justiz. Fast auf den Tag genau nach zwölf Jahren geht es um ein schweres Verbrechen, das am 9. Februar 2009 in Walda nahe Großenhain begangen wurde. Ein damals 26-jähriger Radebeuler soll einen 49-jährigen Mann in dessen Haus schwerst misshandelt und getötet und später das Haus angezündet haben.

Aller Voraussicht nach kann der mutmaßliche Täter dafür aber nicht verurteilt werden. Laut Staatsanwalt Andreas Ball litt der Mann damals unter einer schweren psychischen Krankheit, unter einer paranoiden Schizophrenie. Die Betroffenen haben Wahnvorstellungen und Halluzinationen. Der Angeklagte sei wegen seiner Erkrankung nicht in der Lage gewesen, das Unrecht seiner Tat einzusehen, sei schuldunfähig, so der Staatsanwalt. Das hieße, er kann nicht wegen Totschlags, besonders schwerer Brandstiftung und Diebstahls verurteilt werden.

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Die Frage, welche das Schwurgericht in der auf drei Tage angesetzten Verhandlung klären muss, ist, ob der heute 38-jährige Deutsche dauerhaft in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden muss.

Zwölf Jahre nach der Tat sitzt seit Freitag ein Radebeuler vor dem Dresdner Landgericht. Doch kann er auch verurteilt werden?
Zwölf Jahre nach der Tat sitzt seit Freitag ein Radebeuler vor dem Dresdner Landgericht. Doch kann er auch verurteilt werden? © Peter Schulze

Brand, um Verbrechen zu vertuschen

Im Vortrag des Staatsanwaltes kommen grausame Details der Tat zum Vorschein. So sei der Mann an jenem Tag zu seinem späteren Opfer, das er aus dem Kinderheim kannte, gefahren, weil er meinte, dieser sei pädophil veranlagt. „Gott habe ihn beauftragt, ihn zu verkloppen“, so der Staatsanwalt.

Das macht der Mann gründlich. Er habe ihn nach seiner Auffassung „gottgewollt bestraft“, indem er ihn mit voller Wucht mit Fäusten und Tritten malträtierte. Auch als dieser stark blutete, habe er nicht aufgehört. Er ließ erst von ihm ab, als er glaubte, sein Opfer sei tot. Der Geschädigte stirbt wenig später an seinen schwersten Verletzungen wie zum Beispiel einem Schädelbasisbruch, anderen Brüchen am Kopf und Rippenbrüchen.

Einen Tag später sei der Beschuldigte nach Dresden an eine Tankstelle gefahren, habe dort drei Fünf-Liter-Benzinkanister gekauft und diese mit Benzin gefüllt. Mit den Kanistern im Rucksack sei er dann ins Haus des inzwischen Toten gefahren. Dort habe er die Benzinkanister abgestellt. Gleichzeitig habe er Gegenstände seines Opfers wie einen Laptop, ein Handy, zwei Gitarren und Geld in unbekannter Höhe gestohlen.

Zwei weitere Tage später kehrt er erneut in das Haus zurück. Er habe das Benzin verschüttet und das Haus „wie von Gott befohlen“ in Brand gesetzt. Dabei verletzte er sich selbst im Gesicht. Der Mann den Brand gelegt, um ein Verbrechen zu vertuschen, so der Staatsanwalt.

Danach fuhr der Mann um 4.05 Uhr seelenruhig mit dem Zug vom Bahnhof Großenhain aus nach Hause.

Gutachter haben das Wort

Der mutmaßliche Täter saß schon mehrere Jahre in der geschlossenen Psychiatrie, nachdem er elf Monate nach den jetzt zur Debatte stehenden Taten drei Zugbegleiter in der S-Bahn mit einem Holztischbein angegriffen und schwer verletzt hatte. Vor zwei Jahren wurde er aus der Psychiatrie entlassen, nachdem ihm ein Gutachter bescheinigt hatte, dass er jetzt nicht mehr gefährlich sei. Seitdem lebt er in Freital im betreuten Wohnen.

Verteidiger Daniel Sittner hatte gleich zu Verhandlungsbeginn beantragt, die Öffentlichkeit auszuschließen. Ziel der Verhandlung sei die Unterbringung in der Psychiatrie. Dabei ginge es vor allem um die Erkrankung seines Mandanten. Dessen persönliche Interessen würden gegenüber dem öffentlichen Interesse überwiegen, argumentierte er.

Die 1. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Herbert Pröls kam diesem Antrag nur teilweise nach. Zur Verlesung der Antragsschrift und bei der Urteilsverkündung darf die Öffentlichkeit dabei sein. Ansonsten ginge es vor allem um die Erkrankung des Mannes. Eine öffentliche Erörterung könne dessen Gesundheit schaden, so die Begründung.

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Nach Lage der Dinge kann der Radebeuler also nicht verurteilt werden, weil er zur Tatzeit krank und damit schuldunfähig war. Bleibt die Frage nach der Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie. Doch auch diese scheint fraglich, immerhin gilt der Mann zumindest als teilweise geheilt und als nicht mehr gefährlich.

Nun haben erst einmal die Gutachter das Wort, ehe das Schwurgericht eine Entscheidung trifft. Diese wird es voraussichtlich am 19. März geben.

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