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Strogaer Bauunternehmen rüstet auf

Bei Grafes geht der geplante Generationswechsel voran. Mit Investitionen soll die schwere Arbeit für die Mitarbeiter erleichtert werden.

Clemens Grafe auf der Baustelle eines Einfamilienhauses in Merschwitz. Der Juniorchef des Bauunternehmens Grafe aus Stroga hat viele Pläne.
Clemens Grafe auf der Baustelle eines Einfamilienhauses in Merschwitz. Der Juniorchef des Bauunternehmens Grafe aus Stroga hat viele Pläne. © Kristin Richter

Großenhain/Stroga. Auf der Baustelle in Merschwitz zieht schnell Zufriedenheit bei Clemens Grafe ein. Hier errichtet das Bauunternehmen Grafe Bau ein Einfamilienhaus und betritt zumindest teilweise Neuland. "Wir nutzen hier zum ersten Mal ein neues Schalungssystem. Das lässt sich schlicht montieren. Die Platten können nicht weggedrückt werden. Das Ganze ist innerhalb eines halben Tages montiert", erklärt Clemens Grafe. Vier starke Männer hat das Unternehmen zu dieser Baustelle geschickt, denn die zu legenden Bewehrungsmatten haben mit über 70 Kilogramm ihr Gewicht.

Merschwitz ist eine von mehreren Baustellen des Unternehmens, das seinen Sitz in Stroga hat. Im Sommer begeht das Unternehmen sein 31-jähriges Bestehen und hat vor knapp einem halben Jahr den Generationswechsel eingeleitet. Vater Manfred Grafe, inzwischen 69, übergibt an Sohn Clemens. "Im Juni gelten mein Vater und ich gleichermaßen als Gesellschafter und Geschäftsführer. Das ist sozusagen der vorletzte Schritt vor der Übergabe", erklärt der "Juniorchef" den Stand der Dinge.

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Clemens Grafe möchte sich dennoch die Firma ohne das Mitwirken seines Vaters nicht vorstellen. "Soweit würde ich nie gehen, denn fachlich ist er eine enorme Stütze mit Wahnsinns-Erfahrungen", sagt er. Am 1. August 1990 hatte Manfred Grafe das Bauunternehmen gegründet. Mit einem knappen Dutzend Mitarbeitern, einer Schreibmaschine und einem Taschenrechner fing er an. In einer Zeit voller Spannung. „Die deutsche Einheit war noch nicht, aber wir hatten die D-Mark“, so Manfred Grafe. Aber „die wollten die Leute erst einmal festhalten“. Knapp 40 Jahre alt war der gelernte Mauer damals, hatte Bauwesen studiert und war bis 1990 als Investbauleiter im Landgut Stroga tätig. Als dessen Auflösung abzusehen war, entschloss er sich fürs eigene Unternehmen. Der Auftakt zu einer Erfolgsgeschichte: Unmittelbar nach Firmengründung übernahmen Grafes die Umgestaltung der früheren Spezialschule in Großraschütz. Das „Gesellenstück“ war der Bau des Autohauses Peschel in Großdobritz – ebenfalls im Gründungsjahr. Das Unternehmen etablierte sich vergleichsweise schnell. Ein Vorteil: Bei Grafes war ein „Vollservice“ zu haben. Putz- und Maurerarbeiten, Hoch- und Tiefbau, Zimmerei, Dachdecker, schlüsselfertiges Bauen - für sämtliche Gewerke hatte man Mitarbeiter parat.

Bis heute hat sich daran nichts geändert. Grafe hat - trotz Corona - aufgerüstet. Unter anderem mit dem neuen und modernen Schalsystem, einem großen Lkw mit Kran, einem Transporter, der auf Putzarbeiten, Dämmung und Fassadensanierung zugeschnitten ist, und mit einem effektiveren Kofferwagen für eine der Rohbautruppen. "Da die Arbeit auf der Baustelle nach wie vor eine sehr schwere ist, wollen wir mit diesen Schritten Erleichterung schaffen", so Clemens Grafe. Und auch die 25 Jahre alte Bürosoftware werde in den kommenden Monaten komplett ausgetauscht, um einen weiteren Schritt in Richtung Digitalisierung zu tun.

Rundum glücklich ist der 26-Jährige trotzdem nicht. Die Preisentwicklung für Baumaterial wirft Fragen auf. "Der Holzpreis ist stark angestiegen", erzählt Clemens Grafe. Das habe allerdings nicht unbedingt nur mit Corona zu tun. Unterm Strich steht, dass Grafes eine Verantwortung für rund 35 Mitarbeiter haben. Ja, die Auftragslage sei nicht schlecht. "Aber es ist nicht planbar, ob das aufgrund möglicher Materialengpässe so bleibt ", sagt Clemens Grafe.

Und deshalb geht der Blick nach vorn - auch personell. "Wir suchen gegenwärtig stark nach Maurerlehrlingen und Facharbeitern, also Dachdecker, Maurer, Baugeräteführer", sagt er. "Dafür bieten wir ein modernes Unternehmen, mit Blick auf die Gesundheit seiner Mitarbeiter, und nur Baustellen in der Heimat. Wir bauen vom Keller bis zum Dach, vom Rohbau eines Pools bis zur Siloanlage, vom Glockenturm bis zur Kellersanierung." Demnächst dann übrigens auch am neuen Bowling-Center für den Spanischen Hof in Gröditz.

Und mit Blick auf die nächsten firmeninternen Schritte hat Clemens Grafe auch dies parat: die "Sicherheit, dass der Betrieb in die nächste Generation übergeht und somit auch weiterhin die Arbeitsplätze geschützt sind. Das ist in unserer Heimat bei Weitem kein Normalzustand in Betrieben".

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