merken
PLUS Großenhain

Ansturm auf FFP2-Masken

Während in der Löwen-Apotheke Großenhain und Gröditz seit Dienstag schon Tausende verteilt wurden, warten andere Inhaber noch auf die Lieferung.

Ganztägig herrscht großer Andrang am Ausgabefenster der Großenhainer Löwen-Apotheke: Romy Mieth gibt kostenlos an bezugsberechtigte Kunden drei FFP2-Masken aus.
Ganztägig herrscht großer Andrang am Ausgabefenster der Großenhainer Löwen-Apotheke: Romy Mieth gibt kostenlos an bezugsberechtigte Kunden drei FFP2-Masken aus. © Foto: Kristin Richter

Großenhain/Riesa. Mittwochmorgen in Großenhain. Die Menschenschlange am Hauptmarkt kringelt sich. Alle tragen vorschriftsmäßig Mund- und Nasen-Schutz. Mal selbst geschneidert aus Stoff mit weihnachtlichem Motiv drauf, auf anderen leuchtet noch der blumenreiche Sommer entgegen und schließlich die gekaufte Variante in Hellblau. Was die Wartenden eint: der Wunsch nach Professionalität. Denn jene Röderstädter, die hier anstehen, wollen sich in der Löwen-Apotheke kostenlose FFP2-Masken abholen. Ein eng anliegendes Teil, welches laut Herstellerangaben Partikel aus der Luft filtert. „Ich habe eine chronische Lungenerkrankung und achte sowieso schon darauf, das ich immer gut geschützt bin! Deshalb wollte ich mir auch gleich so eine Maske holen. Mein Arzt hat mir die Notwendigkeit bestätigt“, verrät eine 66-jährige Großenhainerin und zeigt auf das Papier.

Was die Rentnerin gleich bemerken wird: Eine sind drei. Sorgsam abgepackt von Kerstin Boragk, ihren Mitarbeitern und sogar der eigenen Familie. Wie die Inhaberin der Apotheke erzählt, habe sie während einer Autofahrt im Radio gehört, dass ab 15. Dezember der Schutz an ausgewiesene Risikogruppen verteilt werden solle. Über 60-Jährige, Menschen mit Vorerkrankungen oder Risikoschwangerschaften. Noch am selben Abend bestellt, wären dann auch 6500 Masken pünktlich geliefert worden. „Da sie sich teilweise in 20 Stück-Paketen befunden haben, mussten wir am vergangenen Wochenende immer jeweils drei zusammenstellen. Natürlich hygienisch eingeschweißt und mit einem von uns kopierten Beipackzettel versehen“, verrät Kerstin Boragk und lacht.

njumii – Das Bildungszentrum des Handwerks
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.

njumii ist der Ausgangsort für individuelle Karrieren. Im Handwerk. Im Betrieb. Im Mittelstand. In der Selbstständigkeit.

Noch 30 von 5.000 Masken da

Ein Frohsinn, der zugegebenermaßen eine große Portion Galgenhumor beinhalte. Abgesehen davon, dass es bis heute keine offizielle Information über das Prozedere gebe und Apothekeninhaber die Masken erst einmal aus eigener Tasche vorfinanzieren müssten, - sie erhalten das Geld dann über den sogenannten Nacht- und Notdienstfonds zurückerstattet - wäre die Verteilung eine wahre Herkulesaufgabe neben der eigentlichen Tätigkeit. Seit zwei Tagen sei der Andrang an den Standorten in Großenhain und Gröditz ungebrochen groß. Denn es kämen nicht nur die sogenannten Stammkunden und wollten sich die sonst sechs Euro pro Stück kostenden Masken abholen. "Nein. Wir hatten auch Frauen und Männer, die extra aus Weinböhla und Riesa gekommen sind, weil es in ihren angestammten Apotheken wohl noch keine Masken geben würde", sagt Kerstin Boragk.

Und diese Leute haben tatsächlich recht. Auch in Riesa waren an Apotheken Schilder zu sehen, dass keine Masken vorrätig seien. Apotheker Marko Eschmann, Chef der Sonnen-Apotheke am Puschkinplatz und der Stadt-Apotheke an der Hauptstraße, gehörte zu denen, die rechtzeitig Lieferung bekommen hatten. "Wir haben in zwei Tagen insgesamt weit mehr als 5.000 Masken ausgegeben", sagt er am Mittwochnachmittag. Da waren gerade mal noch 30 Stück vorhanden. Eschmann geht aber davon aus, dass Ende der Woche eine neue Lieferung eintrifft. "Ich habe schon die Zusage." Immerhin: Die Ausgabe an die Kunden laufe stressfrei, man gehe vernünftig miteinander um.

Auch in Großenhain selbst sind nach Bekunden der jeweiligen Inhaber am Mittwoch noch nicht alle Apotheken beliefert worden. Man sei zwar schon jetzt ganz unbedingt willig, den gewünschten Mund-Nasen-Schutz an die Kundschaft zu bringen, aber könne leider nicht. "Wir finden die Idee sehr gut und haben sofort bei einem seriösen Hersteller bestellt, welcher auch qualitativ hochwertige Ware anbietet. Leider wurde uns nun mitgeteilt, dass mit der Auslieferung erst in ein paar Tagen begonnen wird", bekennt Daniela Tillack. Wie die Chefin der Großenhainer Mohren-Apotheke betont, sei die Verauslagung der Masken - bisher war auch nicht vollständig geklärt, in welcher Höhe jede einzelne Apotheke im Dezember dafür vergütet werde - besonders für kleine Unternehmen kein Pappenstiel.

Eigene Kosten, die bereits auch Stefan Fuchs hatte. Der Inhaber zweier Großenhainer Apotheken habe gleich, nachdem er von der Ausgabe aus der Presse erfahren hatte, 11.000 Masken geordert - und bis jetzt noch keine einzige erhalten. "Wir hoffen, dass wir in der Lage sind, sie ab Freitag austeilen zu können", wünscht sich Stefan Fuchs. Auch der erfahrene Apotheker bemängelt die fehlende Gesamtorganisation der Aktion, für die zudem erst im Nachhinein eine Verordnung im Sinne der Apotheker verabschiedet worden sei. Immerhin: Der Anspruch auf Schutzmasken ist nicht Teil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung. Die finanziellen Mittel für die Verteilung an rund 27 Millionen Menschen sollen letztlich aus dem Bundeshaushalt kommen, für die der einzelne Apotheker erstmal eigene Mittel berappen muss.

Den Video-Beitrag des MDR zum Thema sehen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Großenhain