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Großenhain baut Schulden ab

Trotz Corona sieht der Haushalt für das laufende Jahr gar nicht schlecht aus. Ungewiss bleibt die Zeit ab 2021.

Money, Money, Money: Die Großenhainer Haushaltlage für 2020 stellt sich stabil dar. Wie wird das nächstes Jahr sein?
Money, Money, Money: Die Großenhainer Haushaltlage für 2020 stellt sich stabil dar. Wie wird das nächstes Jahr sein? © dpa

Großenhain. Die Nachricht überraschte die Stadträte zur jüngsten Sitzung. Die Röderstadt wird im laufenden Jahr ihre Verschuldung um rund 1,2 Millionen Euro senken. Das geht aus dem Stand zur Haushaltdurchführung für 2020 hervor, den Oberbürgermeister Sven Mißbach und Kämmerin Elke Opitz pflichtgemäß jeweils in etwa zur Mitte eines Jahres präsentieren. Die städtische Verschuldung sinkt demzufolge von rund 9,3 Millionen Euro Ende 2019 auf etwa 8,1 Millionen Euro zum Jahresende 2020. Daraus ergibt sich eine voraussichtliche Verschuldung pro Einwohner von genau 445,83 Euro - gemessen an der Einwohnerzahl von knapp 18.200.

"Trotz Corona verläuft der Haushalt relativ planmäßig", so Kämmerin Elke Opitz. Was selbst beim sonst so kritischen SPD-Stadtrat Falk Terrey für Erstaunen sorgte. "Ich finde es bemerkenswert, solche Zahlen zu sehen", meinte er anerkennend in Richtung Verwaltung.

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Das alles kann natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass die finanzielle Entwicklung der Stadt durch Covid-19 keinesfalls einfach zu handhaben ist. Das riesige "Buch" von Ergebnis- und Finanzhaushalt weist in vielen Positionen zwar gesicherte Einnahmen aus. Vorgesehene Zuweisungen für geplante Investitionen scheinen weitgehend gesichert. Breitbandausbau, Umbauten in Schulen und Kindereinrichtungen können wie geplant durchgeführt werden. Und doch muss auch mit Mindereinnahmen gerechnet werden.

So bei den öffentlich-rechtlichen Leistungsentgelten, zu denen die Verwaltungs- und Benutzungsgebühren zählen. Durch Corona-bedingte Schließungen von Kultureinrichtungen der Stadt (Museen, Alberttreff) sowie die etappenweise Wiederaufnahme der Arbeit dort und damit fehlende bzw. abgesagte Veranstaltungen fallen Mindereinnahmen in Höhe von reichlich 21.000 Euro an. Die Schließung von Geschäften, Kindereinrichtungen und Schulen sowie Kurzarbeit führt zur deutlich verringerten Nutzung von gebührenpflichtigen Parkplätzen. 

Statt geplanten 75.000 Euro werden voraussichtlich 20.000 Euro weniger ins Stadtsäckel fließen. Auch die verspätete und nur eingeschränkte Nutzung des Naturerlebnisbades schlägt zu Buche. Mit etwa 5.000 Euro minus im Vergleich zum Planansatz ist zu rechnen. Abgesagte Gästeführungen in Großenhain und Zabeltitz während der Corona-Pandemie reißen ein Loch von rund 2.400 Euro. Und weil Nutzungsentgelte für Sportstätten zwischen März und Juni ausblieben, fehlen weitere rund 6.000 Euro. 

Zu den nicht geplanten Ausgaben gehören Maßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Durch einen höheren Reinigungsbedarf in städtischen Einrichtungen sowie notwendige Dinge wie Desinfektionsmittel und Masken sind bis Anfang August rund 200.000 Euro an Mehrauszahlungen zu tragen gewesen. Bis Ende des Jahres, so die Aussicht, werden sich diese Ausgaben auf etwa 400.000 Euro erhöhen.

Mit Spannung sehen angesichts der aktuellen Situation sowohl Verwaltung als auch Stadträte daher der "Jahresendrechnung" entgegen - und natürlich dem Haushalt für 2021. Angesichts zahlreicher offener Fragen beispielsweise zur Entwicklung der Einnahmen aus Gewerbesteuern, Zuweisungen von Bund und Land oder etwaiger Schutzschirme im Zusammenhang mit Corona ist eine Prognose nicht ganz einfach. So viel ist klar: Großenhain wird nur ausgeben können, was auch eingenommen wird.

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