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Großenhain: Erntedank ohne Maskenpflicht

Beim 25. Bauernmarkt lag die Verantwortung für den Coronaschutz weitgehend bei den Besuchern – und niemand störte sich daran.

Ein uraltes Handwerk: Der Reinersdorfer Gotthard Börner weiht auf dem Großenhainer Bauernmarkt Besucherin Annett Mißbach in die Geheimnisse des Korbflechtens ein. Die Frau aus Weißig am Raschütz hat es selber schon versucht.
Ein uraltes Handwerk: Der Reinersdorfer Gotthard Börner weiht auf dem Großenhainer Bauernmarkt Besucherin Annett Mißbach in die Geheimnisse des Korbflechtens ein. Die Frau aus Weißig am Raschütz hat es selber schon versucht. © Kristin Richter

Großenhain. Wenn Sachsens Erntekönigin Wibke I. eine Lanze für die Landwirte bricht, dann meist in Form eines längeren Monologs. Die Lebensmittel seien schon an sich mehr wert, als der Verbraucher im Supermarkt dafür bezahlt. Und dann landete auch noch ein Drittel davon im Müll. Überhaupt hätten die meisten Leute keine Vorstellung mehr davon, wie ihre Nahrung hergestellt wird. Deshalb müssten besonders die Kinder mehr mit der Landwirtschaft in Berührung gebracht werden.

Die aus dem Vogtland stammende Wibke Frotzscher hat zwar keinen Bauernhof, aber Landwirtschaft studiert und weiß, wovon sie spricht. Am Sonntagvormittag eröffnete sie zusammen mit Großenhains Oberbürgermeister Sven Mißbach den traditionellen Bauernmarkt. Dieser war im vorigen Jahr coronabedingt ausgefallen.

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Wer auf der Suche nach einer neuen Küche ist, sollte Wert auf professionelle Beratung und Planung vor Ort legen, zum Beispiel bei Hülsbusch in Dresden und Weinböhla.

Erntekönigin Wibke I (2.v.l.) mit Oberbürgermeister Sven Mißbach (r.) am Stand der Großenhainer Landfrauen, die auch die aktuelle Krone der Königin fertigten.
Erntekönigin Wibke I (2.v.l.) mit Oberbürgermeister Sven Mißbach (r.) am Stand der Großenhainer Landfrauen, die auch die aktuelle Krone der Königin fertigten. © Kristin Richter

Diesmal hatten die Organisatoren von der Fördergemeinschaft „Großenhain aktiv“ auf größere Abstände zwischen den Buden und Verkaufsständen geachtet, wodurch die Zahl der teilnehmenden Händler etwas geringer ausfiel. Ansonsten aber ging es recht locker und maskenfrei zu. Der OB appellierte lediglich an die Besucher, einen Sicherheitsabstand zum Nachbarn zu halten.

Beim 25. Großenhainer Bauernmarkt immerhin hielten die Besucher nicht nach Billigprodukten Ausschau, sondern suchten das Besondere für Küche, Hof und Garten. Fündig werden konnten sie zum Beispiel beim Korbflechter Gotthard Börner. Der ist fast 90 Jahre alt und noch immer im Geschäft. In jedem Herbst schneidet er frische Weidenzweige, die er dann zu großen Tragekörben, Kartoffel- und Einkaufskörben verarbeitet. „Allein das Aussortieren dauert bis Mitte Januar, und danach wird bis zum Frühjahr geflochten“, erzählt der Reinersdorfer. Ein größeres Exemplar fertigzustellen, dauert schon mal einen Tag, weshalb so ein handgemachter Korb nicht ganz billig ist. Und genau das hat sein Handwerk so selten gemacht, weil aus der Dritten Welt importierte Körbe im Handel viel preiswerter sind. Er kenne eigentlich keinen jüngeren Menschen mehr, der sich noch selbst hinsetzt und flicht, sagt Börner.

Besucherin Annett Mißbach hat es immerhin versucht. „Aber ich habe wohl verkehrt herum angefangen, und da hielt das Geflecht dann nicht“, erklärt die Weißigerin. Bei der Schauvorführung von Gotthard Börner hat sie nun gesehen, wie man es richtig macht.

Ebenfalls kein Produkt für den Wühltisch ist Alpakawolle. Gerold und Gabriela Mann aus Klipphausen haben sich ganz der Haltung der lauschigen Kleinkamele verschrieben. Einmal im Jahr kann man die Tiere scheren, und die feine Wolle wird dann zu Garn weiterverarbeitet. „Die Fasern sind sehr weich und innen hohl; deshalb bieten sie einen guten Temperaturausgleich“, erklärt Gabriela Mann. Besonders gut geeignet sei die Wolle für Babydecken. Da brauche es kein Federbett mehr.

Alpakas sind als Hochgebirgstiere in der Haltung recht anspruchslos – sie brauchen nur Gras, Heu und Wasser. Die Manns bieten auch Trekkingtouren mit den Minikamelen an. Und wenn sie spucken? „Das machen sie meist nur untereinander, um die Rangordnung zu klären“, lächelt Gabriela Mann. Wer dann seinen Kopf dazwischen halte, habe eben Pech.

Bereit für eine Lama-Wanderung: Silvia Pawlaßek (l.) und Tochter Annabell (l.); Thomas Koßlitz (r.) und Sohn Konztatin mit Lama Ronja.
Bereit für eine Lama-Wanderung: Silvia Pawlaßek (l.) und Tochter Annabell (l.); Thomas Koßlitz (r.) und Sohn Konztatin mit Lama Ronja. © Kristin Richter

Gleich nebenan hat der Bockwener Lothar Jander seine Lamas platziert – die großen Brüder der Alpakas sozusagen. Deren Grannenhaare eignen sich eher nicht für Gewebe, werden aber als Füllung für Bettdecken verwendet. Lamas sind auch etwas duldsamer als Alpakas – sie wurden in Südamerika jahrtausendelang als Lasttiere eingesetzt. Deshalb sind sie der ideale Partner bei Trekkingtouren. Die Kinder, die mit ihren Eltern den Bauermarkt besuchten, durften die Tiere schon mal an der Leine herumführen.

Ansonsten setzte der Bauernmarkt wieder ganz auf Tradition – bis hin zum Schwein am Spieß von Markt-Urgestein Gerhard Pilz. Musikalisch ging es mit der Spaßkapelle Specht und den Mittelaltermusikern Ziehsack & Streichholz ebenfalls ziemlich deftig zu. Als neue Facette hatte das Großenhainer Elektrozentrum einen Hubsteiger aufgestellt, mit man sich 50 Meter in Höhe fahren und die Röderstadt von oben betrachten konnte.

Auf dem Großenhainer Bauernmarkt sind am Sonntag bei herrlichem Wetter viele Besucher unterwegs.
Auf dem Großenhainer Bauernmarkt sind am Sonntag bei herrlichem Wetter viele Besucher unterwegs. © Kristin Richter

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