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Großenhain blüht etwas

Seit Ostern verrichtet die Blumenuhr wieder ihre treuen Dienste am Kirchplatz. Und das Kleinod ist nicht das einzige Signal, das in Richtung Frühling weist.

Wenn sie wieder aufgebaut ist und die Blumen am Kirchplatz blühen, dann wird es Frühling. Bevor es so weit war, holte Großenhains Uhrmachermeister Falk Majok-Bökelmann das Kleinod aus dem Winterschlaf.
Wenn sie wieder aufgebaut ist und die Blumen am Kirchplatz blühen, dann wird es Frühling. Bevor es so weit war, holte Großenhains Uhrmachermeister Falk Majok-Bökelmann das Kleinod aus dem Winterschlaf. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. Sie gehört zur Röderstadt wie die Marienkirche oder das Naturerlebnisbad. Die Blumenuhr am Kirchplatz, für viele Großenhainer dieser Tage das sichere Zeichen, dass der Frühling nun tatsächlich Einzug hält. Denn auch wenn seit Anfang der Woche das Aprilwetter mit Schnee und Graupel noch einmal auf die winterliche Tube drückt, sind die blühenden Boten ringsum tatsächlich unübersehbar. Noch vor dem Osterfest haben die Mitarbeiter des Bauhofes in die Erde gebracht, was stets um diese Zeit das Herz der Großenhainer erfreut. In diesem Jahr 600 Violen und und Erysimum - für die weniger bewanderten Pflanzenkenner eine Art Goldlack und Schöterich.

Bevor die bunte Pracht jedoch gepflanzt werden konnte, war erst einmal er wieder gefragt. Falk Majok-Bökelmann, Großenhains Uhrmachermeister, der das technische Kleinod zunächst aus dem Winterschlaf holte. Einstmals von seinem Großvater Alfred Majok konstruiert und angefertigt, wird es immer um diese Zeit in einen dafür vorgesehenen Kasten aus Holz und hochwertigem, nicht rostendem Metall wieder eingebaut. "Das ist gewissermaßen ein fest gefügtes Ritual. Im späten Herbst wird von mir alles ausgebaut und in meiner Werkstatt generalüberholt. Da alle Teile ja doch dem Wetter ausgesetzt sind, ist die regelmäßige Pflege notwendig und erspart eine Menge Ärger", erklärt Falk Majok-Bökelmann.

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Einen solchen habe es dann beim Einbau vor Ort glücklicherweise nicht gegeben. Die für den Laien durchaus komplizierte Mechanerie aus Winkelgetrieben und Kardanwelle zeigt sich sichtlich willig. Und nicht nur das. Inmitten eines neuerlichen Schneegestöbers prangt das aktuelle Datum nebst Jahreszahl vom Uhrenkasten und trotzt mit frisch gestrichener Abdeckung, Pendel und Gewicht dem ganz und gar nicht frühlingshaften Lüftchen.

Nichtsdestotrotz wird sich der alteingesessene Großenhainer sagen: Hauptsache, sie ist überhaupt an Ort und Stelle! Und hat freilich recht damit! Nachdem sie 1960 von Alfred Majok erdacht, in vielen Stunden Feinarbeit errichtet und jährlich gut 400 Stunden gepflegt wurde, war die Uhr schließlich elf Jahre später ein Opfer von Vandalismus geworden. Im Stadtgebiet verstreut, wurden damals glücklicherweise zwar alle Teile gefunden. Allerdings sollte es bis zum Jahr 2000 dauern, bis die Uhr - von Schwiegersohn Gert und Enkel Falk Majok-Bökelmann wieder zum Leben erweckt - anlässlich der dritten Sächsischen Landesgartenschau endlich zu ticken beginnen sollte.

21 Jahre später tut sie das getreulich noch immer. Jedoch: Nicht nur im Stadtzentrum blüht es inzwischen. Auch andernorts waren die die neun Frauen und Männer des Bauhofes fleißig am Buddeln. An den verschiedensten Orten von Großenhain und natürlich auch im Zabeltitzer Park wurden 2.850 Hornveilchen, 2.075 Stiefmütterchen, 790 Tausendschönchen, 1.150 Vergissmeinnicht, 450 Akelei, 1.280 Goldlack und 70 Silberblatt gepflanzt. Ein farbenprächtiges Aufgebot, an allem, was gerade jetzt das Herz begehrt. Gut duftend, so bunt wie ein Malkasten und selbst bei eisigem Wind signalisierend: Der Frühling kommt! Und vor allem dann, wenn er am dringendsten gebraucht wird.

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