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Großenhain sagt Weihnachtsmarkt ab

Großenhain hat lange um den Weihnachtsmarkt gekämpft, beugt sich nun aber den Infektionszahlen. Adventsstimmung soll es trotzdem geben.

Von Catharina Karlshaus
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Warten auf ein wenig vorweihnachtliche Stimmung: Nach monatelanger, aufwendiger Planung und zähem Ringen um den traditionellen Markt, ziehen die Großenhainer nun doch die Reißleine.
Warten auf ein wenig vorweihnachtliche Stimmung: Nach monatelanger, aufwendiger Planung und zähem Ringen um den traditionellen Markt, ziehen die Großenhainer nun doch die Reißleine. © Kristin Richter

Großenhain. Es ist ein Rückzug mit Ansage. Seit Wochen machen sich die Großenhainer Stadtväter intensiv Gedanken um die Durchführung ihres traditionellen Weihnachtsmarktes. Auch wenn angesichts der pandemischen Lage sicherlich von keinem normalen bunten Treiben auf dem Hauptmarkt ausgegangen werden konnte - der Baum steht seit vergangenem Mittwoch, die Hütten sind teilweise aufgebaut und warten darauf, mit Leben erfüllt zu werden.

"Keine Frage, wir wollen in diesem Jahr ganz unbedingt unseren traditionellen Weihnachtsmarkt veranstalten! Die Menschen lechzen förmlich danach und die Händler brauchen, unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet, unbedingt diese Einnahmequelle", sagte Matthias Schmieder noch Anfang November.

Im SZ-Gespräch hatte der Geschäftsbereichsleiter Stadtkultur und Ordnung allerdings auch keinen Hehl daraus gemacht, dass die Fragezeichen für Organisatoren und 29 mitwirkenden Händler immer größer werden. Seit Montagabend gibt es eine traurige Antwort: "Wir haben uns wirklich sehr damit geplagt, sind mit Gewerbetreibenden und unseren Stadtratsfraktionen noch einmal im intensiven Austausch gewesen. Letztlich sind wir gemeinsam zu dem Schluss gekommen, der Weihnachtsmarkt kann in der bisher geplanten Form leider nicht stattfinden", erklärt Sven Mißbach.

Wie Großenhains Oberbürgermeister betont, sei allen Beteiligten die Entscheidung keineswegs leicht gefallen. Aber ebenso wie Radebeul, Radeburg, Bautzen oder Görlitz, wolle man gerade im Interesse der Händler noch rechtzeitig die Reißleine ziehen, bevor angesichts der stetig steigenden Infektionszahlen eine kurzfristige Entscheidung getroffen werden müsse beziehungsweise eine verschärfte Coronaschutzverordnung eine Absage unumgänglich mache.

"Noch vor einer Woche habe ich mich davor gescheut. Aber wir sehen in der Verwaltung, den Schulen, Kindereinrichtungen und unserem privaten Umfeld, wie auch in Großenhain die Zahlen sprichwörtlich explodieren und positiv Getestete tatsächlich erkranken. Es wäre unverantwortlich, jetzt tatenlos zuzuschauen", bekennt Sven Mißbach.

Viele verschiedene Pläne seien unter den sich ständig ändernden Corona-Schutzmaßnahmen ausgearbeitet, angepasst, mit den Händlern besprochen, wieder verworfen und neu erstellt worden. Angesichts der Tatsache, dass der Landkreis Meißen momentan zu den traurigen Rekordhaltern der Inzidenz im Bundesgebiet zähle, könne es ein „Weiter so“ bei Veranstaltungen wie dem Weihnachtsmarkt aus Sicht der Großenhainer Verwaltung nicht geben.

Dies wäre unverantwortlich gegenüber Ärzten, Krankenschwestern und Pflegekräften, welche in den Krankenhäusern um Menschenleben kämpften, aber auch schäbig, eingedenk des unermüdlichen Tuns von Personal in den Arztpraxen der Röderstadt. Es sei nicht vertretbar gegenüber den Mädchen und Jungen in den Kindertageseinrichtungen und Schulen sowie den jungen Leuten an Berufsschulen und den gebeutelten Einzelhändlern, für die ein erneuter Lockdown unbedingt vermieden werden müsse.

"Alles was dazu beiträgt, die Inzidenzen wieder zu verringern, muss schnellstmöglich getan werden! Deshalb haben wir uns schweren Herzens dafür entschieden, den Weihnachtsmarkt in der traditionellen Form abzusagen", verrät Großenhains Verwaltungschef.

Nach intensiven Gesprächen zwischen ihm, dem Geschäftsbereich Stadtkultur und Ordnung sowie den Stadträten werde zurzeit mit den noch zwölf verbliebenen Händlern - die übrigen hätten aus unterschiedlichen Gründen bereits ihre Mitwirkung zurückgezogen - eine Alternativvariante abgestimmt.

Zwar gebe es keine Rodelbahn, kein Kinderkarussell, keine Unterstände, außer der Mittelbaumhütte, und keinen Ausschank von Alkohol. Aber es würden Speisen zum Mitnehmen angeboten und alle Buden könnten aufgrund der geringeren Anzahl um den Weihnachtsbaum auf dem Hauptmarkt konzentriert werden. Konkretere Pläne wären von den jeweiligen Händlern abhängig und ihrer Bereitschaft zur Mitwirkung angesichts des neuen Konzepts.

Traurig, aber wahr: ebenfalls abgesagt werde die Zabeltitzer Palaisweihnacht. Hier habe sich bereits im Vorfeld nur noch eine geringe Händlerzahl unter den aktuellen Bedingungen bereiterklärt, mitzuwirken. "Wir können die Bedenken gut nachvollziehen, möchten aber jene, die doch auf dem Großenhainer Hauptmarkt ihre möglicherweise langfristig georderten Waren verkaufen wollen, gern unterstützen", so Sven Mißbach. Denn auch wenn es zugegebenermaßen ein Rückzug mit Ansage sei. Auf adventliches Flair in Großenhain wolle man gerade jetzt nicht ganz verzichten.