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Sommertraum: Großenhain ohne Parkgebühr

Ab 1. Juli soll das Einkaufen und Essen gehen in der Röderstadt noch komfortabler werden. Wer mit dem Auto vorfahren möchte, kann dies tun - kostenlos.

Ein Bild, wie es in Großenhain häufig zu sehen ist: Vollzugsbedienstete des städtischen Ordnungsamtes kontrollieren am Dienstagvormittag auf der Dresdner Straße, ob ein Parkschein gelöst worden ist.
Ein Bild, wie es in Großenhain häufig zu sehen ist: Vollzugsbedienstete des städtischen Ordnungsamtes kontrollieren am Dienstagvormittag auf der Dresdner Straße, ob ein Parkschein gelöst worden ist. © Norbert Millauer

Großenhain. Gute Nachrichten für all jene, die ihr vierrädriges Gefährt künftig in der Innenstadt abstellen wollen: Vom 1. bis 31. Juli werden im betreffenden Gebiet keine Parkgebühren erhoben. Während dieser Zeit sei auf den Stellflächen, welche zu den acht Parkscheinautomaten gehören, nur eine Parkscheibe einzulegen.

Das bedeutet praktisch: Wer über den Frauenmarkt bummeln oder ein Eis essen wolle, könne dies ganz in Ruhe und unbesorgt tun. Die Automaten auf der Naundorfer Straße, Berliner Straße, dem Hauptmarkt, dem Neumarkt, auf der Dresdner Straße, Schloßstraße und zwei auf dem Frauenmarkt, so Diana Schulze, würden in den kommenden Tagen gewissermaßen in den Sommerurlaub geschickt. Wie Großenhains Stadtsprecherin erklärt, müsse ab Donnerstag kommender Woche die Parkscheibe eingelegt werden - zur Selbstdisziplinierung. "Damit jeder Autofahrer mal in die Gunst der Stunde kommt, sollten zwei Stunden reichen, um ohne Lösen eines Scheins im Großenhainer Zentrum verweilen zu können", vermutet Diana Schulze und lacht.

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Ein vorübergehender Nachlass, der indes nicht von ungefähr käme. Zwar würden die über jene acht Automaten eingenommenen Einnahmen in Höhe von gut 4.900 Euro letztlich am Ende des Jahres im Stadtsäckel fehlen. Aber die vergangenen Monate, in denen aufgrund der Coronapandemie sowohl Einzelhändler als auch Gastronomiebetriebe und nicht zuletzt die Besucher der Stadt selbst starke Einschnitte hinnehmen mussten, verdienten jetzt Unterstützung. Mit der Aktion solle Großenhain belebt und den lokalen Gewerbetreibenden wirtschaftlich unter die Arme gegriffen werden. "Dabei ist der Verwaltung natürlich klar, dass die Aussetzung der Parkgebühren nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein werde! Aber es ist uns wichtig, einerseits ein Zeichen zu setzen und andererseits erhoffen wir uns, dass wirklich der Eine oder Andere zum Einkaufen nach Großenhain kommt, der es aus den unterschiedlichsten Gründen vielleicht sonst nicht getan hätte", betont Sven Mißbach.

Großenhains Oberbürgermeister hatte inmitten der Coronakrise nie einen Hehl daraus gemacht, dass er sich große Sorgen um Händler, Dienstleister und die Inhaber von Cafés oder Restaurants mache. Immerhin habe schon der erste Lockdown im Frühjahr 2020 sie in eine finanzielle Schieflage gebracht. "Man darf nicht vergessen, was sie alle für eine Stadt wie Großenhain bedeuten! Es handelt sich nicht etwa nur um wichtige Steuer- und Mietzahler, Ausbildungsbetriebe und natürlich unverzichtbare Arbeitgeber. Nein, unsere Einzelhändler, Gastronomen und Dienstleister sind viel mehr!" gab Sven Mißbach im Gespräch mit der SZ bereits im Januar zu bedenken. Sie alle seien Teil des gesellschaftlichen Lebens. Mit all ihren verschiedenen Angeboten, ihrer Kreativität und dem Engagement würden sie auf ihre ganz eigene Weise zur Vielfalt und dem speziellen Charakter von Großenhain beitragen.

Auf keinen dieser Menschen wolle man verzichten und auch nicht auf all jene, die gern in ihrer Eigenschaft als Kunde deren Dienste in Anspruch nehmen würden. Deshalb habe man sich - wie andere Städte deutschlandweit übrigens auch - für den Nachlass der Parkgebühren entschieden. Dass diese Geste sich nachhaltig auf den städtischen Etat auswirken werde, ist unumstritten. Schon im Mai war auf der Ratssitzung angeregt worden, die Parkgebühr für die erste halbe Stunde in der Innenstadt zu erlassen. Möglich sei dies beispielsweise mit einer sogenannten "Brötchen-Taste" oder "Frei-Parken-Taste". Eine Funktion, die jederzeit auch zu anderen besonderen Anlässen in der Stadt genutzt werden könnte.

Allerdings: In Großenhain wird es in absehbarer Zeit dennoch nicht zum Einsatz einer solchen Taste kommen. Die Nachteile, so Matthias Schmieder auf der jüngsten Zusammenkunft mit den Stadträten, würden eindeutig überwiegen. Laut dem Geschäftsbereichsleiter für Stadtkultur und Ordnung, seien dabei keineswegs die Umprogrammierung der Parkscheinautomaten und die damit verbundenen Kosten von insgesamt gut 1.500 Euro ausschlaggebend. Entscheidende Argumente wären vielmehr die fehlenden Einnahmen im Jahr von bis zu 12.000 Euro. "Wir haben uns mit Städten, die sich schon daran versucht haben, ausführlich über das Thema unterhalten. Durch den Missbrauch, der auch mit so einer Taste getrieben werden kann, sind etwa der Stadt Zerbst Tausende von Euro verlorengegangen", weiß Matthias Schmieder.

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