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Großenhainer Weihnachtsmarkt fällt aus

Oberbürgermeister Sven Mißbach: "Es wäre absolute Augenauswischerei zu behaupten, dieser Winter wird kein harter Brocken!"

Großenhains Oberbürgermeister Sven Mißbach (parteilos) betrachtet die Angelegenheit sachlich. Der Winter werde ein harter Brocken.
Großenhains Oberbürgermeister Sven Mißbach (parteilos) betrachtet die Angelegenheit sachlich. Der Winter werde ein harter Brocken. © Archiv: Kristin Richter

Großenhain. Um klare Worte war er nie verlegen. Bereits im Frühjahr hatte sich Großenhains Oberbürgermeister mehrfach an die Röderstädter gewandt, sie um Einhaltung der Maskenpflicht gebeten und beispielsweise an die Solidarität mit all jenen einheimischen Gewerbetreibenden appelliert, denen der Mitte März erstmalig verhängte Lockdown wirtschaftlich gewaltig zusetzt. Seit Montag müssen nun auch die Großenhainer mit den Auswirkungen der jüngsten Verordnung leben. Eine große Herausforderung, ist sich der Verwaltungschef schon an Tag zwei sicher.

Herr Mißbach, der zweite Tag im sogenannten Teil-Lockdown liegt beinah hinter uns. Wie lebt es sich denn Ihrer Meinung nach damit?

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Nun, mir wird es wahrscheinlich damit so ergehen, wie vielen anderen Großenhainern auch! Ein Teil davon wird nun wieder von zuhause aus arbeiten müssen oder wie ich ganz normal im Büro sitzen. Allerdings müssen wir uns auch in der Verwaltung den aktuellen Gegebenheiten anpassen und werden ab kommender Woche nur noch an zwei Tagen für den Besucherverkehr geöffnet haben. 

Wie alle anderen Betriebe bemühen wir uns selbstverständlich, auch in den kommenden Wochen mit dem vollen Leistungsspektrum zur Verfügung zu stehen. Aber es kann natürlich sein, dass es im Fall der Fälle krankheitsbedingt im Rathaus oder in einer unserer städtischen Einrichtungen zu Einschränkungen kommt.

 Doch das warten wir erstmal ab. In meiner Eigenschaft als Vater bin ich froh, dass Kindereinrichtungen und Schulen für den täglichen Besuch zur Verfügung stehen. Damit ist nicht zuletzt berufstätigen oder alleinerziehenden Eltern eine große Last genommen worden. Nichtsdestotrotz geht der Teil-Lockdown mit zahlreichen Einbußen einher. Doch wir werden uns irgendwie durch die kalte Jahreszeit bis zum Frühjahr hangeln müssen. Und es wäre dabei absolute Augenauswischerei zu behaupten, dieser Winter wird kein harter Brocken!

Sie meinen damit die Einbußen für Gastronomen und andere Gewerbetreibende, oder?

Ja natürlich. Es wird einfach stiller in der Stadt, weil die Restaurants geschlossen bleiben müssen und kulturelle oder andere Freizeiteinrichtungen ebenfalls nicht geöffnet sind. Wir als Stadt können noch gar nicht einschätzen, was das etwa für die Kulturzentrum Großenhain GmbH bedeuten wird. Selbst, wenn wir finanzielle Unterstützung bekommen, sind die finanziellen Verluste enorm. 

Und da geht es uns freilich wie jedem Gastronomen oder Betreiber eines kleinen Veranstaltungsbetriebes. Wir haben sehr viel Aufmerksamkeit und Mühe in die jeweiligen Hygienekonzepte gesteckt. Manch einer hat sich beispielsweise teure Lüftungsanlagen angeschafft und muss nun zur Kenntnis nehmen, dass diese Investition umsonst gewesen ist. Das ist schon bitter. 

Sie sind durchaus ein Oberbürgermeister, der keineswegs in seiner Amtsstube verharrt, sondern auch bewusst mal über den Wochenmarkt oder durch die Stadt schlendert. Haben Sie von der angesprochenen Bitterkeit schon etwas zu spüren bekommen?

Mich hat noch keiner angepöbelt, falls Sie das meinen! Aber natürlich ist die Stimmungslage auch in Großenhain deutlich erkennbar. Selbstverständlich sind jene Leute sauer, die über Monate hinweg Veranstaltungen wie den Fasching oder ein Konzert vorbereitet haben, die jetzt ins Wasser fallen. Oder eben all die Gaststätteninhaber, deren Bestellbücher für Weihnachten oder Silvester ein einziges Wagnis darstellen. 

Die Kosmetikerin, die wieder dicht machen musste, und die Seniorenbetreuerin, die so viel Mühe in die traditionelle Weihnachtsfeier gesteckt hat. Ich kann gut verstehen, dass da jetzt bei dem Einen oder Anderen ganz viel Unmut hochkocht und momentan mehr Unverständnis als Akzeptanz für die Maßnahmen deutlich wird. Allerdings möchte ich auch darum bitten, dass sich die Großenhainer an die Anordnungen halten! 

Auch bei uns steigt die Zahl derer, die infiziert sind, eigentlich täglich und es gibt zahlreiche Personen, die sich in Quarantäne befinden. Vorsicht und das Tragen des Mund-Nasenschutzes ist also nach wie vor oberstes Gebot. 

Hätten Sie sich gewünscht, dass die Bundesregierung in Absprache mit den Länderchefs Alternativen zum jetzigen Procedere findet?

Ehrlich gesagt, hätte ich selbst gar nicht gewusst, welche das konkret sein sollen. Ich habe mir manchmal überlegt, ob man wenigstens Abstufungen in unseren ländlichen, nicht ganz so von der Infektion betroffenen Gebieten machen sollte. Aber andererseits ist es wohl nur durch einheitliches Handeln möglich, etwas zu bewirken.

Im Frühjahr hat die Stadt ihre Händler unterstützt, indem sie den sogenannten Großenhainer Zehner wieder aufgelegt hat. Das Gutscheinsystem kam bei den Kunden sehr gut an. Ist so etwas auch jetzt wieder, vielleicht sogar für Restaurants, angedacht?  

Wen wir unterstützen können - sei es nun durch den Großenhainer Zehner oder mit entsprechender Werbung - den unterstützen wir gern. Keine Frage! Aber ich bin überzeugt davon, dass sich die Geschäfte und Gaststätten selbst etwas einfallen lassen. Das haben sie auch in der Vergangenheit immer wieder erfolgreich bewiesen.

Das stimmt. Aber angesichts der Veranstaltungsabsagen dürfte das einigermaßen schwerfallen. Oder hat sich daran etwas geändert?

Leider nicht! Und ist angesichts der geltenden Coronaschutzverordnung ja auch gar nicht anders möglich. Senioren- und Vereinsweihnachtsfeiern, der Fasching, der Neujahrsempfang und auch der Tag des Ehrenamtes, es wird nichts von alledem stattfinden. Wir hoffen, dass wir einen Teil der Zusammenkünfte im Frühsommer nachholen können.

Vor dem Frühsommer kommt definitiv aber erstmal die Adventszeit. Herr Mißbach, die Gerüchteküche brodelt und sieht bereits den Weihnachtsmarkt in Gefahr. Ist an diesen Befürchtungen etwas dran?

Ja, wie immer, wenn in Großenhain etwas durch die Gassen wabert.

Und das bedeutet? 

Ich kann Ihnen sagen, dass der Weihnachtsmarkt in Großenhain nicht stattfinden wird. Angesichts der aktuellen Vorgaben - die ja ohnehin Märkte dieser Art für November verbieten - ist es ein Ding der Unmöglichkeit, allein die notwendige Erfassung der Kontaktdaten im Ansatz zu gewährleisten. 

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Ich gehe davon aus, dass sich an der jetzigen Coronaschutzverordnung auch im Dezember nicht viel ändern wird, und wir können die Händler nicht weiter hinhalten. Aber ich kann an dieser Stelle schon versichern, dass es in Großenhain dennoch weihnachtliches Flair geben wird.        

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