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Großenhainer brutal ermordet

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen vier Beschuldigte. Ihnen wird vorgeworfen, einen Mann mit erschreckender Brutalität umgebracht zu haben.

Ermittler suchten im Juni zwischen Medessen und Zottewitz nach Spuren eines Tötungsdelikts. Nun wird wegen des Verdachts auf gemeinschaftlichen Mord ermittelt.
Ermittler suchten im Juni zwischen Medessen und Zottewitz nach Spuren eines Tötungsdelikts. Nun wird wegen des Verdachts auf gemeinschaftlichen Mord ermittelt. © Archivfoto: Kristin Richter

Großenhain/Dresden. Es sind die Zeilen, die keiner lesen möchte. Besonders jene nicht, welche zurückgeblieben sind. Im Leben, das seit jenem Tag im Juni nie wieder so sein wird, wie es einmal gewesen ist. Familienangehörige, Freunde, Bekannte, all die Menschen, die so sehr gehofft hatten, es werde vielleicht doch noch alles gut.

Seit diesem Dienstagvormittag im Dezember steht fest: Gut wird es nie mehr. Kann es für die Hinterbliebenen ohnehin und erst recht nicht werden, nachdem die Staatsanwaltschaft Dresden darüber informierte, dass es nun so weit ist. Dass nach monatelangen, in diesem Fall sehr aufwendigen Ermittlungen, Anklage gegen vier Beschuldigte erhoben wird. Den zwei Männern im Alter von 28 und 51 Jahren sowie einer 31-jährigen Frau werden versuchter Mord und gemeinschaftlicher Mord zur Last gelegt. Darüber hinaus müsse sich eine 51-jährige Frau unter anderem wegen Beihilfe zum versuchten Mord verantworten.

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Nicht zuletzt für die Röderstädter, die seit dem Frühsommer am Schicksal des in einem Waldstück zwischen Medessen und Zottewitz tot aufgefundenen Großenhainers emotionalen Anteil genommen haben, dürfte die Auskunft der Staatsanwaltschaft keine Überraschung darstellen. Schon in den vergangenen Monaten hatte Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt keinen Hehl daraus gemacht, dass der 38-jährige Familienvater nach Einwirkung großer Gewalt aus dem Leben geschieden sein muss.

Und dennoch. Es sind die Zeilen, die keiner lesen möchte. Übersteigt der vermeintliche, nun erstmals offengelegte Tathergang, doch die Vorstellungskraft jeglichen menschlichen Empfindens. Was sind das für Frauen und Männer, die einen anderen Menschen von langer Hand geplant und unter Aufbietung von roher Gewalt umbringen, damit sie womöglich an den Erlös einer Sterbegeldversicherung gelangen?

Jürgen Schmidt darf nicht vollmundig kommentieren, was erst in gut einem Vierteljahr detailliert in der Hauptverhandlung vorm Landgericht Dresden besprochen werden wird. Allerdings würde es dabei sicherlich noch das eine oder andere Erschrecken geben, sagt der erfahrene Jurist und lässt sich außerdem entlocken, dass es ein sehr komplexes Verfahren sei. Eines, in welchem es die Ermittler und die Staatsanwaltschaft mit einer Vielzahl von Beweisen, diversen Gutachten und einem Tatmotiv zu tun hatten. Im Wesentlichen Habgier sei der Motor der vier Beschuldigten - eine ist die getrennt lebende Ehefrau des Opfers - für ein Verbrechen, das in seiner Brutalität herausragend wäre.

Immerhin: Es ist Sonnabend, der 13. Juni, als der als freundlich und sympathisch beschriebene Großenhainer das letzte Mal von Zeugen am Rahmenplatz gesehen wird. Bekleidet mit einer blauen Jeans, einem blau karierten Hemd und Turnschuhen mit weißer Sohle. Eine Beschreibung, mit der sich hilfesuchend gut eine Woche später eine Frau an die Öffentlichkeit wenden wird. Über Facebook sucht sie einen Sohn und Bruder. Wer ihn gesehen habe, solle sich doch bitte bei ihr melden.

Ein Sohn und ein Bruder, der in dieser Zeit einem unfassbaren Martyrium ausgesetzt ist. Beinah sechs Monate später wird die Staatsanwaltschaft Dresden es sachlich so formulieren: Den vier Beschuldigten werde vorgeworfen, den Mann an jenem Abend gegen 19.30 Uhr in ihre Gewalt gebracht zu haben. Mit dem erklärten Ziel, ihn schwer zu verletzen und später zu töten, sei er in ein Auto gedrängt und gegen seinen Willen unter mehrfachen Schlägen in ein einsames Waldstück gebracht worden. Eine Stunde später soll er dort aus dem Fahrzeug gezerrt und von den beiden Männern mit einem Tischbein gegen den Oberkörper geschlagen und mit den Füßen in die Rippen getreten worden sein. "Die Beschuldigten ließen den bereits schwer verletzten Mann dann am Ort des Geschehens liegen, um an den nachfolgenden Tagen zurückzukehren. Da er noch lebte, verübten sie bis zum 16. Juni immer wieder heftige Gewalt gegen den schwer verletzt im Wald liegenden Mann", erklärt Jürgen Schmidt. Handlungen, bei der die 51-jährige Frau nicht mehr mit dabei gewesen sein soll.

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Ein Sohn und ein Bruder, ein Ehemann und Vater, der am 19. Juni schließlich von der Polizei nur noch tot aufgefunden wird. Aufgrund seiner schweren Verletzungen - unter anderem mehrere Knochenbrüche und ein Polytrauma - sei er wahrscheinlich zwischen dem 15. und 16. Juni verstorben. Noch während die Nachricht vom grausamen Tod des Großenhainers in der Region die Runde macht, werden die vier Beschuldigten vorläufig festgenommen und befinden sich seit dem 20. Juni in Untersuchungshaft. Und all jene, die im Leben zurückgeblieben sind, verhaftet in den Zeilen, die keiner lesen möchte.

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