merken
PLUS Großenhain

Gegen Coronablues: Kleines Glück am Zaun

Jetzt erst recht, sagte sich eine Großenhainerin und möchte gerade in dieser Coronazeit für ein Lächeln sorgen. Nicht nur Kinder sind total begeistert.

Nun ist es raus: Christine Dunker ist die überaus großzügige und herzliche Osterhäsin, die seit Wochen Spaziergänger und Kinder mit kleinen Überraschungen im Körbchen am Zaun verwöhnt.
Nun ist es raus: Christine Dunker ist die überaus großzügige und herzliche Osterhäsin, die seit Wochen Spaziergänger und Kinder mit kleinen Überraschungen im Körbchen am Zaun verwöhnt. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. Es ist etwas, das das Herz begehrt. Was unwillkürlich ein Strahlen ins Gesicht zaubert und das pandemiegeplagte Leben ein wenig leichter werden lässt. Nicht groß, aber immerhin weithin sichtbar und vor allem gut gefüllt, baumelt das kleine Glück an einem Zaunfeld am Großenhainer Südhang.

Es ist das Zaunfeld von Christine Dunker. Dass die Inhaberin des Grundstücks, zu der das weiße Metallteil gehört, so heißt, werden die meisten Menschen, die daran vorüber laufen, vermutlich gar nicht wissen. Was sie aber mit Sicherheit ganz genau sagen können ist wahrscheinlich, dass in dem Haus, vor welchem der Zaun mit dem Feld, an dem täglich ein liebevoll befülltes Osterkörbchen hängt, wohl ein ausgesprochen netter Mensch wohnen muss.

Anzeige
Der ValiKom Transfer
Der ValiKom Transfer

Die Zertifizierung der teilweisen oder vollen Gleichwertigkeit eines Referenzberufes ist ein Impuls für den Arbeitsmarkt von innen heraus!

Und - sie haben recht damit! Wenige Worte reichen, um Christine Dunker mit ruhigem Gewissen nicht nur als nett, sondern als überaus sympathisch und herzlich zu bezeichnen. Eine sprichwörtlich gute Seele, die viel zu bescheiden ist, um von ihrer genialen Idee berichten zu wollen, auf welche sie vor einem Jahr gekommen ist. „Gleich zu Beginn des ersten Lockdowns habe ich eines morgens aus dem Fenster gesehen und da lief an meinem Haus eine Tagesmutti mit sechs Kindern vorbei. Da kam mir der Gedanke, ihnen und vielleicht auch anderen Leuten in dieser besonderen Zeit eine Freude zu bereiten“, erinnert sich Christine Dunker und lacht.

Was mit einem Körbchen voller Süßigkeiten begann, sollte alsbald zum festen Ritual werden. Sorgsam gefüllt mit Schokolade, Gummibärchen und Ostereiern - selbstverständlich alles hygienisch einwandfrei verpackt - wird die erste Geschenkerunde nun Tag für Tag pünktlich um zehn Uhr eingeläutet. „Das ist nicht nur die Zeit jener Tagesmutti, die noch immer spazierend vorbei geht, sondern auch anderer Gruppen oder Muttis mit Kindern“, verrät Christine Dunker.

Wer am Vormittag nicht auf der Strecke am Südhang sein kann, muss jedoch nicht traurig sein. Ganz im Gegenteil! Bis 18 Uhr ist das Körbchen, das auch einen Wunsch für ein frohes Osterfest und beste Gesundheit enthält, immer ausreichend bestückt. Christine Dunker legt schließlich sofort nach, wenn die Freude droht, auszugehen. Denn genau das sei ihr persönlicher Antrieb. Freude bereiten und ein Lächeln in die Gesichter von klein und groß zaubern, gerade jetzt, wo zuweilen das Lachen vergehen kann. "Aus meiner persönlichen Geschichte weiß ich, dass das vergangene Jahr für viele Menschen alles andere als einfach gewesen ist. Vielen fehlen die Perspektive und die Hoffnung, sie haben Sorgen und Ängste. Manche sind vielleicht auch einsam inmitten all der Beschränkungen", ahnt die 67-Jährige.

Und weiß selbst, wovon sie spricht. Seit 20 Jahren verwitwet, musste die kinderlose Großenhainerin vor fünf Jahren den Verlust ihres neuen Partners hinnehmen. Seitdem lebt die ehemalige kaufmännische Angestellte, welche vielen Großenhainern sicherlich noch durch die gemeinsame Tätigkeit mit ihrem Mann in der Firma Granol bekannt sein dürfte, ganz allein. Besonders jetzt während der angeordneten Beschränkungen sei es manchmal nicht einfach, so ganz ohne den Kontakt zu Freunden und Bekannten auskommen zu müssen. Doch Einsamkeit mache zuweilen auch erfinderisch. "Denn es hilft ja nichts, den Kopf in den Sand zu stecken! Deshalb habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, im zweiten Lockdown vor Weihnachten und vor dem Jahreswechsel ein paar schöne Momente an meinem Zaun zu bescheren. Ja, und jetzt vor Ostern eben wieder", bekennt Christine Dunker und strahlt.

Schöne Momente, die dankbar angenommen werden. Habe kürzlich statt des mitgenommenen Schokohasen ein Zettel mit herzlichen Worten im Körbchen gelegen, honorierten andere Beschenkte die Aktion begeistert in den sozialen Netzwerken. Das kleine Glück am Zaun ist eben gerade jetzt etwas, das das Herz begehrt.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Großenhain