merken
PLUS Großenhain

Großenhains Händler kämpfen sich zurück

Seit Montag hat das Einkaufsleben die Röderstädter wieder. Während sie von Beschränkungen befreit sind, müssen Ladeninhaber noch Hürden bewältigen.

Es wuselt wieder in der Großenhainer Innenstadt: Am Dienstagvormittag nutzten zahlreiche Röderstädter die Gelegenheit, auf dem Frauenmarkt ohne jegliche Beschränkungen einzukaufen.
Es wuselt wieder in der Großenhainer Innenstadt: Am Dienstagvormittag nutzten zahlreiche Röderstädter die Gelegenheit, auf dem Frauenmarkt ohne jegliche Beschränkungen einzukaufen. © Norbert Millauer

Großenhain. Willkommen zurück! Wieder alles auf Anfang. Der wievielte es innerhalb der vergangenen Monate nun schon ist, hat Heike Claus schon aufgehört zu zählen. Der stetige Wechsel dessen, was je nach aktueller Pandemielage nun möglich ist oder eben vor allem nicht, gehörte nicht nur für die Inhaberin des beliebten Einrichtungs- und Dekorationsgeschäftes "Dein Ambiente" zu den Herausforderungen der letzten Zeit. "Ich bin absolut froh, dass ich seit Montag wieder ganz normal öffnen kann und Kunden in meinem Laden ohne Testnachweis begrüßen darf", bekennt Heike Claus.

Auch wenn sie versucht habe, das vielfältige Angebot über einen eigens aufgebauten Onlineshop und terminlich festgezurrt über Click & Meet an die Frau oder den Mann zu bringen, sei das keineswegs mit dem direkten ungezwungenen Verkaufskontakt vergleichbar gewesen. Die Kunden signalisierten ihrerseits ebenfalls Erleichterung und Freude zugleich, nun wieder ohne offizielle Nachweise einfach im aufwendig ausgestatteten Geschäft stöbern zu dürfen.

Jubel
Zwei echt starke Jubiläen
Zwei echt starke Jubiläen

Die gedruckte Sächsische Zeitung wird 75 Jahre alt. Digital gibt es uns seit 25 Jahren. Beide Jubiläen wollen wir feiern - und Sie können dabei gewinnen.

Was die meisten Schaulustigen indes nicht ahnen können: Sie kaufen gewissermaßen erst im April ein. All das, was sich an Übertöpfen, Schalen oder anderen Accessoires beispielsweise in rosa oder hellgrün auf Tischen und Regalen präsentiert, entstammt noch der Frühlingskollektion. Keine Spur von türkisfarbenem Südseeflair und einem Gefühl von Fernweh in meeresblau. "All das, was jetzt schon auf herrliche Sommertage einstimmen sollte, wird erst im Juli geliefert. Ebenso wie die Textilhändler oder Unternehmen, die auf saisonale Produkte spezialisiert sind, kämpfen wir noch mit dem Durcheinander, das in die Bestellungen der Waren geraten ist", gibt Heike Claus zu bedenken.

Wäre das weihnachtliche Sortiment unter normalen Umständen bereits im Januar geordert worden, habe man das jetzt erst im Juni tun können. Ein Kuddelmuddel, das einerseits ungute Erinnerungen an den Winter bei geschlossenen Ladentüren wecke und andererseits hoffen lasse, dass sich nun alles wieder einrenke. Und zwar dauerhaft. "Ein richtig geöffnetes Geschäft ist doch für alle das Schönste", ist sich Heike Claus sicher.

Heike Claus, Inhaberin des Einrichtungs- und Dekorationsgeschäftes "Dein Ambiente" bietet Preisnachlässe an, auf Ware, die sie eigentlich schon vor Wochen anbieten wollte.
Heike Claus, Inhaberin des Einrichtungs- und Dekorationsgeschäftes "Dein Ambiente" bietet Preisnachlässe an, auf Ware, die sie eigentlich schon vor Wochen anbieten wollte. © Norbert Millauer

Und trifft damit wohl voll und ganz die Seelenlage der Röderstädter. "Wissen Sie, wie herrlich das ist, jetzt ohne Testbescheinigung wieder durch die Läden bummeln zu können", freut sich eine 34-Jährige und lacht. Gemeinsam mit ihrer Freundin habe man sich vorgenommen, für den Nachwuchs neue Sandalen zu kaufen. Gemeinsam mit den vier- und fünf Jahre alten Söhnen steuern sie geradewegs aufs Fachgeschäft in der Meißner Straße zu. Gute, geduldige Beratung sei schließlich alles und so nicht im anonymen Internet-Shop zu bekommen.

Eine Erkenntnis, von der sich auch Alexander Ehrke so einiges erhofft. In seiner Eigenschaft als frisch ernannter Zentrumsmanager verfolge er sehr wohl das Klima, welches sich in der wieder erwachten Innenstadt bemerkbar macht. "Und ich bin wirklich froh, was ich da spüre, sehe und höre! Hinter den Händlern liegen zweifelsohne sehr harte Monate, die viele auch wirtschaftlich mächtig gebeutelt haben. Aber jetzt zahlt sich aus, dass sie mit vielen innovativen Ideen immer an ihrer Kundschaft drangeblieben sind", weiß Alexander Ehrke.

Zwar werde die finanzielle Delle, die sich aus den Schließungen und eingeschränkten Verkaufsmöglichkeiten ergeben hat, nicht so schnell ausgebügelt sein. Doch die Ladeninhaber seien selbst guter Dinge und die Fußwege nicht wie leergekehrt. Ganz im Gegenteil! "Ich bin optimistisch, dass Großenhain aufgrund des großen Engagements der einzelnen Händler im Vergleich zu anderen Städten noch gut wegkommen wird", hofft Alexander Ehrke.

Weiterführende Artikel

Händler klagt auf Öffnung der Geschäfte

Händler klagt auf Öffnung der Geschäfte

Der Großenhainer Ronny Rühle scheitert zwar mit seinem Eilantrag gegen Selbsttests von Beschäftigten vor Gericht. Trotzdem legt er nun noch einmal nach.

"Unsere Händler haben im Zweitjob keinen Gartenmarkt"

"Unsere Händler haben im Zweitjob keinen Gartenmarkt"

Citymanager Alexander Ehrke fürchtet um das innerstädtische Leben von Großenhain. Geschäfte seien finanziell am Ende, und Gastronomen kämpften um die Existenz.

"Perspektiven und finanzielle Hilfen fehlen"

"Perspektiven und finanzielle Hilfen fehlen"

Großenhains OB Sven Mißbach macht sich für den städtischen Einzelhandel stark. In einem Brief an Wirtschaftsminister Martin Dulig fordert er jetzt ein Umdenken.

Zusammen mit ihnen solle noch in dieser Woche in einer Zusammenkunft beraten werden, welche Aktivitäten man in der nahen Zukunft in Angriff nehmen könne. Vorstellbar sei Mitte Juli etwa ein buntes städtisches Treiben. Eines, das mit viel Spaß und Freude signalisieren soll: Willkommen zurück, wieder alles auf Anfang.

Mehr zum Thema Großenhain