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Spalier stehen für die Osterhasen

In vier Großenhainer Ortsteilen sind die Langohren mit einem gelben Trabant unterwegs. Der Motor kam nur kurz ins Stocken.

Der kleine Karl - hier mit Papa Tim Einert - gehörte zu den Ersten, die von den fleißigen Osterhasen in Wildenhain mit Süßigkeiten beschenkt werden. Artig bedankt er sich mit ein paar Seifenblasen.
Der kleine Karl - hier mit Papa Tim Einert - gehörte zu den Ersten, die von den fleißigen Osterhasen in Wildenhain mit Süßigkeiten beschenkt werden. Artig bedankt er sich mit ein paar Seifenblasen. © Norbert Millauer

Großenhain. Bloß gut, dass Osterhasen zuweilen nicht nur Handys verstecken, sondern auch selbst eins haben. Denn als das knallgelbe Trabant-Cabrio am Sonntag auf Tour durch Wildenhain, Bauda und Walda-Kleinthiemig gehen will, gerät der Motor erst einmal kurz ins Stocken. Doch Tom und Martin, so heißen die Hoppelhasen hier seit weit über zehn Jahren, rufen geistesgegenwärtig Dietmar Klück an. Aus dessen Renault Auto-Center stammt die Leihgabe für die Ostersonntagstour. Und der Chef persönlich bringt das Gefährt blitzartig wieder in Bewegung - erschienen natürlich gleichfalls im Hasenkostüm. Die Tour ist gerettet.

Bloß gut. Denn in den Ortsteilen werden Tom und Martin, aus "erkennungsdienstlichen Gründen" ohne Familienname unterwegs, sehnsüchtig erwartet. Mit Süßigkeiten und kleinen Geschenken hoppeln sie von Hof zu Hof und müssen eigentlich gar nicht hupen. Denn die Kinder in den Dörfern haben es sich in den Grundstückseinfahrten sogar auf Campingstühlen bequem gemacht und warten geduldig, stehen beinahe Spalier für die drolligen Besucher.

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In Bauda sind aufgestellte Birkensträucher am Feuerlöschteich von den Kindern liebevoll geschmückt worden.
In Bauda sind aufgestellte Birkensträucher am Feuerlöschteich von den Kindern liebevoll geschmückt worden. © Foto: Thomas Riemer
Ein kurzes Winken aus dem gelben Ostergefährt: Die Osterhasen Tom und Martin erledigen seit über zehn Jahren am Ostersonntag einen tollen Job.
Ein kurzes Winken aus dem gelben Ostergefährt: Die Osterhasen Tom und Martin erledigen seit über zehn Jahren am Ostersonntag einen tollen Job. © Foto: Thomas Riemer

Lange Tradition

Dass die traditionelle Osterfahrt im knallgelben Trabant mit schwarzem Verdeck überhaupt stattfindet, stand bis zuletzt auf des Messers Schneide. Wegen Corona musste sie im vergangenen Jahr sogar ausfallen, doch die Ortschaftsräte, der Trabant-Inhaber und natürlich Tom und Martin mit ihren Familien wollten das unbedingt durchziehen. Die übliche Variante, dass sich die Familien auf zentralen Plätzen in den Dörfern treffen, durfte allerdings nicht vonstatten gehen.

"Wir wollten aber, dass gerade die Kinder zu Ostern in diesen Zeiten eine kleine Überraschung haben", begründet Baudas Ortsvorsteher Lars Dronigke die Entscheidung, den Trabi von Haus zu Haus fahren zu lassen. Für Tom (28) und Martin (26) sind das zwar etwas längere Wege zu Fuß, am Enthusiasmus ändert das aber wenig. Der gelernte Kindererzieher und der Elektroniker entschieden vor ein paar Jahren, die Tradition fortzusetzen, die mal kurz einzuschlafen drohte. Seitdem beginnt der Ostersonntag für die "Hasen" sehr zeitig: Geschenke verpacken und verstauen, schminken und ankleiden - alles soll perfekt sein.

Niemand wird vergessen

Diesmal spielt zum Glück auch das Wetter mit. Das Verdeck des Trabants kann hochgeklappt werden. In Bauda gibt das den Blick frei für die liebevoll geschmückten Birkenbäumchen am Feuerlöschteich. Die hatten die Einwohner kurz vor Ostern aufgestellt und die Kinder zum Schmücken animiert. "Da sind richtig kleine Kunstwerke zustande gekommen", freut sich Lars Dronigke über die bunten Eier und andere Bastelergebnisse. Die schönsten davon werden in den nächsten Tagen prämiert.

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Tom und Martin hoppeln derweil weiter und haben es ziemlich eilig. Denn die Ortsteile sind weitläufig, aber niemand soll beim Verteilen der Osterüberraschungen vergessen werden. Trotzdem: Zeit für ein Handyfoto mit den glücklichen Sprösslingen bleibt allemal - natürlich mit respektvollem Abstand. So ist das nun mal in Corona-Zeiten, in denen vieles anders ist. Aber mit Improvisation geht es trotzdem - und dafür sind die Bewohner den Initiatoren sehr dankbar. Selbst, wenn der Motor einmal kurz ins Stocken gerät.

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