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Herbstfreuden mit Schleiereule Malou

Tausende Besucher genossen beim Zabeltitzer Hubertusfest die Sonne und ein abwechslungsreiches Schauprogramm.

Mal sacht übern Gesichtsschleier streicheln: Hubertusfestbesucher mit Falkner Robin Nowak und seiner Schleiereule Malou.
Mal sacht übern Gesichtsschleier streicheln: Hubertusfestbesucher mit Falkner Robin Nowak und seiner Schleiereule Malou. © Daniel Schäfer

Zabeltitz. Wer nicht gerade die Ausstellungsstände im Schloss-Saal besuchte, bekam von Corona-Restriktionen nichts mit. Vor Jahresfrist war das Zabeltitzer Hubertusfest noch coronabedingt abgesagt worden. Aber diesmal lief es eigentlich so wie in den Jahrzehnten zuvor – sogar das Wetter war angenehm sonnig wie fast immer.

Schleiereule Malou schien die Helligkeit aber nicht zu stören. Sie saß stundenlang auf der Faust ihres Besitzers Robin Nowak und war die ganze Zeit über dicht von Besuchern umlagert. „Ein Handy bedienen kann heute jeder“, sagt der 41-Jährige. „Aber eine Schleiereule von einem Waldkauz zu unterscheiden, gelingt den wenigsten.“ Nowak hat sich dem Schutz der nächtlichen Jäger verschrieben. Es gehe ihnen einfach nicht mehr gut, sagt er. Vor allem die in Gebäuden brütenden Eulen, hätten stark unter Lebensraumverlust zu leiden. Immer mehr Häuser und Kirchtürme würden saniert – ohne den Tieren noch Möglichkeiten zum Einfliegen und Nisten zu bieten. Unter „wildbirdstories.de“ informiert der Dresdner Falkner darüber, was man zum Schutz der Eulen alles tun kann. Er besucht mit Malou auch Kindergärten, Schulen, Seniorenheime und private Feiern, wo man die langbeinige Schleiereule dann schon mal streicheln darf.

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Das Zabeltitzer Hubertusfest hat zu Beginn des Jahrtausends ganz klein angefangen. Der Großenhainer Günter Petzold und einige Mitstreiter hoben es als Veranstaltung der hiesigen Hegegemeinschaft aus der Taufe. Zabeltitz war damals noch eine selbstständige Gemeinde, die den Platz und die Räumlichkeiten zur Verfügung stellte. Nach der Eingemeindung im Jahr 2010 führte die Stadt Großenhain die Tradition fort, und das Fest wurde größer und größer.

Es waren auch dieses Jahr, bei der 22. Auflage, sicher wieder mehrere Tausend Besucher – so richtig zählen konnte man sie wegen des freien Eintritts nicht. Aber der Palaisvorplatz mit den vielen Imbissständen war den ganzen Tag über gut gefüllt. Mit dem Hubertusfest erinnern die Zabeltitzer an die Zeit vor 400 Jahren, als die sächsischen Kurfürsten im Ort noch große Jagdlager abhielten. Besonders Christian I und Christian II haben diese Tradition begründet. Die beiden Fürsten waren es auch, die 1588 bis 1598 das prachtvolle Stallgebäude errichten ließen, das heute als Schloss bezeichnet wird.

Kein bisschen gefährlich: Katja Kolbe und Markus Handschuh mit ihrer Jagdhundefamilie vorm Zabeltitzer Palais.
Kein bisschen gefährlich: Katja Kolbe und Markus Handschuh mit ihrer Jagdhundefamilie vorm Zabeltitzer Palais. © Daniel Schäfer

Katja Kolbe und Markus Handschuh haben sich dem Jagdhundewesen verschrieben. Er ist Inhaber eines Forst- und Jagdbetriebes in Coswig, sie besitzt eine Hunde- und Jagdhundeschule. Das Hubertusfest sei für alle Jagdbegeisterten aus der Region einfach ein Muss, sagen die beiden. Sie haben gleich ein halbes Dutzend Jagdhunde mitgebracht, mit denen sie auch an der Vorführung teilnehmen – Bosnische rauhaarige Laufhunde, Deutsch Drahthaar, Welschterrier und Dackel. An die 40 Jagden in der Saison würden die Tiere schon mitmachen, erklärt Markus Handschuh. Und trotzdem seien Jagdhunde so liebe Kerle wie andere Hunde auch, kein bisschen gefährlich. Sie lebten mit in der Familie, und würden auch zu Veranstaltungen in Schulen und Kitas mitgenommen.

Das ist das Markenzeichen des Zabeltitzer Hubertusfestes: Es vereint jagdliches Brauchtum mit der Freude an der Natur und bietet das alles auf unterhaltsame Art dar. Im Schloss-Saal haben die Großenhainer Pilzfreunde, trotz des zu trockenen Septembers, wieder 130 verschiedene Sorten zusammengetragen. Zum ersten Mal auch die aus Nordamerika eingeschleppte Falsche Rotkappe. „Die Wissenschaft ist sich noch nicht einig, ob sie als essbar oder ungenießbar eingestuft werden kann“, erklärt Bernd Merkel. Bis man Näheres weiß, gelte eher Letzteres. Als Attraktion haben die Pilzfreunde einen Kartoffelbovist mitgebracht, aus dem Schmarotzerröhrlinge herauswachsen. Essbares und Ungenießbares quasi in einem Wuchs. Steinpilze wüchsen heuer reichlich, sagt Merkel. Aber die allermeisten davon seien ziemlich madig.

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