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Historische Rosen ausgebuddelt

Großes Entsetzen in Großenhain: Erst im vergangenen Jahr wurden die berühmten Züchtungen am geschichtsträchtigen Ort gepflanzt. Nun sind sie weg.

Leider nicht mehr an Ort und Stelle: die Hochstammrosen der Sorte "Musquee Sans Souci" im Sommerblumengarten des Großenhainer Stadtparks.
Leider nicht mehr an Ort und Stelle: die Hochstammrosen der Sorte "Musquee Sans Souci" im Sommerblumengarten des Großenhainer Stadtparks. © Foto: Stadt Großenhain

Großenhain. Es war ein Genuss im Geheimen. Denn zumindest das konkrete "Wo" hatte die sonst so auskunftsfreudige Großenhainer Rathaussprecherin im Juli 2020 nicht verraten wollen. Nun, fast ein Jahr später, stellt sich leider heraus: aus gutem Grund. Denn was Diana Schulze im Gespräch mit der Sächsischen Zeitung damals mit zu viel negativen Erfahrungen an Diebstahl und Vandalismus begründete, ist in den letzten Tagen tatsächlich eingetreten.

Unfassbar, aber wahr: die prächtigen Rosen der Sorte "Musquee Sans Souci", welche die Gärtner des Stadtbauhofs im April vergangenen Jahres im Stadtpark gepflanzt haben, sind plötzlich verschwunden! Vermutlich zwischen Freitag und Sonntag seien die sechs Hochstammrosen aus dem Sommerblumengarten entwendet worden. "Ich fahre jeden Morgen mit dem Rad zur Arbeit und tanke Kraft für den Tag, indem ich den Anblick der Blumen im Stadtpark genieße. Am Montagmorgen verschlug es mir jedoch erst mal die Sprache, denn dort, wo sonst die sechs seltenen Hochstammrosen standen, klaffte im Boden ein Nichts", sagt Matthias Schmieder.

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Wie der Geschäftsbereichsleiter Stadtkultur und Ordnung erklärt, habe er daraufhin sofort im städtischen Bauhof nachgefragt. Leider erfüllte sich seine stille Hoffnung jedoch nicht. Die Rosen seien mitnichten dort in Quarantäne wegen Lausbefalls oder Ähnlichem. "Die Mitarbeiter dort waren genauso fassungslos wie ich. Es ist geradezu niederschmetternd, mit welcher Dreistigkeit sich manche Menschen an den Rosen bedienen, die eigentlich alle Einwohner und Besucher des Parks erfreuen sollten", sagt Matthias Schmieder.

Tiefe Betroffenheit, die nur allzu verständlich ist. Immerhin handle es sich bei den Pflanzen um eine besondere Sorte aus dem Rosenpark Dräger in Bad Nauheim, die wiederum auf eine Züchtung des Begründers des Stadtparkes, Friedrich August Pollmer, zurückzuführen ist. Der Warenwert, so Diana Schulze, betrage vergleichsweise nur 257,40 Euro. Der ideelle Wert für die Stadt Großenhain sei jedoch um ein Vielfaches höher, da die Rosen erst im Frühjahr 2020 eben zum Andenken an den Parkbegründer gepflanzt worden sind.

Friedrich August Pollmer hatte zwischen 1877 und 1893 das Areal gestaltet und dessen Anpflanzung als Gartendirektor mit viel Fachkenntnis und zukunftsträchtigen Visionen beaufsichtigt. Darüber hinaus widmete er sich mit Hingabe der Rosenzucht. Der Stadtparkschöpfer habe sich vor allem große Verdienste bei der Auslese und Zucht einer geeigneten Veredlungsunterlage für die eigentlichen Edelrosen erworben, vor allem für die Hochstammrosen. Eine schöne Rose robuster und widerstandsfähiger zu machen, ihren Wuchs und vor allem besondere Eigenschaften wie Farbe und Duft zu fördern, habe Friedrich August Pollmers Tun bestimmt. Hintergrund für Pollmers Bemühungen sei dabei der dramatische Rückgang von Rosenwildlingen gewesen.

Pollmer, selbst Mitglied bei den Dresdner Rosenfreunden, testete in seinem Leben sehr viele Rosenwildformen, um geeignete und zuverlässige Unterlagen zum Veredeln zu finden. Dabei selektierte er eine besonders für die Gegend um Meißen und Großenhain geeignete Wildform der Rosa canina oder auch Hundsrose genannt, und brachte diese unter dem Namen Rosa canina "Pollmer" in den Handel. Diese Rosa-canina-Auslese wird heute noch in den großen deutschen Rosenbaumschulen verwendet, da sie unter Fachleuten als ausgezeichneter Stammbildner gilt. Sie verfügt über glatte Stämme und kaum Ansatzstellen der Blätter am Spross der Pflanze.

Eine blumige Leidenschaft, die Friedrich August Pollmer dazu veranlasste, in seinem Großenhainer Stadtpark ein Rosarium - dem jetzigen Sommerblumengarten - anzulegen. "Und genau in Erinnerung daran haben wir eben die Hochstämmchen gepflanzt. Ich habe sehr lange nach den geeigneten Sorten gesucht und bedauere den Verlust deshalb umso mehr", verrät Matthias Schmieder.

Ein Blumenliebhaber, der gezielt Hand anlegt? Wo sonst die Rosen standen, klafft jedenfalls seit dem Wochenende nur ein großes Loch.
Ein Blumenliebhaber, der gezielt Hand anlegt? Wo sonst die Rosen standen, klafft jedenfalls seit dem Wochenende nur ein großes Loch. © Foto: Stadt Großenhain

Eingedenk des Diebstahls von Blumen vor ein paar Wochen sei er inzwischen der Überzeugung, dass es sich möglicherweise um einen Blumenliebhaber handelt, der die Pflanzen gezielt auswählt. "Eine Anzeige und die bisherigen Ermittlungen der Polizei haben leider bislang zu keinem Erfolg geführt. Daher bittet die Stadtverwaltung in diesem neuen Fall um die Mithilfe der Einwohner, da die Rosen im Verdachtsfall möglicherweise durch den Bauhof klar zu identifizieren sind", so Diana Schulze. Für sachdienliche Hinweise werde eine Belohnung von 100 Euro ausgelobt. Die Stadtverwaltung Großenhain habe Anzeige gegen unbekannt erstattet.

Wer Hinweise zum Verbleib der Rosen geben kann, wendet sich bitte an das Polizeirevier Großenhain, Hauptmarkt 4, Telefon 03522 330, oder an die Stadtverwaltung Großenhain unter Telefon 03522 304128.

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