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Historisches Kleinod für Linz

Die Festschrift zur 800-Jahrfeier hat 25 Autoren – herausgekommen ist eine originelle und informative Geschichts-Broschüre.

Der Linzer Ortschronist Frank Schneider mit der Festschrift zur 800-Jahrfeier. Die Broschüre kann in der Bäckerei Lerch und der Schönfelder Gemeindeverwaltung erworben werden.
Der Linzer Ortschronist Frank Schneider mit der Festschrift zur 800-Jahrfeier. Die Broschüre kann in der Bäckerei Lerch und der Schönfelder Gemeindeverwaltung erworben werden. © Foto: Manfred Müller

Linz. Das Dörfchen Linz kann mit vielen Besonderheiten aufwarten. Es hat zwar nicht einmal 300 Einwohner, aber dafür eine Historie, die mindestens 800 Jahre zurückreicht. Hier wurden die „Linzer Edelsteine“ gefertigt, kleine Schmuck-Anhänger aus Quarz in verschiedenen Farbtönen. Hier entwickelte ein naturverbundener Schlossherr die „Linzer Nistkästen“ mit einer speziellen Haltevorrichtung. Eine in Linz konstruierte Kamille-Erntemaschine fand den Weg bis nach Ägypten. Die große Pestepidemie im 17. Jahrhundert soll allein der Linzer Pfarrer überlebt haben. Und nach dem Zweiten Weltkrieg bestand nahezu ein Drittel der Dorfbevölkerung aus schlesischen und westpreußischen Umsiedlern.

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Das alles und viele andere interessante Fakten kann man in der Festschrift zur Linzer 800-Jahrfeier finden, die dieser Tage fertiggestellt wurde und nun zum Preis von 10 Euro erworben werden kann. Zusammengestellt und betreut hat sie der Ortschronist Frank Schneider, der auch viele Beiträge verfasste. „Ich habe schon im Oktober 2018 begonnen, Material zusammenzutragen“, sagt Schneider. Die Idee sei gewesen, eine handliche Broschüre herauszugeben, einen informativen Querschnitt durch die 800-jährige Ortsgeschichte. Etwas, worin man beim Dorfrundgang nachschlagen kann. Ja, auch etwas zum Verschenken an Familienmitglieder, Freunde, Bekannte und Besucher. Aus den ursprünglich geplanten 40 Seiten wurde am Ende das Doppelte. Erworben werden kann die Festschrift in der Linzer Bäckerei Lerch, in der Schönfelder Gemeindeverwaltung und beim Ortschronisten selbst. Die Einnahmen sollen zur Finanzierung der Jubiläumsfeier verwendet werden.

Wann die 800-Jahrfeier stattfindet, stattfinden kann, steht allerdings momentan noch in den Sternen. Eigentlich war sie im Juli vorigen Jahres geplant, musste aber wegen der Corona-Pandemie ausfallen. Zunächst hieß es, sie werde ein Jahr später nachgeholt, aber auch damit sieht es nicht gut aus. „Das Festkomitee darf ja wegen der Kontaktbeschränkungen nicht zusammentreten“, erklärt Frank Schneider. „Und wenn wir es wieder dürfen, bleibt zu wenig Vorlauf und immer noch eine große Unsicherheit, ob solche Veranstaltungen überhaupt erlaubt werden.“ Momentan sieht es deshalb danach aus, als ob die Linzer noch bis 2022 auf ihre Jubiläumsfeier warten müssen.

Nachdem im vorigen Jahr bereits ein Gedenkstein enthüllt wurde, können sich die Dorfbewohner bis dahin mit der originell und abwechslungsreich gestalteten Festschrift trösten. 25 Autoren sind im Inhaltverzeichnis aufgeführt – sie beleuchten nahezu alle dörflichen Lebensbereiche. Ehemalige Lehrer und Pastoren sind darunter, aber auch viele Leute, die heute noch im Dorf leben. Naturschützer, Landwirte, Vertreter der Dorfjugend, Feuerwehrleute, Kirchenmusiker.

„Alle haben sich mit großem Enthusiasmus beteiligt“, sagt Frank Schneider. „Das Problem war weniger, die Beiträge für die Festschrift zusammenzubekommen, sondern die Auswahl.“ Die coronabedingte Verschiebung der Feierlichkeiten habe sich da eher positiv ausgewirkt. Zum einen, weil die Festschrift durch die gewonnene Zeit mehr thematische Tiefe bekam. Zum anderen wurde sie aktueller. Die Linzer Feuerwehr bekam Ende 2020 noch ihr langersehntes Löschfahrzeug, was als letzter und aktuellster Eintrag auf dem Zeitstrahl vermerkt werden konnte. Es sei ein richtiges Hochgefühl gewesen, als er die Festschrift aus der Druckerei abholte, erklärt Frank Schneider. Schließlich habe er an manchen Tagen bis zur Erschöpfung daran gearbeitet. „Wenn man dann noch ein positives Echo bekommt“, sagt er, „ist das nicht mit Geld aufzuwiegen.“

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