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Corona verdirbt Hochzeitslaune

In Großenhain haben sich im vergangenen Jahr 133 Brautpaare das Ja-Wort gegeben. Gegenwärtig wird eher zögerlich geplant - zum Leidwesen der Hochzeitsausstatter.

Die Inhaberin des Hochzeitsausstatters „White Dreams“ in Zabeltitz, Maria Schönfelder, inmitten der hängen gebliebenen Kleider von 2020. Auch sie hofft, dass wieder geheiratet werden darf. Uneingeschränkt.
Die Inhaberin des Hochzeitsausstatters „White Dreams“ in Zabeltitz, Maria Schönfelder, inmitten der hängen gebliebenen Kleider von 2020. Auch sie hofft, dass wieder geheiratet werden darf. Uneingeschränkt. © Foto: Norbert Millauer

Großenhain. Eigentlich hätte sie jetzt alle Hände voll zu tun. Künftige Bräute beraten, Garderobe für den traditionsreichen Dresdner Semperopernball auswählen oder vielleicht schon gemeinsam einen Ausblick auf ein potenzielles Konfirmationskleid wagen. Doch nichts von alledem ist an diesem 4. Januar 2021 der Fall. "Noch nie endete ein Jahr so ruhig wie das Vergangene, und niemals war mein Kalender leer wie jetzt", bekennt Maria Schönfelder und schüttelt traurig den Kopf.

Die Eigentümerin des renommierten Brautmodengeschäfts "White Dreams" in Zabeltitz hat momentan so viel Zeit wie noch nie. Als junges Mädchen stets gern im Laden von Mama Rosi geholfen, nähte die ausgebildete Schneiderin später selbst bis in die Nacht hinein. Schicke Roben für Bälle oder Hochzeiten waren schon immer mehr Leidenschaft der inzwischen 32-Jährigen als anstrengendes Tun. Selbst als sie im Mai 2019 hochschwanger mit Töchterchen Mila gewesen ist, war Maria Schönfelder an jenem Ort zu finden, der mehr Passion als Arbeit ist. Noch drei Tage vor der Geburt zupfte sie das Kleid einer potenziellen Braut zurecht und verhalf der jungen Frau zu einem einzigartigen Erlebnis.

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Erlebnisse, wie sie jetzt viele glücklich Verliebte und auch die Künstlerin mit Nadel und Faden selbst gern vor sich hätten. Stattdessen ist jedoch auch das "White Dreams" auf nicht absehbare Zeit geschlossen und die telefonische Nachfrage beziehungsweise das signalisierte Interesse über ein Online-Kontaktformular an einer modischen Ausstattung für den Tag der Tage vergleichsweise eher spärlich. Die Devise heißt auf beiden Seiten warten, sollen die Pläne nicht tatsächlich als unerfüllbare Luftschlösser zerplatzen. "Ich kann die betreffenden Paare ja auch gut verstehen! Viele würden natürlich gern schon jetzt alles vorbereiten und sich selbstverständlich auch die passende Garderobe dafür aussuchen. Aber angesichts der momentan sehr unsicheren Lage, der geschlossenen Restaurants und dem eingeschränkten öffentlichen Leben, mag sich da keiner so recht heranwagen", verrät Maria Schönfelder.

Während des ersten Lockdowns im Frühjahr habe sie noch die Hoffnung gehabt, dass sich nach dem 20. April alles wieder beruhigt und die Saison doch noch Fahrt aufnehmen kann. Schließlich warteten schmucke Anzüge und hochwertige Kleider in unterschiedlichen Schnitten, Stoffen und Farben auf ihre Träger. Doch mehr als ein kurzes Aufflackern während der Sommermonate sei es leider nicht gewesen.

Immerhin: 133 Brautpaare - und damit sogar 18 mehr als 2019 - kamen im vergangenen Jahr in Großenhain in den Genuss, sich das Ja-Wort zu geben. Keine Eheschließung sei wegen der Corona-Pandemie durch die Stadtverwaltung abgesagt worden. Allerdings hätten die Brautpaare einerseits damit leben müssen, dass die Hochzeit aufgrund der jeweils geltenden Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen anschließend nicht wie geplant gefeiert werden konnte. Und andererseits die allgemeinen Abstands- und Hygieneregeln beachtet werden mussten. "Die meisten Hochzeiten wurden daher auf einen späteren Zeitpunkt im Laufe des Jahres verschoben, beziehungsweise wurde mit weniger Gästen gefeiert", weiß Diana Schulze.

Wie Großenhains Rathaussprecherin erklärt, seien einige wenige Hochzeiten tatsächlich ganz abgesagt oder hoffnungsvoll auf 2021 verlegt worden. Eine Entscheidung, die indes keine Terminengpässe zur Folge habe. Davon gebe es nicht zuletzt wegen der aktuellen Umstände noch ausreichend. Wer sich jetzt kurzfristig trauen lassen wolle, könne das tun. Jedoch dürften nur zehn Personen - einschließlich des Brautpaares und des Fotografen - bei der Eheschließung anwesend sein. "Aus Sicht unserer Standesbeamtin war es für alle sehr ungewohnt, auf das allgemeine Händeschütteln bei der Begrüßung zu verzichten. Und auch, dem Bedürfnis zu widerstehen, dem glücklichen Brautpaar bei der Gratulation die Hand zu geben oder sich wie üblich zu umarmen, fiel den Angehörigen wahrlich nicht leicht", so Diana Schulze.

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Gemütsregungen, die Maria Schönfelder durchaus nachvollziehen kann. Die letzte Hochzeit, die sie habe ausstatten dürfen, wäre am 21. November gewesen. Eine Weitere am 30. Dezember sei wegen des neuerlichen Lockdowns gleich vorsorglich abgesagt worden. Wann sich das nächste von ihr eingekleidete Pärchen an das Ja-Wort heranwage? Völlig ungewiss. "Wir können jetzt nur hoffen, dass sich die Situation verbessert und wieder ein Alltag einzieht, zudem auch eine traumhafte Hochzeit, Feiern, Feste und Bälle gehören dürfen", sagt Maria Schönfelder. Denn während bei den Brautpaaren der Himmel momentan zuweilen keineswegs voller Geigen hänge, werde für Unternehmen wie das "White Dreams" die Luft wirtschaftlich immer dünner. Sie wünsche sich deshalb nichts sehnlicher, als wieder arbeiten zu dürfen - und alle Hände voll zu tun.

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