merken
PLUS Großenhain

Im Stalking-Tagebuch geblättert

Ein Großenhainer fühlt sich von mehreren Frauen abgewiesen und landet nach verbalen Ausrastern und Belästigungen auf der Anklagebank.

Wenn der Telefon-Chat für schwere Beleidigungen und Drohungen genutzt wird: Ein 20-Jähriger musste sich für derartige Ausraster jetzt vor Gericht verantworten.
Wenn der Telefon-Chat für schwere Beleidigungen und Drohungen genutzt wird: Ein 20-Jähriger musste sich für derartige Ausraster jetzt vor Gericht verantworten. © Sebastian Schultz

Großenhain. Obwohl Adrian (Name geändert) ein Kerl wie ein Schrank ist – hochgewachsen und fitnessstudiogestählt – strahlt er im Gerichtssaal eher wenig toxische Männlichkeit aus. Als Richter Mirko Oertel die Beleidigungen und Drohungen vorliest, die er per WhatsApp an eine junge Frau geschickt hat, stehen ihm sogar Tränen in den Augen. Die Verhandlung muss kurz unterbrochen werden, damit er sich wieder fassen kann. Aber es gibt eben noch diesen anderen Adrian, der mit Zurückweisungen absolut nicht umgehen kann. Er steigert sich dann regelrecht in einen Wutrausch hinein. Der Großenhainer hat der heute 20-Jährigen gewünscht, dass sie ums Leben kommen möge wie einer ihrer Freunde, der vor Jahren bei einem Verkehrsunfall starb. Und das nicht etwa bei einem einmaligen Zornesausbruch, sondern immer und immer wieder. Die Betroffene hat ein regelrechtes Stalking-Tagebuch geführt, das auf etlichen Seiten der Gerichtsakte dokumentiert ist.

PPS Medical Fitness GmbH
Physiotherapie bei PPS Medical Fitness
Physiotherapie bei PPS Medical Fitness

Krankengymnastik, Bewegungsbad, physikalische Therapie, Lymphdrainage, Massagen, Outdoor-Training - PPS Medical Fitness ist für Ihre Unterstützung rundum aufgestellt.

Eine weitere Bekanntschaft, die er auf Instagram kennengelernt hatte, beschimpfte Adrian aufs Übelste, als sie die Beziehung nach einem Treffen nicht vertiefen wollte. Er kreuzte dann mit Freunden vor ihrer Wohnungstür auf, wurde aber vom Bruder der jungen Frau abgewiesen. Bei einer dritten Bekannten soll er sogar körperlich zudringlich geworden sein und ihr gegen ihren Willen in den Schritt gefasst haben. Der 22-Jährige bestreitet das. Und die junge Frau, die eine entsprechende Anzeige erstattet hat, ist wegen eines Wohnungswechsels nicht im Zeugenstand erschienen. Da nicht klar ist, ob die Vorladung rechtzeitig angekommen ist, setzt Richter Oertel einen Fortsetzungstermin an.

Das ist dann schon der dritte Verhandlungstag; beim ersten stand eine andere Straftat im Mittelpunkt. Adrian hatte bei einem Fußballspiel in Hamburg Polizisten attackiert. Der junge Großenhainer gehört zur aktiven Fanszene von Dynamo Dresden – er wird von der Polizei sogar bei den Ultras gesehen. Die Ereignisse liegen schon etwas zurück – sie spielten sich im Dezember 2018 bei einem Auswärtsspiel der Dresdner Dynamos im Hamburger Millerntor-Stadion ab. Dort hatte er nach dem Spiel einem Beamten einen Karatetritt vor die Brust verpasst. Angeblich, um seine Mutter zu schützen, die von Polizisten geschubst wurde.

Weiterführende Artikel

Zweite Chance für Karatekid

Zweite Chance für Karatekid

Ein junger Dynamo-Fan wird bei einem Fußballspiel gewalttätig – wegen seiner psychischen Probleme kommt er mit einem milden Urteil davon.

Nach Hooligan-Manier die Mutti verteidigt

Nach Hooligan-Manier die Mutti verteidigt

Ein junger Großenhainer offenbart seine Probleme mit der Impulskontrolle bei einem Fußballspiel ausgerechnet gegenüber der Polizei.

Sieht man sich Adrians bisherigen Lebensweg an, würde man ihn eigentlich nicht bei der gewaltbereiten Fanszene vermuten. Er hat das Abi gemacht, eine kaufmännische Berufsausbildung abgeschlossen und einen festen Job. Das allein sollte eigentlich schon für ein gewisses Selbstbewusstsein sorgen. Aber offenbar gibt es da eine innere Unsicherheit. Das bestätigt auch die Einschätzung eines Psychologen, den der junge Mann nach den Anzeigen der drei Frauen freiwillig aufsuchte. Dieser attestiert ihm Hemmungen, Versagensängste und eine gestörte Impulskontrolle. Anfangs sei Adrian durchaus ein angenehmer Gesprächspartner gewesen, erklärt eine der geschädigten Frauen. Er könne gut zuhören, sei regelrecht fürsorglich aufgetreten. Erst als sie ihm sagte, dass sie keine weiteren Treffen wünsche, habe es bei ihm ausgehakt. Viel wird nun von der dritten Zeugin abhängen, die zum Fortsetzungstermin am kommenden Mittwoch aussagen soll. Eine körperliche Belästigung – so sie denn stattgefunden hat – ist noch einmal eine andere Hausnummer als ein verbaler Ausraster.

Mehr zum Thema Großenhain