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In Gävernitz hat die Hopfenernte begonnen

Die Dolden sind dieses Jahr kleiner, aber zahlreicher – Anlagen-Chef Christoph Liebelt rechnet mit einem sehr guten Ertrag.

Jedes Jahr, selbe Zeit: In Gävernitz ist Hopfenerntezeit! Saisonkräfte aus Polen füttern die Pflückmaschine, die die Dolden vom Hopfenstock trennt.
Jedes Jahr, selbe Zeit: In Gävernitz ist Hopfenerntezeit! Saisonkräfte aus Polen füttern die Pflückmaschine, die die Dolden vom Hopfenstock trennt. © Kristin Richter

Gävernitz. „Wen der Hopfen einmal gekratzt hat, den lässt er nicht mehr los“, lautet ein bayerisches Sprichwort. Das gilt auch für Bärbel und Dieter Röder. Er ist 79, sie 75, und noch immer stehen die beiden in der Verpackungshalle der Gävernitzer Hopfenanlage. „Letztes Jahr haben wir mal überlegt aufzuhören“, sagt Bärbel Röder. „Aber die Arbeit macht uns einfach zu viel Spaß.“

Das Rentner-Ehepaar aus Priestewitz besetzt die letzte Station der Hopfenernte, die am vergangenen Wochenende begonnen hat. Etwas später als sonst, denn im Frühjahr war es lange kalt. „Das mag der Hopfen nicht so“, erklärt Geschäftsführer Christoph Liebelt. Dennoch rechnet er mit einem guten Ertrag. Die vielen Regentage im Sommer haben den Pflanzen dann wieder gut getan – deshalb konnte komplett auf künstliche Bewässerung verzichtet werden. Die Hopfendolden, die für die Bierherstellung verwendet werden, fallen zwar etwas kleiner aus als sonst, aber dafür hängen auch mehr an den Ranken. Wobei Rekord-Erträge betriebswirtschaftlich gar nicht so stark ins Gewicht fallen – dann sinken nämlich die Preise, was am Ende auf ein Nullsummenspiel hinauslaufen kann.

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Immerhin hat die Gävernitzer Hopfen GmbH für den größten Teil ihrer Ernte langfristige Verträge mit einer Abnahmegarantie geschlossen. „Sonst würde es schwierig“, sagt Christoph Liebelt. Die Corona-Beschränkungen haben den Bierbrauern im vorigen Jahr mächtig ins Kontor geschlagen. Keine kulturellen Großveranstaltungen, keine Fußballspiele, die Kneipen monatelang geschlossen. Deshalb verfügen die Brauereien noch über große Lagerbestände, die erst einmal an den Mann gebracht werden müssen.

Mit Kennerblick: Geschäftsführer Christoph Liebelt prüft den Feuchtigkeitsgehalt der frisch geernteten Hopfendolden.
Mit Kennerblick: Geschäftsführer Christoph Liebelt prüft den Feuchtigkeitsgehalt der frisch geernteten Hopfendolden. © Kristin Richter

In der Hopfenanlage nahe Gävernitz und Kmehlen werden knapp 50 Hektar des aromatischen Hanfgewächses angebaut. Hauptanbausorte ist „Hallertauer Magnum“, ein Bitterhopfen mit vielseitigem Aroma. Auf kleineren Flächen gedeihen der ertragreiche „Herkules“ und die milde Sorte „Tradition“. Die Bitterstoffe befinden sich ausschließlich in den Dolden, das heißt, in den Blütenständen der Hopfenpflanze. Zunächst werden die Hopfenreben maschinell knapp über dem Boden abgeschnitten und von den Gerüstanlagen gerissen. In der Hopfendarre trennt eine Pflückmaschine die Dolden vom Hopfenstock. Die Stängel und Blätter werden kompostiert und als Dünger auf die Anbauflächen ausgebracht. Die Dolden durchlaufen mehrfach eine Trocknungsanlage, wo der Feuchtigkeitsgehalt auf acht bis elf Prozent gesenkt wird. Danach werden sie zu 60 bis 65 Kilogramm schweren Paketen gepresst und abgepackt. Die Weiterverarbeitung des Gävernitzer Hopfens erfolgt in der bayerischen Hallertau, dem größten Anbaugebiet Deutschlands. Hier stehen die Veredlungswerke, in denen der Hopfen zu Pellets gepresst und dann vermarktet wird.

Der Hopfen lässt sie einfach nicht los: Bärbel und Dieter Röder im Verpackungsbereich der Gävernitzer Darre.
Der Hopfen lässt sie einfach nicht los: Bärbel und Dieter Röder im Verpackungsbereich der Gävernitzer Darre. © Kristin Richter

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